Düfte beeinflussen uns oft unbewusst  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Uwe Anspach)

Wie Düfte unser Leben bestimmen Geruchsforscher Hanns Hatt hält Vorlesungen in Mainz

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Bei Professor Hanns Hatt dreht sich alles um Düfte. In seiner Vorlesungsreihe an der Uni Mainz geht es darum, welche Macht sie auf uns haben und wie sie in der Medizin beispielsweise gegen Krebs eingesetzt werden können.

Für uns sind sie unsichtbar und oft schenken wir ihnen vielleicht auch deshalb nicht genug Aufmerksamkeit - doch wir sind ständig von Duftmolekülen umgeben. Unbewusst beeinflussen sie uns in vielen Bereichen des Lebens, sagt der renommierte Geruchsforscher Hanns Hatt von der Ruhr-Universität Bochum.

Mit ihrer Hilfe wittern wir Gefahren wie Feuer oder ungenießbare Lebensmittel. Anhand des Geruchs können wir Dinge unterscheiden oder erkennen. Die Nase hilft uns auch dabei Aromen zu schmecken. Denn die Geschmacksnerven auf der Zunge erkennen nur süß, sauer, salzig oder bitter.

Düfte können uns beeinflussen und verführen

Düfte lösen Emotionen und Erinnerungen aus, die bis in die Kindheit zurückreichen. Düfte beeinflussen unsere Entscheidungen. Sie können verführen. Auch wie wir Menschen bewerten, hängt von ihrem Geruch ab. Und auch bei der Partnerwahl spielt die Nase eine entscheidende Rolle.

Der Mensch besitzt 350 Riechzellen in der Nase, sagt Hatt. Mit ihrer Hilfe können wir Gerüche wahrnehmen. Diese werden dann an unser Gehirn gemeldet und mit Düften, die wir schon kennen, verglichen. Welche Gerüche wir als positiv oder negativ wahrnehmen, werde durch die Erziehung der Eltern und durch Erfahrungen geprägt, so der Wissenschaftler. Hatt forscht als Zellphysiologe an der Ruhr-Universität Bochum und zählt zu den international anerkanntesten Wissenschaftlern seines Fachs.

Nach Hatts Erkenntnissen nehmen wir Düfte nicht nur über die Nase auf, sondern auch über die Haut und über die Nahrung. Daher müssten wir aufpassen was wir essen und was wir auf die Haut auftragen. Denn die Duftstoffe würden Bestandteile unseres Körpers.

So wirken beispielsweise die ätherischen Öle von Nelken oder Kümmel auf die Duftrezeptoren des Darms. Die Duftstoffe sorgen dafür, das sich der Darm bewegt, was wiederum die Verdauung verbessert.

"Alle Zellen reagieren auf Düfte", sagt Hatt. Auf diese Weise könne man auch das Herz beeinflussen, Hautzellen schneller wachsen lassen oder das Haarwachstum verbessern. Entsprechende Präparate gebe es schon auf dem Markt.

Hatt will mit Düften Krebs bekämpfen

"In der Medizin haben Düfte viel Potential", meint Hatt. Sie könnten Rezeptoren blockieren oder aktivieren. Der Geruchsforscher will mit Düften sogar Krebs bekämpfen. Jeder Tumor habe seinen eigenen Rezeptor. Wenn man diese Duftrezeptoren stimuliert, könne man das Wachstum der Krebszellen verringern.

Welche Bedeutung Düfte für uns Menschen haben und welche Rolle sie in der Forschung spielen, das will Hatt in seinen Vorlesungen zeigen, die er an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz hält. Die Vorlesungsreihe hat am 16. April begonnen und endet am 2. Juli 2019. Die Vorlesung findet dienstags von 18.15 Uhr bis 20 Uhr auf dem Uni-Campus statt. Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierten.

Den Zuhörern möchte Hatt auch viele Anregungen für zuhause mitgeben. Zum Abschluss jeder Vorlesung will der bekannte Forscher auch Fragen aus dem Publikum beantworten. Zur Abschlussveranstaltung am 2. Juli will er mit einem Sternekoch, einer Winzerin und einer "Supernase" darüber sprechen, wie Duft auch zur Kunst werden kann.

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