Konzertbesucher starren auf ihre Handys statt auf die Bühne (Foto: dpa Bildfunk, Malte Christians)

Neue Suchterkrankung durch Soziale Medien Mit dem Handy mittendrin und doch alles verpasst

Durch Social Media können wir alles miterleben: das Konzert, die angesagte Party, die Galerieeröffnung. Für manche endet das in einer Sucht.

Wer ja keine Party verpassen will, wer Konzerte mehr fotografiert als sie erlebt, der ist vielleicht selbst betroffen von der "Fear of Missing Out" - kurz FOMO. Die Angst, etwas zu verpassen, ist nach Ansicht einiger Experten eine neue Suchtkrankheit. Auf dem Suchtkongress in Mainz tauschen sich Ärzte aus, was dagegen hilft.

FOMO ist ein Massenphänomen

Smartphones haben FOMO zu einem Massenphänomen gemacht. Wir sehen überall und jederzeit, was Freunde, Bekannte oder berühmte Influencer tun. Immer scheint etwas los zu sein. Und mache schlussfolgern dann: Ich möchte auch dabei sein. Auf Dauer kann das körperlich anstrengend werden, sagt Kai Müller von der Uniklinik Mainz.

Fotos machen statt selbst erleben

"Es ist vor allem anstrengend, dass die Personen gar nicht mal so sehr die Tätigkeit selbst mitnehmen, sondern dass sie die Inhalte auf den Social Media Kanälen hochladen und dann wahnsinnig viel Zeit damit verbringen, zu gucken, welche Reaktionen in der Community ausgelöst werden." Am Ende fühle man sich erschöpft, ausgelaugt, energie- und kraftlos - Symptome der Fear of Missing out, sagt Müller. Wer so lebt, lebt nicht mehr für den Moment, sondern für die Dokumentation des Ereignisses. "Die Personen kriegen wahnsinnig wenig davon mit, was sie gerade erleben. Es geht nur darum festzuhalten, was gerade passiert."

Auch ohne Social Media dreht sich die Welt weiter

Müller rät Betroffenen, eine Woche lang ihren gesamten Medienkonsum zu hinterfragen. Wer dann eine oder zwei Wochen mal gar nicht in den Sozialen Medien unterwegs sei, merke oft, dass das gar nicht so schlimm sei: "Bricht die Welt zusammen? Eher nein. Oder dreht sie sich weiter? Eher ja."

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