Vor dem Prozessbeginn gegen Ali Bashar Anwälte von Susannas Familie vermuten geplante Tat

Der Fall "Susanna" hat bundesweit für Entsetzen gesorgt. Nächste Woche beginnt der Prozess gegen Ali Bashar. Im SWR äußert sich erstmals Susannas Mutter. Die Anwälte der Familie vermuten, dass die 14-Jährige womöglich in eine Falle gelockt wurde.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Diana Feldmann wirkt zunächst gefasst, als sie zum Interview mit dem SWR-Politmagazin Zur Sache Rheinland-Pfalz kommt. Um den Hals trägt sie ein Amulett aus Metall mit dem Konterfei ihrer Tochter - in Gedenken an Susanna, die nur 14 Jahre alt wurde. Im Mai vergangenen Jahres hat Ali Bashar, damals Asylbewerber aus dem Nordirak, Susanna nach einer Vergewaltigung umgebracht, weil Susanna drohte, zur Polizei zu gehen. So steht es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

Mutter will Andenken an Susanna wahren

Diana Feldmann hat sich bewusst entschieden, schon vor Prozessbeginn die Öffentlichkeit zu suchen. Ihre Botschaft: Es geht nicht nur um die Aufklärung der Mordtat, sondern auch um das Andenken ihrer Tochter.

Nach dem Mord waren in der Öffentlichkeit Fragen aufgekommen: Warum lässt sich eine 14-jährige Mainzerin mit einer Clique von Asylbewerbern in Wiesbaden ein? Diana Feldmann berichtet im Interview, ihre Tochter habe sich nach Mobbing-Vorfällen in ihrer Mainzer Schule in der Wiesbadener Clique wohl gefühlt. Tief verletzt hätten die Mutter Aussagen von Ali Bashar, wonach er eine "Schlampe" getötet habe.

"Susanna war eigentlich ein ruhiges, häusliches Mädchen, schüchtern, zurückhaltend und hilfsbereit."

Diana Feldmann

Auf die Frage nach einer angemessenen Strafe für den mutmaßlichen Mörder meint sie: "Für den Tod meiner Tochter gibt es keine gerechte Strafe. Ich weiß, dass keine Strafe der Welt mir mein Kind zurückbringt. Aber dennoch hoffe ich, dass die Richter einfach die richtige Entscheidung treffen."

Staatsanwaltschaft zweifelt an Bashars Aussagen

Für den Prozess sind vorerst elf Verhandlungstage angesetzt. Noch im März soll es nach SWR-Informationen eine Ortsbegehung am Tatort geben. Es gilt, die Details der Tat zu rekonstruieren und wichtige Fragen zu klären. Etwa, ob Ali Bashar, wie er in Vernehmungen behauptet hat, Susannas Leiche selbst vergraben hat. Die Staatsanwaltschaft hat daran große Zweifel.

Die Anwälte der Familie Feldmann, die im Prozess als Nebenkläger auftritt, vermuten inzwischen, dass Ali Bashar Susanna womöglich gezielt in eine Falle gelockt hat. Laut Anklageschrift hat Ali Bashar bereits vor der Tat gesagt, er wolle mit Susanna schlafen.

Zudem soll er wenige Stunden vor der Tat Vorkehrungen getroffen haben, um am späten Abend zusammen mit einem Freund und Susanna in einer Flüchtlingsunterkunft Wodka zu trinken. Während dieser Zusammenkunft habe Ali Bashar einem Freund bewusst telefonisch mitgeteilt, dass sich Susanna nicht mehr in seiner Nähe befinde.

Ali B., der Tatverdächtige im Todesfall Susanna, wird von Beamten einer polizeilichen Spezialeinheit aus dem Justizzentrum zu einem Polizeihubschrauber gebracht  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Ali Bashar war in den Irak geflohen und dann von deutschen Behörden zurückgeholt worden Picture Alliance

War der Mord an Susanna geplant?

Anwalt Jörg Ziegler, der im Strafprozess Susannas fünfjährige Schwester vertritt, sagte dem Politmagazin Zur Sache Rheinland-Pfalz: "Ich gehe davon aus, dass es eine geplante Tat war, weil die Geschehensabläufe, die sich dort nahtlos aneinanderreihten, sehr auf eine absichtliche Lösung zurückschließen lassen." Zu den Vorwürfen gegen Ali Bashar wollte sich ein Verteidiger auf SWR-Anfrage nicht äußern, da "der Hauptverhandlung nicht vorgegriffen werden soll".

Susanna bat Freundin um Hilfe

Bisher ebenfalls kaum bekannt: Susanna hat vor ihrem Tod über einen Chat-Dienst eine Freundin um Hilfe gebeten. Laut Anklageschrift hat Susanna geschrieben, dass sie Angst habe und dass Ali Bashar sie nicht gehen lasse. Die Freundin habe ihr daraufhin geantwortet, sie solle nach Hause fahren.

Die Mainzer Anwältin Petra Kaadtmann, die Susannas Mutter im Prozess vertritt, sagte dazu im Interview: "Diese Freundin hat weder die Polizei noch die Mutter von Susanna angerufen, um hier zu dokumentieren, dass Susanne sich in Schwierigkeiten befindet. Wenn das geschehen wäre, […] wäre es möglich gewesen, die Tat zu verhindern."

Kerzen liegen vor einem gebastelten Grabstein für die getötete Susanna F. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die Anteilnahme an Susannas Tod war groß Picture Alliance

Mutter will am Prozess teilnehmen

Fragen, die auch Diana Feldmann quälen. Unterstützung erfährt sie von der Hilfsorganisation "Weißer Ring" und von ihrem Lebensgefährten. Mit ihm will sie jeden der Verhandlungstage am Landgericht Wiesbaden besuchen. Am Ende des Interviews bricht sie in Tränen aus und sagt: "Ich werde hinter meiner Tochter stehen, auch jetzt, wo sie nicht mehr lebt".

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