Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für den Angeklagten Ali Bashar im Fall Susanna, dieser hält sich eine Mappe vors Gesicht (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Boris Roessler/dpa)

Plädoyers im Fall Susanna Lebenslange Haft für Bashar gefordert

Im Prozess um die Tötung der Mainzer Schülerin Susanna fordern die Staatsanwaltschaft und die Anwälte der Familie eine lebenslange Haftstrafe für Ali Bashar. Bashar bat um Entschuldigung.

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Die Staatsanwaltschaft forderte das Gericht auf, zudem die besondere Schwere der Schuld feststellen zu lassen und sich die Möglichkeit einer Sicherungsverwahrung vorzubehalten. Eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren wäre demnach so gut wie ausgeschlossen.

Staatsanwaltschaft: In jeder Hinsicht kaltblütig

Der Angeklagte habe ein Verbrechen begangen, das an Abscheulichkeit kaum zu überbieten sei, erklärte die Staatsanwältin. Er sei kaltblütig vorgegangen und habe ein Leben ausgelöscht, das in seinen Augen keinen Wert gehabt habe. 

Mordmerkmal im juristischen Sinn sei die Verdeckungsabsicht, weil er versucht habe, zu verhindern, dass Susanna ihn wegen Vergewaltigung anzeigt. Außerdem sei die Tötung heimtückisch gewesen, weil Susanna arglos war. In ihrem Plädoyer schilderte die Staatsanwältin Bashar als in jeder Hinsicht kaltblütig.

Bashar bittet um Entschuldigung

Der Verteidiger des Angeklagten sprach sich für kein konkretes Strafmaß aus. Er bat die Kammer jedoch, von der besonderen Schwere der Schuld und einer anschließenden Sicherungsverwahrung abzusehen. Der Anwalt hob in seinem Schlussvortrag hervor, dass der 22-Jährige die Tat eingeräumt und Reue gezeigt habe.

In seinem letzten Wort als Angeklagter bat Bashar die Mutter von Susanna um Entschuldigung. Er sei bereit, seine Strafe auf sich zu nehmen und diese bis zum letzten Tag abzusitzen.

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Der irakische Flüchtling soll die 14-jährige Susanna aus Mainz im Mai 2018 vergewaltigt und ermordet haben. Der 22-Jährige hat gestanden, die Schülerin erwürgt zu haben. Die Vergewaltigung bestreitet Bashar aber.

Die Mutter von Susanna sagte am Ende des Prozesses unter Tränen und von Weinkrämpfen geschüttelt, die Tat sei nicht wieder gut zu machen. Eine gerechte Strafe für den Angeklagten gebe es aus ihrer Sicht nicht.

"Ich habe bereits lebenslänglich bekommen, obwohl ich keine Schuld trage."

Mutter von Susanna

Gutachterin hält weitere Straftaten für möglich

Zuletzt hatte eine Gutachterin vor dem Landgericht die Einschätzung vertreten, dass von dem Angeklagten weitere schwere Sexualstraftaten zu erwarten seien. Auch Raub und Körperverletzung seien denkbar. Ali Bashar kann ihrer Einschätzung nach sein Verhalten steuern und ist einsichtsfähig. Er könnte demnach von der Kammer als schuldfähig angesehen werden.

In ihrem Gutachten hatte die Psychiaterin dem 22-Jährigen eine dissoziale Persönlichkeitsstörung mit psychopathischen Zügen attestiert. Das Gutachten soll für das Gericht eine Entscheidungshilfe sein, ob beispielsweise eine Sicherungsverwahrung notwendig ist.

Polizisten vor dem Wiesbadener Gericht, wo der Susanna-Fall verhandelt wird. (Foto: SWR, Daniel Brusch)
Polizisten vor dem Wiesbadener Landgericht, wo der Susanna-Prozess heute weiterverhandelt wird. Daniel Brusch

Urteil fällt kommende Woche

Die Polizei hatte am 6. Juni 2018 neben den Bahngleisen in Wiesbaden-Erbenheim Susannas Leiche gefunden. Ihre Mutter hatte sie zwei Wochen zuvor als vermisst gemeldet, weil sie abends nicht nach Hause gekommen war. Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen.

Das Urteil soll voraussichtlich am 10. Juli gesprochen werden.

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