Ordensschwester Lea Ackermann zum Abschluss eines Kongresses gegen "sexuelle Ausbeutung" in Mainz (Foto: SWR)

Mainzer Kongress zu "sexueller Ausbeutung" Lea Ackermann fordert Strafen für Freier

Ist Prostitution ein normaler Job? Nein, sagen 350 Experten bei einem Kongress in Mainz. Darunter sind Frauen aus der Branche und die kämpferische Ordensschwester Lea Ackermann aus Boppard.

Zum Abschluss ihres "Weltkongresses gegen sexuelle Ausbeutung" wiederholten die Veranstalter ihre Forderung nach einem Verbot der Prostitution. In ihrer am Donnerstag veröffentlichten "Mainzer Erklärung", die sich auch an die Bundesregierung richtet, verlangen die Unterzeichner unter anderem, den Betrieb von Bordellen zu verbieten, den Akt der Bezahlung für Sex als sexuelle Gewalt anzuerkennen und so Besuche bei Prostituierten unter Strafe zu stellen.

Verschärfung des deutschen Prostitutionsgesetzes gefordert

Zu den Unterzeichnern gehören der Verein Solwodi, der sich für Frauen in Not einsetzt, sowie etwa die Organisation CAP International, die sich gegen sexuelle Ausbeutung engagiert. Aus ihrer Sicht muss das deutsche Prostitutionsgesetz verschärft werden.

Ziel dabei ist es, dass sich künftig Zuhälter und Freier strafbar machen, nicht die Prostituierten selbst. Ein solches Gesetz sei längst überfällig, sagte Solwodi-Gründerin Lea Ackermann.

Ackermann nennt Deutschland das "Bordell Europas"

Deutschland sei mit seiner liberalen Prostitutionspraxis und 1,2 Millionen Freiern täglich das "Bordell Europas", sagte die 82-jährige Ordensschwester.

Hierzulande gelte seit den Prostitutionsgesetzen von 2002 die Prostitution als normales Gewerbe. In anderen europäischen Staaten wie Schweden, Norwegen, Irland und seit kurzem auch in Frankreich, sei das "Sexkaufverbot" bereits gängige Praxis. In einer nicht bindenden Resolution hatte auch das Europäische Parlament bereits 2014 die Einführung dieses sogenannten Nordischen Modells empfohlen.

Aussteigerinnen und Alice Schwarzer unter Teilnehmern

Während des Kongresses an der Universität in Mainz machten sich ehemalige Prostituierte, Politiker und Frauenrechtlerinnen wie Alice Schwarzer für die Idee stark. Die Prostitutions-Aussteigerin Sandra Norak sagte: "Der Staat hat eine Orientierungsfunktion. Momentan trägt er mit seiner Gesetzgebung zur Bagatellisierung und Verharmlosung der Prostitution bei."

Im SWR-Interview schildert die frühere Prostituierte Sandra Norak, warum sie jetzt Jura studiert.

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