Prostituierte steht an der Straße (Foto: picture-alliance / Reportdienste, JEAN-CHRISTOPHE BOTT)

"Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung" startet mit Demo in Mainz Aktivistinnen fordern strengeres Prostitutionsgesetz

Die Rahmenbedingungen für legale Prostitution sind seit 2017 gesetzlich geregelt. Den Organisatoren des Mainzer Kongresses gegen sexuelle Ausbeutung ist das aber zu wenig.

Der dreitägige "Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen" hat mit einer Demonstration am Dienstagnachmittag begonnen. Organisatoren sind die Frauenhilfsorganisation SOLWODI (Solidarity with Women in Distress – Solidariät mit Frauen in Not), die Menschenrechtsdachorganisation CAP INTL (Coalition for the Abolition of Prostitution) und der Verein Armut und Gesundheit in Deutschland.

Zum Abschluss will der Kongress am Donnerstag eine "Mainzer Erklärung" verabschieden. Zudem gibt es zahlreiche Vorträge und Diskussionsrunden zum Thema sexuelle Ausbeutung. Unter den rund 300 erwarteten Teilnehmern ist auch Frauenrechtlerin Alice Schwarzer.

Strengere Regeln gefordert

Die Veranstalter fordern strengere Regelungen für Prostitution in Deutschland. "Das Verhalten von Männern, Frauen in Zwangslagen sexuell auszunutzen, muss strafbar gemacht werden", sagte die Gründerin des Vereins SOLWODI, Lea Ackermann, der Deutschen Presse-Agentur.

Der Verein, der sich für Frauen in Not einsetzt, spricht sich für ein generelles "Sexkaufverbot" aus. Bei einer solchen Regelung machten sich die Freier per se strafbar, wenn sie die Dienste einer Prostituierten in Anspruch nehmen, sagte Ackermann. Dieses sogenannte Nordische Modell existiere bereits seit einigen Jahren in Schweden, Island und Norwegen.

Deutschland das Bordell Europas?

Dauer

Seit 1999 hätten sich immer mehr europäische Länder dem Modell angeschlossen, zuletzt Frankreich (2016) und Irland (2017). Deutschland hingegen verdiene sich mit mehr als einer Million Freiern pro Tag zurecht den Ruf, das "Bordell Europas" zu sein, sagte SOLWODI-Bildungsreferentin Helga Tauch.

Bei dieser liberalen Praxis würden jedoch die prekären Zustände übersehen, die mit Prostitution oft einhergingen. Die Bundesregierung hält die Einführung des "Nordischen Modells" nicht für den richtigen Weg. Dies "würde an der realen Situation nichts ändern, sondern lediglich den Eindruck erwecken, dass die Prostitution eingedämmt worden sei", erläuterte der stellvertretende Sprecher des Bundesfamilienministeriums, Andreas Audretsch. "Wo die Prostitution verboten ist, ist sie nicht mehr sichtbar - aber dennoch vorhanden und vermutlich mit größeren Gefahren für die Prostituierten verbunden."

Beim "Sexkaufverbot" wie in Schweden werde der Kauf - nicht jedoch der Verkauf - sexueller Dienste kriminalisiert, sagte Audretsch. "Auch in diesem Fall besteht aber aus unserer Sicht - wie bei einem kompletten Prostitutionsverbot - die große Gefahr, dass die Sexarbeiterinnen in die Illegalität gedrängt werden und den Gefahren und Risiken des Gewerbes schutzlos ausgeliefert sind."

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