Kasernenartige Gebäude auf einem eingezäunten Gelände (Foto: SWR)

Entscheidung des Niersteiner Stadtrats Keine Off-Road-Strecke im Rhein-Selz-Park

Die geplante Off-Road-Strecke im Rhein-Selz-Park in Nierstein wird nun doch nicht gebaut. Der Stadtrat votierte am Montagabend gegen das umstrittene Projekt.

Der Vorschlag einer abgespeckten Off-Road-Strecke erhielt 9 Stimmen, 15 Ratsmitglieder stimmten für die zweite Variante, ein Mischgebiet aus Wohnen und Gewerbe. Nun muss die Stadt einen neuen Plan aufstellen.

Mehr als eineinhalb Stunden wurde im Niersteiner Haus der Gemeinde darüber debattiert, Rechtsexperten wurden angehört. Zahlreiche Zuschauer verfolgten die Sitzung gespannt.

Jahrelanger Streit endet

Mit dem Votum endet ein jahrelanger politischer und juristischer Streit um die größte Konversionsfläche in Rheinhessen. Ein Mainzer Investor wollte auf dem 75 Hektar großen Gelände, auf dem sich früher eine Kaserne befand, eine Testrecke für Autos und Motorräder bauen. Dagegen kämpfte eine Bürgerinitiative, vor allem wegen der befürchteten Lärmbelastung.

Die Klage eines Anwohners gegen den ursprünglichen Bebauungsplan hatte Erfolg, das Oberverwaltungsgericht erklärte den Plan im April vergangenen Jahres für ungültig. Deshalb war ein neuer Beschluss nötig geworden.

Schadenersatz als Druckmittel?

Zuletzt hatte Stadtbürgermeister Thomas Günther (CDU), der die Off-Road-Strecke befürwortet, von Schadenersatzforderungen berichtet, sollte diese nicht gebaut werden. Genannt wurde eine Summe von mindestens 15 Millionen Euro. Und das wäre tatsächlich eine Riesensumme für die Stadt Nierstein, aber wer tatsächlich in Regress genommen werden könnte, ist unklar.

Niersteins Bürgermeister Günther sitzend, um ihn herum stehen mehrere Ratsmitglieder (Foto: SWR)
Diskussionsbedarf bei der Abstimmung über den Rhein-Selz-Park im Niersteiner Stadtrat

Die Opposition jedenfalls wollte die Information Günthers nicht glauben und hatte ihrerseits ein Gegengutachten in Auftrag gegeben. Nach SWR-Informationen geht daraus eindeutig hervor, dass weder dem Investor noch irgendwelchen Dritten Ansprüche zustehen. Dieses Gegengutachten führt nun bei einigen in Nierstein zur Vermutung, dass Günther Angst verbreiten wolle unter den Ratsmitgliedern - nach dem Motto: Wer gegen die Cross-Strecke stimmt, der sei später mitverantwortlich, wenn das gesamte Projekt Rhein-Selz-Park scheitere und Regress gefordert würde.

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