Patientenzimmer einer Klinik (Foto: Imago, Sven Simon)

Tatort Krankenhaus Straftaten in rheinland-pfälzischen Kliniken

Ein Krankenhaus ist eigentlich ein Ort, an dem Patienten gesund werden und sich von einem operativen Eingriff erholen sollen. Doch Krankenhäuser werden auch immer wieder zum Schauplatz von Straftaten.

Kriminelle mischen sich unter Besucher, Patienten und Klinikpersonal. Die einen haben es auf Wertgegenstände und Bargeld aus Patientenzimmern abgesehen. Andere haben teure medizinische Geräte im Visier.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

So gab es von Juli 2015 bis November 2017 in Rheinland-Pfalz eine Serie von Endoskopie-Diebstählen. Dabei entstand ein Schaden von mehreren Millionen Euro. Die Täter hatten es auf Endoskopiegeräte, aber auch Bronchoskope oder Koloskope abgesehen, die für Operationen oder Darmspiegelungen verwendet werden. Umfangreiche Ermittlungen führten schließlich zur Festnahme von zwei Männern, die im Juli 2018 zu sechs und fünf Jahren Haft verurteilt wurden. Danach hörte die Diebstahlserie laut Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz auf.

Im Januar dieses Jahres kam es in einer Klinik in Bad Kreuznach zu einer Messerattacke auf eine Schwangere - eine Beziehungstat, wie sich später herausstellte. Wohl ein tragischer Einzelfall, bei dem das ungeborene Kind starb und die Mutter schwer verletzt wurde. Einen vergleichbaren Fall hat es laut LKA in den letzten fünf Jahren in Rheinland-Pfalz nicht gegeben. Doch wie ist es um die Sicherheit in den Krankenhäusern in Rheinland-Pfalz bestellt?

"Man kann sich sicher fühlen"

"Wenn man bedenkt, wie viel in Kliniken im Laufe eines Jahres passiert und sich die Zahl der Menschen anschaut, die sich da bewegen, da kann man ruhigen Gewissens sagen, dass man sich in den Kliniken in Rheinland-Pfalz sicher fühlen kann", sagt Peter Förster vom Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) und Landesvorstand von Rheinland-Pfalz dem SWR.

Straftaten, die bei der Polizei im vergangenen Jahr angezeigt wurden, seien so selten gewesen wie in den vergangenen Jahren auch, so Förster. Die Sicherheitskonzepte der Kliniken seien individuell. Allerdings forderten die Versicherungen von den Kliniken gleiche Voraussetzungen. Wo beispielsweise Wertsachen seien, müssten die Türen geschlossen werden. Das Personal in den Notaufnahmen müsse Deeskalationstrainings absolvieren. Zur Unterstützung gebe es in einigen Kliniken Sicherheitspersonal. Sicherheitslücken bei den Kliniken im Land sieht Förster keine. "Im Moment ist es ausreichend, wie es ist." Schleusen wie an Flughäfen wolle man nicht bauen.

Mit Aufmerksamkeit und Sensibilität für Sicherheit sorgen

Tatsächlich haben es die Kliniken nicht leicht. Sie müssen den Spagat zwischen Patientensicherheit und einem besucherfreundlichen Krankenhaus hinbekommen. Besucher gehen täglich ein und aus und das Klinikpersonal hat schon mit der Versorgung der Patienten genug zu tun. Diesen Spagat bekäme man nur mit hoher Aufmerksamkeit, Fingerspitzengefühl und Sensibilität hin, sagt Peter Förster, der auch Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums ist.

Die Gewalt gegen Klinikmitarbeiter sei äußerst selten. Aber die verbalen Auseinandersetzungen hätten zugenommen, berichtet Förster. An der Universitätsmedizin in Mainz hätten sowohl Gewalt als auch Agressionen gegenüber dem Klinikpersonal zugenommen, hieß es auf Nachfrage des SWR. Grund für diese Entwicklung sei, dass Menschen mit gesundheitlichen Problemen die Notaufnahme als erste Anlaufstelle betrachteten. So käme es oft zu Wartezeiten und Unzufriedenheit. Zudem würden sich viele Patienten und Angehörige in einer von Schmerz und Unsicherheit geprägten emotionalen Ausnahmesituation befinden. Die Universitätsmedizin schule daher ihre Mitarbeiter im Umgang mit agressiven Personen.

Polizei berät Kliniken

Als Reaktion auf die Diebstähle von teuren medizinischen Geräten haben das Landeskriminalamt und die Polizeipräsidien auf Wunsch Krankenhäuser in Sachen Prävention beraten und individuelle Sicherungskonzepte erstellt. Die Umsetzung liegt im Verantwortungsbereich der Kliniken. Bei den Diebstählen aus Patientenzimmern habe es in den vergangenen Jahren laut LKA keine auffällige Entwicklung in Rheinland-Pfalz gegeben.

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