In der katholischen Kirche St. Remigius in Ingelheim sind archäologische Funde  entdeckt worden. (Foto: SWR, K. Zimmermann)

Seltene Funde in St. Remigius in Ingelheim

Ursprünglich sollte der alte Kirchturm der katholischen Kirche St. Remigius in Ingelheim nur saniert werden. Als aber die Arbeiter eine Wand durchbrechen wollten, stießen sie auf einen Metallring.

Archäologe Holger Grewe von der Stadt Ingelheim (Kreis Mainz-Bingen) und sein Team hatten in der letzten Zeit einiges zu tun. Nachdem Bauarbeiter im Boden des Kirchturms eine Treppe entfernt hatten, fanden sie dieses Metallstück. Daraufhin wurde weiter gegraben und geforscht. Schließlich fanden die Wissenschaftler folgendes heraus: Das Metall ist der linke Henkel eines Sarkophags aus dem 11. Jahrhundert. Gleich daneben entdeckten sie noch einen zweiten Sarg aus Stein. Normalerweise liegen in solchen Sarkophagen Gebeine von Geistlichen. Doch die Archäologen fanden heraus, dass in St. Remigius ganz normale Männer und Frauen beigesetzt wurden. Zwei von ihnen seien sogar verwandt, erzählt Forschungsleiter Grewe.

Das war noch nicht alles

Als das Forscherteam einen der Sarkophage herausheben wollte, entdecken sie darunter ein Taufbecken aus dem 7. Jahrhundert nach Christus. Die runde Form mit Eingrabungen im Boden bezeugen nach Angaben der Experten einen sehr alten Taufritus, bei dem Erwachsene im Becken standen und getauft wurden. Dieses Becken ist eine kleine Besonderheit, berichtet Forschungsleiter Grewe.

Denn im Laufe des Mittelalters gingen die Menschen dazu über, immer häufiger Kinder zu taufen. So wie wir das heute kennen. Dazu bauten sie kleinere Taufbecken. Für die großen Anlagen gab es keine Verwendung mehr. Viele Becken seien zerstört worden, so die Experten. In der St. Remigiuskirche ist aber noch mehr als die Hälfte des Beckens erhalten.

Einer der Sarkophage wurde inzwischen geborgen. Das sei alles andere als einfach gewesen, erklärt der Archäologe Holger Grewe.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:00 Uhr
Sender
SWR4 Radio Mainz

Unterhalb dieser alten Taufanlage stießen die Forscher zudem auf einen Keller. Darin entdeckten sie weitere menschliche Knochen. Leiter Holger Grewe vermutet, dass sie bei früheren Umbauten der Kirche in historischen Gräbern gefunden und im Keller beigesetzt wurden. Inzwischen wurden 50 Proben in St. Remigius genommen. Sie werden nun von den Forschern im Labor ausgewertet.

Die katholische Kirche St. Remigius in Ingelheim  (Foto: SWR, K. Zimmermann)
Die katholische Kirche St. Remigius in Ingelheim K. Zimmermann

Einer der Sarkophage und das Taufbecken können aller Voraussicht nach bald besichtigt werden. Die Tourist-Information Ingelheim plant Führungen für Besucher. Die Führungen sollen einzeln oder in Kombination mit Besichtigungen der Kaiserpfalz angeboten werden. Dort residierte einst Karl der Große.

STAND