Auktion der 5G-Mobilfunkfrequenzblöcke beendet (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Arne Dedert/dpa)

Mobilfunk-Auktion nach zwölf Wochen beendet Bund kassiert bei 5G-Versteigerung in Mainz über sechs Milliarden Euro

Bei der 5G-Auktion in Mainz ist der Hammer gefallen: Vier Provider zahlen insgesamt über sechs Milliarden Euro für die Highspeed-Frequenzblöcke. Auch ein Westerwälder Unternehmen ist darunter.

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Nach mehr als zwölf Wochen ist damit auch die längste Auktion deutscher Mobilfunkfrequenzen zu Ende gegangen. Insgesamt zahlen die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 Drillisch 6,55 Milliarden Euro, wie die Bundesnetzagentur am Mittwoch in Mainz mitteilte. Das ist mehr Geld als erwartet worden war. Fachleute hatten mit 3 bis 5 Milliarden Euro gerechnet.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erhofft sich nun einen flächendeckenden Ausbau von 5G in im Land. Voraussetzung dafür sei aber zunächst der Ausbau von 4G. Da sei Rheinland-Pfalz mitten drin. Die Ausbauverpflichtung liege allerdings nicht bei hundert Prozent. Deshalb sei es wichtig, dass der Bund aktiv werde.

Der Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz, Volker Wissing (FDP), hat sich am Donnerstag erfreut gezeigt über das Ergebnis der Versteigerung. "Wir sind ein Innovationsstandort und deswegen brauchen wir solche innovativen Technologien in unserem Land." 5G sei wichtig, um die Digitalisierung in verschiedenen Bereichen wie im Smart Farming, im Automotivbereich oder wie beim autonomen Fahren voranzutreiben. "Deswegen ist es gut, dass wir in den nächsten Schritt übergehen - nämlich in den Ausbau."

Erstmals vier Bieter im Rennen

Mit dem Ende der Auktion wurde ein wichtiger Meilenstein zur Einführung der fünften Mobilfunkgeneration (5G) erreicht. Bei der letzten Mobilfunk-Auktion 2015 waren 5,08 Milliarden Euro erlöst worden. Ein Grund für den nun deutlich höheren Wert: Diesmal nahmen vier und nicht wie 2015 nur drei Netzbetreiber an der Versteigerung teil.

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Neueinsteiger 1&1 Drillisch, Teil des Firmenuniversums der United Internet AG aus Montabaur im Westerwald, erwies sich als zahlungsfreudiger Mitbieter.

Telekom zahlt über zwei Milliarden Euro

Am meisten zahlt die Deutsche Telekom: rund 2,17 Milliarden Euro. Vodafone zahlt 1,88 Milliarden Euro und Telefónica 1,42 Milliarden Euro. 1&1 Drillisch muss 1,07 Milliarden Euro berappen. 1&1 Drillisch besitzt bisher kein eigenes Netz und nutzt stattdessen die Antennen der Konkurrenz.

Versteigert wurden Blöcke im 2-Gigahertz- und im 3,6-Gigahertz-Frequenzbereich. Die 2-Gigahertz-Blöcke waren deutlich teurer, da in diesem Frequenzbereich höhere Reichweiten erzielen werden können. Diese Blöcke sind allerdings erst ab 2021 oder sogar erst ab 2026 nutzbar.

"Startschuss für 5G in Deutschland"

Der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sprach nach dem Ende der Auktion von einem "Startschuss für 5G in Deutschland". "Ich freue mich, dass vier Unternehmen Frequenzen ersteigert haben und beim 5G-Netzausbau in Wettbewerb treten", erklärte der Behördenchef. "Die Frequenzen sollen nicht nur für den neuen Mobilfunkstandard 5G, sondern auch für eine bessere Mobilfunkabdeckung in Deutschland eingesetzt werden."

Telekom-Sprecher Andreas Middel kritisierte dagegen das hohe Ergebnis. Dieses sei "ein Dämpfer für den Netzausbau", sagte er dem SWR. "Auch diesmal ist das Spektrum in Deutschland viel teurer als in anderen Ländern. Das Geld für die Auktion fehlt den Netzbetreibern in Deutschland."

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) verwahrte sich gegen die Kritik. Die Bedingungen der Ausschreibungen seien klar gewesen. "Wer hier mitgemacht hat, der muss für eine sehr gute Versorgung des Mobilfunks in Deutschland sorgen, sonst hätte er die Lizenzbedingungen nicht erfüllt", so Scholz. Über den hohen Erlös zeigte er sich naturgemäß erfreut. Das Geld werde nun unter anderem dafür genutzt, die Digitalisierung an Schulen voranzutreiben.

1&1-Chef Dommermuth bewertet Ausgang positiv

Auch Ralph Dommermuth, Vorstandsvorsitzender der United Internet AG, äußerte sich nach Auktionsende positiv: "Wir haben Frequenzen ersteigert, mit denen wir in der Lage sind, ein leistungsfähiges 5G-Netz aufzubauen. Damit schlagen wir ein neues Kapitel in unserer Unternehmensgeschichte auf." Als vierter Netzbetreiber werde man einen Beitrag leisten, Deutschland zum Leitmarkt für 5G zu machen und neue Geschäftsfelder erschließen.

Die Versteigerung war an dem Mainzer Technikstandort der Bonner Regulierungsbehörde durchgeführt worden. Das Ringen war umkämpft und ging über 497 Runden.

Funklöcher von damals noch immer nicht gestopft

Finanziell unerreicht ist die erste große Mobilfunkauktion aus dem Jahr 2000 für UTMS-Frequenzen (3G), als umgerechnet 50,8 Milliarden Euro erlöst wurden. Im Nachhinein war das zu viel, da die teils hoch verschuldeten Firmen danach nicht mehr genug Geld für einen umfassenden Netzausbau hatten. Funklöcher von damals bestehen mancherorts bis heute.

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