Königin Elizabeth II. (Mitte) trägt sich im Mai 1978 in das Goldenen Buch der Stadt Mainz ein. Links steht der Mainzer Oberbürgermeister Jockel Fuchs (SPD), dahinter Prinz Philip, rechts der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU). (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Mainzer Original zum 100. Geburtstag Erinnerung an Ex-OB Jockel Fuchs

"And now we go down in die Druckerwerkstatt" – dieser Satz, anlässlich des Besuchs der englischen Königin in Mainz, machte den damaligen Oberbürgermeister Jakob "Jockel" Fuchs (SPD) deutschlandweit bekannt.

Diese Anekdote musste Fuchs zu jedem Anlass immer wieder erzählen, und jedes Mal waren ihm die Lacher sicher. 1978 war Königin Elizabeth II. zu Gast in Mainz, natürlich stand ein Besuch des Gutenberg Museums auf der Tagesordnung. Jockel Fuchs hatte eine Rede vorbereitet, in Englisch, das Manuskript war aber verschwunden. Er improvisierte in einer Mischung aus Deutsch und Englisch, und so kam der Satz zustande.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

"Die hat sich bestimmt gedacht: Was macht der denn da?"

Jockel Fuchs beim Besuch der Queen

Auf dem Weg in die Druckerwerkstatt musste die Delegation eine Treppe hinabsteigen. Fuchs ging hinter der Queen und kam ihr zu nahe. Seine Amtskette verfing sich im Kleid der Königin. "Die hat sich bestimmt gedacht, was macht der denn da?", kommentierte Fuchs den Vorfall anschließend. Um die Kette wieder aus dem Kleid der Queen zu befreien, habe er schließlich "mit der Brust vor und zurückgeschwabbelt", erzählte er, und dann sei die Kette wieder zu ihm zurückgekommen. Negative Folgen hatte der Fauxpas nicht, ganz im Gegenteil. Die Queen gab nach ihrem Besuch in Mainz an, sich sehr wohl gefühlt zu haben. 

Prinz Philip (links) und Königin Elizabeth II. (rechts) drucken 1978 im Gutenberg-Museum in Mainz unter Assistenz von Oberbürgermeister Jockel Fuchs (Mitte, SPD) auf einer Spindelpresse einen Psalm aus dem "Buch der Könige". Es ist derselbe Psalm, der bei der Salbung der Königin gesungen wurde. Rechts Bernhard Vogel, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Prinz Philip (links) und Königin Elizabeth II. (rechts) drucken 1978 im Gutenberg-Museum in Mainz unter Assistenz von Oberbürgermeister Jockel Fuchs (Mitte, SPD) auf einer Spindelpresse einen Psalm aus dem "Buch der Könige". Es ist derselbe Psalm, der bei der Salbung der Königin gesungen wurde. Rechts Bernhard Vogel, damaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Picture Alliance

Oberbürgermeister von 1965 bis 1982

Egal, ob Staatsbesuch der Queen, Spaziergang in Mainz oder Stadtratssitzung im Rathaus, Jockel Fuchs war immer ganz er selbst, niemals aufgesetzt oder gespielt. Er habe immer ein offenes Ohr für jeden gehabt, sagt sein Nachfolger auf dem Posten des Oberbürgermeisters Herman-Hartmut Weyel (SPD). Fuchs habe immer gewusst was er wollte, aber auch, was er davon durchsetzen konnte. Sein Feingefühl im Umgang mit Menschen habe dabei eine ganz große Rolle gespielt. Fuchs sei ein Gefühlsmensch gewesen.

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Erfinder des Mainzer Modells

Und dieser Gefühlsmensch war als Mainzer Oberbürgermeister immer auf politischen Konsens aus. Er gilt als Erfinder des sogenannten Mainzer Modells. Das bedeutete: Alle Parteien, die im Stadtrat vertreten waren, stellten auch einen Dezernenten - konnten also die Politik innerhalb der Stadt mitbestimmen, mussten sie aber auch mitverantworten.

Fuchs setzt sich ein Denkmal am Rhein

Das Mainzer Rathaus mit dem hessischen Rheinufer im Hintergrund (Foto: SWR)
Vor 45 Jahren zogen die ersten Mitarbeiter in den Arne-Jacobsen-Bau. Mainzer nennen ihn auch "Fuchsbau". Heute ist das Gebäude so marode, das es dringend saniert werden muss.

Während Fuchs Amtszeit wurde das Rathaus am Mainzer Rheinufer gebaut. Kritiker empfanden es damals als zu groß, zu protzig und vor allem zu teuer. Deshalb bekam der Bau schnell den Beinamen "Fuchsbau". Auch heute wird das Mainzer Rathaus, das seit kurzem saniert wird, noch häufig so genannt. Ein Jahr nach Fuchs Tod 2002 wurde der Platz vor dem Rathaus in Jockel-Fuchs-Platz umbenannt.

Zahlreiche Menschen kamen zur Trauerfeier für Jockel Fuchs in den Mainzer Dom.  (Foto: dpa Bildfunk, Oliver Stratmann)
Zahlreiche Menschen kamen am 12.03.2002 zur Trauerfeier für Jockel Fuchs in den Mainzer Dom. Oliver Stratmann

Zum 100. Geburtstag von Jockel Fuchs gedenkt ihm die Mainzer SPD. An seinem Grab auf dem Mainzer Hauptfriedhof trafen sich am Mittwochvormittag Weggefährten, Freunde und Familie, sowie Mainzerinnen und Mainzer, um ihn zu ehren.

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