Mit gesenktem Kopf sitzt der 28-Jährige im Gerichtssaal des Landgerichts Mainz. Wegen Mordes an seiner Ex-Freundin in Worms muss er für 12 Jahre in Haft. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Boris Roessler/dpa)

Mainzer Richter für Unterbringung in Psychiatrie Zwölf Jahre Haft im Mordfall Syndia

Im Prozess um Syndia aus Worms ist der Angeklagte zu zwölf Jahren Haft wegen Mordes verurteilt worden. Vor der Haft wird er in einer Psychiatrie untergebracht, entschieden die Richter am Landgericht Mainz.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

In ihrer Urteilsbegründung machten die Richter deutlich, dass der Angeklagte seit über drei Monaten an einer andauernden wahnhaften Störung leidet. Die habe auch zur Tat geführt, heißt es in der Urteilsbegründung. In seinem Wahn habe der Angeklagte die Vorstellung gehabt, dass Syndia ihn vergewaltigt habe und davon Videoaufnahmen existierten. Er sei das Opfer gewesen und habe Rache nehmen müssen.

Mordmerkmale Heimtücke und Vorsatz erfüllt

Für die Richter ist es dennoch klar, dass es sich bei der Tat um Mord handelt. Die Mordmerkmale Heimtücke und Vorsatz seien erfüllt. Allerdings habe es sich strafmildernd ausgewirkt, dass der Angeklagte direkt die Tat gestanden habe, heißt es in der Begründung. Aufgrund des andauernden wahnhaften Verhaltens müsse der Angeklagte jedoch in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden. Erst wenn er als therapiert gelte, müsse er seine Haftstrafe von zwölf Jahren antreten, fügte eine Gerichtssprecherin hinzu.

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Keine Reue beim Angeklagten

Der Angeklagte nahm das Urteil eher regungslos wahr, beobachtete SWR-Reporterin Sina Wende. Sein Blick sei durch den Raum gewandert, er habe an seinen Fingernägeln gekaut, aber keinerlei Reue gezeigt.

Syndias Mutter war auch im Gerichtssaal. Sie habe geweint und sich immer wieder die Augen zugehalten. Zum Schluss verließ sie überstürzt den Gerichtssaal.

In Plädoyers acht Jahre bis lebenslänglich gefordert

Der Staatsanwalt hatte bei seinem Plädoyer vergangene Woche 14 Jahre Haft wegen heimtückischen Mordes gefordert - bei verminderter Schuldfähigkeit. Der Verteidiger plädierte ebenfalls für eine verminderte Schuldfähigkeit und forderte acht bis zehn Jahre Haft. Für die Nebenklage, den Anwalt von Syndias Mutter, war der 28-Jährige dagegen voll schuldfähig. Sein Motiv sei eine übersteigerte Vorstellung seiner Männlichkeit gewesen. Die Nebenklage hatte eine lebenslange Haftstrafe für den Tunesier gefordert.

Mehrfach auf Syndia eingestochen

Die Tat ereignete sich im März im Wormser Nordend, wo die 21 Jahre alte Syndia im Elternhaus ihres Vaters lebte. Zu diesem Zeitpunkt war sie mit dem Tunesier in einer Beziehung, er lebte mit im Haus. Der Vater von Syndia sagte im Prozess aus, seine Tochter und ihr Freund hätten häufig lautstark gestritten. Mehrfach habe er den 28-Jährigen rausgeschmissen, weil er sich aggressiv verhalten habe. 

Auch vor der Tat hatte es nach Angaben des Angeklagten Streit gegeben. Er sei wütend auf Syndia und wie in einem Fieber gewesen, sagte er zu Prozessbeginn. Daraufhin habe er zu einem Küchenmesser gegriffen und mehr als 30 Mal auf seine Freundin eingestochen. Syndia starb noch am Tatort. Nach der Attacke hatte er sich selbst der Polizei gestellt.

In seinem letzten Wort sagte der Angeklagte, er sei nicht krank. Dann weinte er um das Opfer und sagte: "Die Sache passierte in einem kurzen Augenblick. Ich wollte sie bestrafen, ja. Aber doch nicht so."

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