Rettungswagen (Foto: picture-alliance / dpa)

Versorgung nach Schlaganfällen Klinik Idar-Oberstein klagt gegen Kürzungen

Das Klinikum Idar-Oberstein klagt gegen Kürzungen bei der Erstattung der Schlaganfallversorgung. Auch das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium sieht die bestehende Versorgung nach einem Gerichtsurteil gefährdet und will dies nicht hinnehmen.

Schon jetzt hätten die Krankenkassen 40 Prozent der Rechnungen des Klinikums gekürzt, sagte der Verwaltungsdirektor des Klinikums, Hendrik Wenz, dem SWR-Politikmagazin "Zur Sache Rheinland-Pfalz". Daher habe man "den Klageweg beschritten gegen Krankenkassen, weil wir uns im Recht fühlen."

Höhere Anforderungen an Kliniken

Hintergrund der Kürzungen ist ein Urteil des Bundessozialgerichts vom Juni, das zur Folge haben könnte, dass sich die Versorgung von Schlaganfallpatienten verschlechtert. Mit dem Urteil werden Abrechnungsvorgaben neu interpretiert und die Anforderungen an Schlaganfallstationen so stark erhöht, dass deren Finanzierung nach Ansicht der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) gefährdet ist. Die Krankenhäuser erhalten bisher für die spezialisierte Schlaganfallversorgung eine gesonderte Vergütung.

Dauer

In seltenen Fällen müssen die Patienten in eine größere Klinik transportiert werden. Hierfür soll es nun neue Zeitvorgaben geben. Diese seien in der Praxis nicht machbar, beklagen viele Kliniken.

Nur bei etwa 5 Prozent der Schlaganfallpatienten in den regionalen Stroke Units sei eine Verlegung überhaupt erforderlich. Aber für 100 Prozent dieser Patienten verschlechtere sich die Versorgung dramatisch, wenn nun die Leistungen nicht mehr abgerechnet werden könnten, so der Präsident der DKG, Gerald Gaß.

Land will neue Kriterien prüfen lassen

Auch nach Ansicht von Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) könnte sich die Umsetzung des Urteils negativ auf die Schlaganfallversorgung in Rheinland-Pfalz auswirken. „Die im Urteil getroffene Definition der Transportzeiten könnte die flächendeckende Schlaganfallversorgung gefährden", erklärte die Ministerin am Mittwoch. Sie habe sich an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gewandt. Dieser habe eine Lösung bis Anfang 2019 angekündigt. Die bestehende Versorgung im Land müsse erhalten werden, so Bätzing-Lichtenthäler. Niemand solle sich Sorgen machen, im Fall eines Schlaganfalls nicht rechtzeitig behandelt zu werden.

Das Land habe zudem im Bundesrat einen Antrag eingebracht, mit dem Ziel, die Abrechnungskriterien prüfen zu lassen und rechtssicher zu gestalten.

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Todesursachen und sehr häufig ein Grund für Behinderung und Pflegebedürftigkeit. Durchschnittlich trifft es täglich 40 Menschen in Rheinland-Pfalz.

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