Der OB-Kandidat der Linken trägt ein lialfarbenes Hemd und einen dunklen Anzug.  (Foto: SWR, L. Schmitt)

Kandidaten-Porträts OB-Wahl Mainz: Martin Malcherek (Die Linke) - Vision von einer solidarischen Stadt

Am 27. Oktober entscheiden die Mainzerinnen und Mainzer darüber, wer in den nächsten Jahren Oberbürgermeister beziehungsweise Oberbürgermeisterin wird. Wir haben die Kandidatin und die Kandidaten getroffen und stellen sie vor.

Der Kandidat der Partei "Die Linke", Martin Malcherek, sitzt entspannt am Schreibtisch in seiner Kanzlei in der Mainzer Rheinallee. Auf dem Tisch stapeln sich Akten, Ordner, Papier und Stifte. Der 46-Jährige ist Rechtsanwalt, sein Spezialgebiet ist Verwaltungs- und Arbeitsrecht. Dass die Akten in seinem Büro immer mehr werden, habe vor allem damit zu tun, dass er Wahlkampf mache, sagt er. Und das momentan jeden Tag. Da bleibt vieles liegen.

OB-Kandidat Martin Malcherek sitzt in seiner Kanzlei in Mainz am Schreibtisch (Foto: SWR, J. Wolff)
OB-Kandidat Martin Malcherek in seinem Büro in Mainz. J. Wolff

Zum OB-Wahlkampf gehört, dass Malcherek Flyer verteilt, an Podiumsdiskussionen teilnimmt und auf Bürger zugeht. Er wird nicht müde, über die Themen zu diskutieren, die ihm wichtig sind. Zum Beispiel die Wohnsituation vieler Menschen in Mainz. Die Stadt verkaufe immer wieder Grundstücke an Investoren und fördere damit den Immobilienbesitz. Das geht Malcherek gegen den Strich. Dadurch, sagt er, würden die Miet- und Immobilienpreise in die Höhe getrieben. "Menschen mit kleinen oder mittleren Einkommen bleiben dabei auf der Strecke. Besser wäre es, das Ganze in Erbpacht zu vergeben, zum Beispiel an gemeinnützige Genossenschaften."

Malcherek für mehr sozialen Wohnungsbau

Eine weitere Antwort auf die Wohnungsnot in Mainz ist seine Idee vom Anna-Seghers-Hochhaus. Malcherek will es in Bahnhofsnähe bauen, neben der gleichnamigen Stadtbücherei. In diesem Gebäude könnten aus seiner Sicht mehr als 250 Wohnungen mitten in der Stadt entstehen - ein Viertel davon sollen Sozialwohnungen werden. „Das ist keine Spinnerei, sondern durchaus ernst gemeint“, sagt Malcherek.

OB-Wahl Mainz Kandidat der Linken: Auf einem Flyer steht: "Vote left - vote Malcherek" (Foto: SWR, L. Schmitt)
Das ist einer der Flyer, den der Mainzer OB-Kandidat Malcherek verteilt. L. Schmitt

Malcherek wurde 1973 in Bayern geboren und lebte später mit seinen Eltern in Mainz-Kastel. Einem früheren Mainzer Stadtteil, der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu Wiesbaden gehört. Dazu zählen auch Amöneburg und Kostheim - kurz AKK. Malcherek lebte in Kastel in einer genossenschaftlich organisierten Eisenbahner-Siedlung. In dieser Zeit wurde vermutlich der Grundstein für seine linke politische Haltung gelegt. In der Siedlung seien alle Schichten vertreten gewesen, und das habe ihm eine Vorstellung von gemeinsamen Wohnen und Zusammenhalt gegeben, sagt Malcherek.

OB-Kandidat Malcherek will AKK-Stadtteile zurück

Auf seiner politischen Agenda steht deshalb auch die Wiedereingliederung der AKK-Stadtteile. "Rechts des Rheins ist auch noch Mainz", steht auf seiner Homepage. Bürger fühlten sich dort als Mainzer und nicht als Wiesbadener, findet der 46-Jährige. „Die vielen Kfz-Kennzeichen mit der Buchstabenkombination WI-MZ zeigen das doch deutlich auf." Malcherek fordert deshalb eine Bürgerbefragung.

"(...) Leute dazu bringen, freiwillig auf das Auto zu verzichten"

OB-Kandidat Martin Malcherek (Die Linke)

Malchereks Kanzlei befindet sich in der Nähe der Gerichte, in einem Gebäude an der Rheinallee. Der Anwalt besitzt kein Auto und trägt seine Akten zu Fuß durch die Stadt. Wenn er mal etwas Größeres transportieren muss oder irgendwo hin möchte, wo er nicht mit Bus oder Bahn hinkommt, nutzt er Car-Sharing. Am liebsten würde Malcherek die meisten Fahrzeuge aus der Stadt verbannen. „Der erste Ansatz muss sein, Autos überflüssig zu machen. Das heißt, die Leute dazu zu bringen, freiwillig auf das Auto zu verzichten", erklärt Malcherek. Er selbst habe gemerkt: Ein Auto in der Stadt zu haben, sei überflüssig. Andere Leute seien aus nachvollziehbaren Gründen auf das Auto angewiesen, denen sollte es wiederum nicht verboten werden. Um diese Ziele zu erreichen, würde der 46-Jährige auch vor vermeintlich radikalen Forderungen nicht zurückschrecken. So kann er sich vorstellen, die sechsspurige Kaiserstraße im Zentrum der Stadt mindestens zur Hälfte zu einem großen Radweg umbauen zu lassen.

Der OB-Kandidat der Linken Martin Malcherek im Interview vor dem SWR-Eingang in Mainz. (Foto: SWR, L. Schmitt)
Interviews gehören für alle Mainzer OB-Kandidaten im Wahlkampf dazu. L. Schmitt

Sänger der Punkband "Motorkopp"

Und was macht der Kandidat der Mainzer Linken in seiner Freizeit, wenn er mal keine Aktenberge wälzen muss oder in Sachen Wahlkampf unterwegs ist? Malcherek ist der Sänger der Mainzer Punkband "Motorkopp". Man trifft ihn auch immer mal wieder im "Hafeneck", einer Kneipe in der Mainzer Neustadt. Dort diskutiert der 46-Jährige dann gerne mal bei einem Bier über Politik und über seine Vision: "Eine solidarische Stadt, in der jeder ein hohes Maß an Lebensqualität erreichen kann."

Autor: SWR-Reporter Jürgen Wolff

In der sogenannten Tagcloud wird eine Liste an Schlagwörtern angezeigt, die im Online-Wahlprogramm der Kandidaten vorkommen. (Foto: SWR, A. Zieba)
A. Zieba
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