Der damalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) springt von einem Polizeiboot in den Rhein bei Mainz (Foto: picture-alliance / dpa)

Sprung in den Fluss vor 30 Jahren "Fischsterben im Rhein? Weil der Töpfer durchgeschwommen ist!"

Heute vor 30 Jahren sprang der damalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer bei Mainz in den Rhein. Die Republik diskutierte: Nur die Einlösung einer Wette oder verantwortungsloses Show-Schwimmen? Im SWR Aktuell-Gespräch erinnert sich der CDU-Mann.

Herr Töpfer, wie sehr nervt es eigentlich, 30 Jahre später immer noch nach diesem Sprung gefragt zu werden?

Früher hat es einigermaßen genervt. Es ist nicht ganz ohne, wenn Sie so etwas bei Mainz machen. Dann gehen Sie nämlich auf eine Karnevalssitzung und da ruft der Büttenredner: Warum gibt es das Fischsterben im Rhein? Und der ganze Saal antwortet: Weil der Töpfer durchgeschwommen ist! Da weißt Du, die Aktion ist nicht ganz so gut angekommen.

Und jetzt?

Ich bin daran gewöhnt. Inzwischen hat es ja was von einem Markenzeichen.

Haben Sie damals eigentlich Wasser geschluckt?

Ich bin ein einigermaßen guter Schwimmer und schwimme eigentlich ohne Wasserschlucken. Das wird auch damals so gewesen sein.

Nie Sorge gehabt, dass es irgendwie gesundheitsschädlich gewesen sein könnte?

Wir hatten ja im Ministerium damals auch eine Wasserabteilung. Dort hieß es nach intensiver Rücksprache, ich müsse mir keine Sorgen machen. Sonst hätte ich es auch nicht gemacht.

Erinnern Sie sich noch an das Gefühl im Wasser? War es arg kalt, anstrengend?

Ich habe weder nachgemessen noch kann ich mich an große Gefühle erinnern. Ich sah mich aber am Ufer plötzlich mit einem riesigen Medienaufgebot konfrontiert. Zwei Hubschrauber kreisten über der Stelle, dazu Feuerwehr und Polizei. Ich habe nur überlegt: Was sage ich denn jetzt? Ehrlich gesagt, soviel Reaktion und Kommentierung habe ich nie wieder gehabt. Das war für mich neu.

Sie mussten für die Aktion viel Häme einstecken.

Meine Pressesprecherin hat immer wieder gesagt: Mach' das nicht, das hat keinen Wert. Das wird ganz anders aufgefasst.

Nämlich wie?

Man war der Meinung, dass ich belegen wollte, dass nach der Chemiekatastrophe in Basel der Rhein wieder sauber ist. Das war nun wirklich nicht mein Motiv.

Irgendwann hieß es dann, es sei nur um eine private Wette gegangen.

Ja, das stimmt. Der spätere Landtagspräsident Mertes war damals mein SPD-Gegenkandidat im Wahlkreis Hunsrück. Der hat immer gesagt: Den Töpfer braucht Ihr hier nicht wählen, der geht sowieso bald als Minister nach Bonn. Das ist mir ein bisschen auf den Geist gegangen und so habe ich dagegen gewettet. Allerdings habe ich die Wette ja verloren und wollte sie auch einlösen.

Weil Sie nach dem Rücktritt von Walter Wallmann doch schon 1987 Bundesumweltminister in Bonn geworden sind. Haben Sie den Sprung in den Rhein also bereut angesichts der Missverständnisse?

Am Anfang ja, später nicht mehr so. Das hat ja Reaktionen in der politischen Diskussion und in der Gesetzgebung ausgelöst. Es hat für die Gewässerreinhaltung in Deutschland insgesamt einen positiven Effekt gehabt. Ich glaube, Churchill hat gesagt: "Never waste a good crisis". Man sollte eine Krise nutzen, um etwas Gutes daraus zu machen.

Sind spektakuläre Aktionen in der Politik nötig, um Menschen auf ein Thema aufmerksam zu machen?

Man darf ernsthafte Fragen nicht auf Show-Effekte reduzieren. Aber Themen können eine Dynamik gewinnen, wenn sie in einem Moment krisenhaft oder skandalös daherkommen. Wir wären mit der Elektromobilität nicht so plötzlich in die Gänge gekommen, wenn der Dieselskandal und diese Betrügereien nicht gewesen wären.

Sie haben später unter anderem als Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen auch auf internationaler Ebene Umweltpolitik gemacht. War der Gewässerschutz da auch nochmal Ihr Thema?

Natürlich! Und das wird eher mehr als weniger. Wir gehen auf die neun Milliarden Menschen zu. Die Wasservorräte können nicht beliebig vergrößert werden. Wir müssen uns fragen, wie wir Flüsse, Seen und Meere so sauber bekommen, dass dort die Vielfalt erhalten bleibt, die auch für unser Überleben wichtig ist.

Wie steht es um den Rhein heute?

Von der Gewässerqualität her ist das ein sanierter Fluss. Aber man sollte nicht hingehen und Rheinwasser trinken, damit ich nicht falsch verstanden werde.

Sind Sie seit dem Sprung 1988 nochmal im Rhein geschwommen?

Im Rhein nicht mehr. Aber in meiner Heimat in Höxter gibt es das Weserschwimmen, da bin ich Schirmherr. In diesem Jahr konnte man da aber nicht schwimmen, sondern wegen des niedrigen Wasserstandes nur durchlaufen.

Wo ist eigentlich der Tauchanzug von damals geblieben?

Keine Ahnung. Das war gar kein richtiger Tauchanzug, sondern so ein Ganzkörperschwimmanzug. Ich weiß gar nicht, wo der damals herkam.

Das Gespräch führte Oliver Nieder

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