Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung Oppenheimer zeigen Solidarität mit bedrohter Transfrau

Eine Frau, die früher als Mann gelebt hat, ist in Oppenheim beleidigt und bedroht worden. Ein anonymer Brief hing an ihrer Tür. Am Freitagabend zeigten viele Oppenheimer Solidarität.

Laut Polizei kamen rund 150 Menschen am Freitagabend auf den Marktplatz in Oppenheim. Dort demonstrierten sie für Toleranz. Mehrere Gruppen hatten unter anderem auf Twitter zu der Kundgebung aufgerufen.

Auch Oppenheims Bürgermeister Walter Jertz (parteilos) rief zur Solidarität auf. Oppenheim sei ein Hort der Vielfalt und ein sicherer Hafen für alle, die ihn brauchten.Christiane Rohleder, Landesbeauftragte für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Geschlechtsidentität, verurteilte den transphoben Vorfall. Sie twitterte über den Account des Familienministeriums: "Das ist menschenverachtend. Wir kämpfen weiter dafür, dass alle ihre geschlechtliche Identität ohne Angst leben können."

Die 46-jährige Oppenheimerin sitzt vor einem Computer. (Foto: SWR)
Nachdem sie den Drohbrief an ihrer Haustür entdeckte, wandte sie sich über Facebook an die Öffentlichkeit.

Drohbrief mit NS-Bezug

Die 46-Jährige hatte am Donnerstag einen Drohbrief an ihrer Haustür entdeckt. Der anonyme Schreiber des Zettels hat sie unter anderem als "perverses Schwein" bezeichnet. "Früher wärst du vergast worden, aber auch heute kriegen wir dich noch", steht auf dem Zettel. Die Betroffene wurde als Mann geboren, konnte sich aber mit dem Geschlecht nicht identifizieren.

Sie zeigte sich schockiert, betroffen und fühlt sich vor allem nochmal ein Stück unsicherer. Es sei nicht das erste Mal, dass sie bedroht werde. Deshalb habe sie auch immer Pfefferspray dabei.

Nachdem sie allerdings den Drohbrief an ihrer Haustür entdeckt hatte, entschloss sie sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Sie teilte den Brief in den sozialen Medien. Und dort herrschte eine große Solidarität. Sie freue sich über die vielen aufmunternden Nachrichten, sagte sie dem SWR.

Auf dem Drohbrief steht unter anderem "Für ein schwuchtelfreies Oppenheim" (Foto: privat/colourbox)
Dieser Drohbrief wurde in Oppenheim an die Haustür geklebt. Der SWR hat das Foto der Frau aus Opferschutzgründen verpixelt. privat/colourbox

Polizei hat noch keine Hinweise

Die Polizei Oppenheim hat nach eigener Aussage unmittelbar nach Bekanntwerden des Schreibens die Ermittlungen wegen Volksverhetzung und Beleidigung aufgenommen. Derzeit lägen aber noch keine konkreten Hinweise auf den oder die Täter vor.

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