Auf einem alten Dachboden liegen viele rote Trauben auf Strohmatten (Foto: SWR)

Trauben trocknen auf dem Dachboden "Strohwein" aus Rheinhessen

Im Weingut Dettweiler in Wintersheim geht man neue Wege beim "Weinmachen": Statt die frisch gelesenen Trauben gleich zu keltern, lag ein Teil der Lese zum Trocknen auf dem Dachboden über der Kelterhalle.

Es ist der Versuch, einen ganz besonderen Wein zu machen: Auf Strohmatten haben die Dettweilers rund eine Tonne Trauben des Jahrgangs 2018 auf dem Dachboden verteilt. Während also andere Winzer den 2018er schon in der Flasche haben, werden diese Trauben jetzt erst in der Kelter abgepresst.

Noch keine Erfahrung

Obwohl die Trauben seit Oktober dort liegen, sind sie nicht verfault. Sie sehen eher aus wie schrumpelige Rosinen. Sie schmecken sehr süß, haben aber nicht mehr allzu viel Saft. Winzerin Katrin Dettweiler weiß deshalb nicht so genau, wie viele Flaschen dieses neuen Weins es am Ende gibt: "Wir hoffen auf ein paar Liter, aber wir wissen es nicht. Wir machen das ja auch zum ersten Mal und haben keinerlei Erfahrung."

Der gute Jahrgang macht es möglich

Fest steht nur: Es wird eine edelsüße Spezialität. Auf die Idee kamen die Dettweilers, weil der Jahrgang 2018 so gut war: "Es gab viel Ertrag bei sehr guter Qualität", erklärt Katrin Dettweiler, "und durch die harte Schale der Trauben wussten wir, dass sie auch mal länger liegen bleiben können, ohne dass etwas passiert." In Italien kennt man das Verfahren als Amarone-Wein, dort werden die Trauben nach der Lese zum Trocknen aufgehängt.

"Strohwein" kommt aus Österreich

In Österreich trocknet man die Trauben schon länger auf die gleiche Weise wie im Wintersheimer Weingut Dettweiler. Dort nennt man das Produkt deshalb auch "Strohwein". "So dürfen wir ihn definitiv nicht nennen, der Name ist für Österreich geschützt", sagt Katrin Dettweiler. Im Weingut denken jetzt alle über einen Fantasienamen nach. Lediglich "Wein aus getrockneten Trauben" muss auf dem Etikett stehen, das zumindest schreibt die Weinkontrolle vor. Es ist auch noch ein bisschen Zeit, denn nach dem Keltern muss der neue Wein jetzt noch im Fass reifen.

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