Zwei Wasserspeier aus Kupfer in Tierform (Foto: SWR, J: Seitz)

Wegen Sanierungsarbeiten Wasserspeier des Mainzer Doms im Museum

Normalerweise sorgen die Wasserspeier am Mainzer Dom als Abflussrohre dafür, dass kein Wasser ins Mauerwerk dringt. Jetzt sind die acht Figuren vorübergehend im Dommuseum zu sehen.

Die Wasserspeier aus Kupfer wurden am gotischen Turm angebracht, um die filigranen Mauern vor Regenwasser zu schützen. Wie in der Gotik häufig üblich sind die Abflussrohre als Tiere gestaltet: darunter eine Kuh, ein Esel, ein Steinbock und ein Hund. Ungewöhnlich ist dagegen, dass die Wasserspeier aus Kupfer und nicht aus Stein sind. Über die Jahre haben sie dadurch ordentlich Patina angesetzt.

Dommuseum statt Abstellkammer

Am Westturm des Doms laufen seit einigen Jahren Reparaturarbeiten. Jetzt sind die Restauratoren auf Höhe der Wasserspeier angekommen, weshalb die Tiere abgenommen werden mussten. Doch anstatt sie in einer Abstellkammer zu lagern, bis sie wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren können, hat sich das Bistum entschieden, die Wasserspeier auszustellen. In einer kleinen Ausstellung im Dommuseum können die Kupfertiere ganz aus der Nähe betrachtet werden.

Heiligenfiguren aus dem Marienaltar

Neben den schelmisch schauenden Wasserspeiern zeigt das Museum auch zwei besondere Heiligenfiguren. Die beiden Holzschnitzereien haben ihre Heimat normalerweise im Marienaltar in einem Seitenschiff des Doms. Für Besucher sind sie dort nur schwer zu erkennen. Für den Einbau der neuen Orgel im Dom wurden sie aus dem Altar genommen und sind jetzt auch in der Ausstellung im Dommuseum zu sehen.

"Diese Figuren gehören zu den Spitzenarbeiten der deutschen Spätgotik und sind mit die schönsten Werke, die wir innerhalb des Mainzer Doms haben." (Winfried Wilhelmy, Museumsdirektor)

Rätselraten über genaue Herkunft

Für Museumsdirektor Winfried Wilhelmy sind die Ausstellungstücke auch deshalb so besonders, weil nur sehr wenig über sie bekannt ist. Bei den Heiligenfiguren handelt es sich vermutlich um den Hl. Bonifatius und den Hl. Martin, gesichert ist das aber nicht. Und über den Künstler, der laut Wilhelmy ein Meister gewesen sein muss, wisse man auch nichts. Dasselbe gilt für die Wasserspeier. Sind es barocke Exemplare? Oder wurden sie doch erst im 19. Jahrhundert am Dom angebracht? Wer hat sie gestaltet?

Museumsbesucher sollen auf Spurensuche gehen

Im Dommuseum hoffen die Mitarbeiter auf kundige und wissbegierige Besucher der Ausstellung. Vielleicht, so Museumsdirektor Wilhelmy, lösten sich doch noch die Rätsel um die Herkunft der Wasserspeier und der beiden Heiligenfiguren. Die Ausstellung "Vom Himmel hoch ... ganz aus der Nähe" ist bis 22. Dezember geöffnet.

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