Die Kostümbildnerin Annelies Vanlaere befestigt vor der ersten Probe für die Nibelungen-Festspiele Zettel mit Kostümentwürfen an einer Stellwand. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Uwe Anspach/dpa)

Nibelungenfestspiele in Worms Was Kriemhild und Hagen auf der Bühne tragen

Annelies Vanlaere tüftelt derzeit an den Kostümen für die Nibelungenfestspiele. Sie liebt Kontraste und groteske Kostüme. Wer auf der Bühne moderne Uniformen oder Fell und Leder erwartet, wird enttäuscht.

Für die bevorstehenden Nibelungen-Festspiele in Worms klingt es fast wie ein Arbeitsauftrag. "Die allerbesten Kleider, die man jemals fand, trägt man zu allen Zeiten in der Brunhilde Land", heißt es in einer Version des Nibelungenliedes von 1815. Schon immer waren die Kostüme der Burgherrin Brunhilde, der Königstochter Kriemhild und des Drachentöters Siegfried ein wichtiges Thema.

In Worms kümmert sich in diesen Tage Annelies Vanlaere darum, dass das Ensemble um Schauspiellegende Klaus Maria Brandauer bei den Festspielen ab dem 12. Juli die "allerbesten Kleider" trägt. "Ich sammele erst alles, was ich mit den Figuren assoziiere und für mich interessant ist", sagt die 42-jährige Kostümbildnerin. "Wir sortieren dann ein wenig - daraus entsteht eine Art Extrakt", erzählt Vanlaere.

Inspiriert von den Beatles und den Rolling Stones

An einer Stellwand mit Kostümideen sind ikonenhafte Bilder aus der Musikgeschichte befestigt. So hängt neben einem Foto der Beatles in den Fantasieuniformen des "Sergeant Pepper"-Albums von 1967 eine Aufnahme der Rolling Stones in bunten Kleidern ebenfalls von 1967. Unweit davon sind imposante Fotos von Cristina Garcia Rodero an die Stellwand gepinnt. Kontraststark hat die Spanierin religiöse und heidnische Feste fotografiert.

Kostümbildnerin Annelies Vanlaere hat Plastische Kunst in Brügge und Kostümbild in Antwerpen studiert. Sie ist bereits zum zweiten Mal für die Kostüme bei den Nibelungefestspielen verantwortlich. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Bernward Bertram)
Kostümbildnerin Annelies Vanlaere hat Plastische Kunst in Brügge und Kostümbild in Antwerpen studiert. Sie ist bereits zum zweiten Mal für die Kostüme bei den Nibelungefestspielen verantwortlich. Bernward Bertram

"Die schwarz-weißen Bilder sind total inspirierend", erzählt Vanlaere. Vor allem die harten Kontraste faszinieren sie. "Das könnte ich mir gut für das erste Bühnenbild vorstellen. Das Stück beginnt - und man hat den Eindruck, man blickt auf ein altes Foto", schildert die Künstlerin. Was sie zudem übernehmen möchte, sind Männerhelme mit Federn wie von Paradepferden. "Mir gefällt das Groteske daran."

Schlaghosen und Kostüme mit Silhouette

Doch wie sehen nun die "allerbesten Kleider" aus, die die historische Vorlage erwähnt? Wer auf der Wormser Bühne Fell und Leder erwartet, wird enttäuscht. Vanlaere setzt etwa auf Schlaghosen, die ab dem Knie weiter werden. "Ich fände schön, wenn man schon von der Silhouette her sieht: Es ist eine andere Zeit", erzählt die 42-Jährige. Sie verstehe eine Bühne als freie Plattform, auf der viel möglich sei.

"Ich möchte zum Beispiel nicht, dass ein Kostüm zu heutig ist. Männer in aktuellen Armeeuniformen fände ich nicht so spannend", sagt sie. Überhaupt sei sie "ein wenig allergisch" gegen alles, was zu neu angefertigt ist. "Ich mag die Mischung aus einem schon getragenen und einem vielleicht umgearbeiteten Teil." Deswegen schaue sie sich auch im Fundus um. "Das ist ein schöner Topf etwa für Probenkostüme, damit das Ensemble nicht nur in Privatkleidern probt", betont die Künstlerin aus Westflandern.

Schneiderinnen aus der Region nähen die Bühnenoutfits

Die Entwürfe der Kostüme sind seit gut zwei Monaten fertig, das Material ist angekauft, der Schnitt geschieht vor Ort mit Schneiderinnen aus der Region. Schauspielerinnen und Schauspieler reden ein gehöriges Wort mit. "Man spricht über die Kostüme, und natürlich gibt es das immer wieder, dass jemand Vorbehalte oder Fragen hat", schildert Vanlaere. Jeder lese den Stoff und die jeweilige Figur auf seine Art. "Da braucht man Zeit, sich über die Wahrnehmungen auszutauschen", sagt die Kostümbildnerin. "Und dann hofft man, dass man zusammenkommt." Sich immer wieder gemeinsam mit einem Stück auseinanderzusetzen, sei eine große Herausforderung. "Das ist auch das Spannendste an meinem Job."

STAND