Vom Oberlandesgericht Düsseldorf wurde der Taliban-Kämpfer, der hinter einer Scheibe steht, zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt. (Foto: picture-alliance / dpa)

Urteil wegen Terrorismus Sechs Jahre Haft für Taliban aus Worms

Ein Taliban-Kämpfer aus dem Raum Worms muss sechs Jahre ins Gefängnis. Er habe sich zeitweise auf einer Liste von Selbstmordattentätern befunden, hatte er im Prozess ausgesagt.

Diese Personen sollten sprengstoffbeladene Wagen ins Ziel steuern. Er sei aber wegen seiner schlechten Fahrkünste auf der Liste weit nach unten gerutscht. Um die Taliban in Szene zu setzen, habe er schließlich ein Drehbuch für einen Film über die Terrorgruppe geschrieben.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf sprach den Islamisten am Montag schuldig. Den ursprünglichen Vorwurf des versuchten Mordes sah das Gericht allerdings als nicht erfüllt an. Der 37-Jährige hatte aber eine Mörsergranate abgefeuert und damit gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen.

Mann wurde in Afghanistan festgenommen

Fünf Jahre lang hatte der Mann in Pakistan und Afghanistan in den Reihen der Taliban gekämpft. Im Februar war er in Afghanistan von einer Spezialeinheit im Süden Afghanistans festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden.

Der Mann ist Deutscher - er wurde in Polen geboren und ist im rheinhessischen Worms aufgewachsen. Er hatte im Prozess ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Der Angeklagte hat ausgesagt, an massiven psychischen Problemen zu leiden. In Deutschland hatte er nur mit Mühe den Hauptschulabschluss geschafft. Bei diversen Hilfsarbeiterjobs erwies er sich als wenig belastbar und unzuverlässig. Bei Intelligenztestes schnitt er weit unterdurchschnittlich ab. Nach Aufenthalten in Psychiatrien 2004 und 2006 war er schließlich im Alter von nur 25 Jahren frühverrentet worden.

Trotz psychischen Problem voll schuldfähig

Ein Psychiater hatte dem 37-Jährigen zwar eine Persönlichkeitsstörung "mit schizoiden Zügen" attestiert, ihn aber dennoch als voll schuldfähig eingestuft.

Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens habe er sich dem Islam zugewandt und habe sich allmählich radikalisiert. Bei den Taliban habe er den puren, unverfälschten Islam finden wollen, hatte der 37-Jährige ausgesagt. Im Prozess hatte er sich zwar von den Taten der Taliban distanziert, strafverschärfend habe seine jahrelange treue Gefolgschaft im Sold der Terrorgruppe gewirkt, für die er mit der Kalaschnikow in der Hand Wachdienste geleistet habe, auch wenn er insgesamt eher "von geringem Nutzen" für die Taliban gewesen sei, so das Gericht.

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