Nach dem Urteil im Fall Susanna (Foto: SWR, SWR)

Nach dem Urteil gegen Ali Bashar Geld für Susannas Familie?

Neben der lebenslangen Haft für Ali Bashar hat das Wiesbadener Landgericht der Mutter und der Halbschwester von Susanna Hinterbliebenengeld zugesprochen. Fraglich ist, ob sie dieses Geld je bekommen.

Die Richter am Wiesbadener Landgericht schickten nicht nur den Angeklagten wegen Mordes lebenslang hinter Gitter und erkannten auf die besondere Schwere der Schuld bei Ali Bashar, sie sprachen der Mutter von Susanna und ihrer Halbschwester auch ein sogenanntes Hinterbliebenengeld zu: jeweils 50.000 Euro.

Neues Gesetz

Hinterbliebenengeld ist eine Art Schadenersatz für erlittenes seelisches Leid. Hinterbliebene von getöteten Menschen können es vom verurteilten Täter fordern. Das entsprechende Gesetz ist seit knapp zwei Jahren in Kraft. Die Diskussion darum wurde unter anderem nach dem Germanwings-Absturz 2015 auf den Weg gebracht. Einer der Piloten hatte damals Selbstmord begangen und 149 Menschen mit in den Tod gerissen.

Susannas Verwandte werden kaum etwas bekommen

Die Nebenklage, also die Vertreter von Susannas Hinterbliebenen, berief sich auf dieses Gesetz. Demnach muss Ali Bashar nun der Mutter und Susannas Halbschwester insgesamt 100.000 Euro zahlen.

Zweifelhaft ist allerdings, dass der irakische Flüchtling dieses Geld hat. Das, was er in der Haft verdient, kann ab einer bestimmten Höhe zwar gepfändet werden. Dennoch werden die Beträge bei einem Stundenlohn für Häftlinge von ein bis drei Euro gering bleiben. Eine Expertin geht von zirka 1.000 Euro in drei Jahren für Susannas Verwandte aus.

Der Staat muss nicht einspringen und Bashars Eltern sind ebenfalls nicht zu Zahlungen verpflichtet. Susannas Mutter und Schwester werden also aller Voraussicht nach, wenn überhaupt, nur wenig von den 100.000 Euro Hinterbliebenengeld bekommen.

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