Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf (Foto: dpa Bildfunk)

Missbrauch in der katholischen Kirche Bischof Kohlgraf kritisiert verstorbenen Lehmann

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf geht offensiv mit dem Thema Missbrauch um. Nun lässt er alle Fälle prüfen, die in die Amtszeit seines Vorgängers Kardinal Lehmann fallen.

Bei einem internen Treffen mehrerer deutscher Bischöfe in Würzburg ist laut eines Medienberichtes ein Streit über die Konsequenzen aus dem Missbrauchskandal entbrannt. Das berichtet "Christ & Welt", die Beilage der Wochenzeitung "Die Zeit".

Kohlgraf befürwortet Synode

Eine Gruppe von Bischöfen schlug in einem nichtöffentlichen Papier eine nationale Synode als Reaktion auf die Krise vor. Laut "Christ & Welt" sind der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, der Essener Franz-Josef Overbeck, Karl-Heinz Wiesemann aus Speyer und Stefan Oster aus Passau Verfasser des Papiers.

Hat Lehmann Fehler gemacht?

Konservative katholische Bischöfe sollen diese Synode jedoch verhindert haben. Bischof Kohlgraf sagte dem Blatt, allen Bischöfen sei bewusst, dass die Kirche nicht weitermachen könne wie bisher. Differenzen gebe es aber darüber, wie das gehen solle. Kohlgraf kritisierte seinen Vorgänger in Mainz, den verstorbenen Kardinal Karl Lehmann.

Der ehemalige Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz habe 2002 das "Ausmaß und die Tragweite" eines Missbrauchskandals in den USA "nicht realistisch eingeschätzt". Lehmanns damalige Äußerung, die deutsche Kirche müsse sich den Schuh der Amerikaner nicht anziehen, sei "so unklug wie falsch" gewesen.

Kohlgraf lässt Fälle erneut prüfen

Der Mainzer Bischof lässt nach eigenen Angaben alle Missbrauchsfälle, die in der Amtszeit von Kardinal Lehmann liegen, noch einmal daraufhin überprüfen, ob es zu "Unregelmäßigkeiten im Umgang mit Tätern" kam.

"Ich habe den Betroffenen versprochen, die Frage der Verantwortlichkeit zu klären." Es gäbe viele Vorgänge aus Lehmanns Zeit, "zu denen ich heute gern seine Meinung wüsste - natürlich habe auch ich Fragen", sagte Kohlgraf.

Verjährte Missbrauchsfälle an einer Berliner Jesuitenschule rüttelten 2010 die deutsche Gesellschaft auf. Die Missbrauchskrise hat bis heute Folgen für die katholische Kirche - auch in Rheinland-Pfalz.

Mainzer Bischof zum Zwangszölibat

Der Mainzer Bischof äußerte sich auch zum Zwangszölibat. Mittelfristig sei eine Abkehr in Deutschland denkbar. Die Verpflichtung zur Ehelosigkeit als einzigem Weg werde dann "möglicherweise der Vergangenheit angehören", so Kohlgraf. Er würde es begrüßen, wenn es unterschiedliche Zugangswege zum Priesteramt gebe.

"Der Knackpunkt ist freiwillig oder nicht", sagte er am Donnerstag im SWR. Über "außerordentliche Zugangswege" zum Priesteramt in Einzelfällen müsse diskutiert werden.

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