Das Logo des MCV, ein Bild vom Rosenmontagszug, Geldscheine und Blitze. (Foto: Thinkstock, picture-alliance / dpa, SWR)

Finanzielle Probleme Wie steht's wirklich um den Mainzer Carneval Verein?

Der Präsident muss mit 100.000 Euro aushelfen - wie schief ist also die finanzielle Lage des Mainzer Carneval Vereins? Heute soll das MCV-Komitee über die Situation informiert werden.

1838 wurde der MCV gegründet, er ist damit der älteste Mainzer Fastnachtsverein. MCV – das ist Ernst Neger und sein Humba Täterä, das ist die Straßenfastnacht, der Rosenmontagszug, das ist "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht".

Frohsinn, Helau und Tufftää - das ist aber nur die eine Seite. Auf der anderen stehen Anwälte, das Arbeitsgericht und der Vorwurf, die falschen Entscheidungen getroffen zu haben. Drei Präsidenten standen seit 1991 an der Spitze des MCV.

Werner Mundo – Der Bodenständige (1991 – 2006)

15 Jahre lang war Werner Mundo der erste Mann im MCV, die bisher längste Amtszeit eines MCV-Präsidenten. Ruhige Führung war sein Credo, "nach der Fastnachtskampagne ist vor der Fastnachtskampagne" sein Motto.

Der ehemalige MCV-Präsident Werner Mundo hält die Narhall-Zeitschrift in die Kamera. (Foto: SWR)
15 Jahre war Werner Mundo MCV-Präsident.

"Mit der Fastnachtsplanung fängst du jedes Jahr bei Null an", sagt Mundo heute, "da lässt sich nur wenig langfristig planen. Die Redner, die Vorträge, die Motivwagen, das ändert sich von Jahr zu Jahr.“ Das habe der MCV aber immer hinbekommen, in der Kasse sei immer ein Plus gewesen.

Richard Wagner – Der Reformer (2007 – 2016)

Richard Wagner wollte mehr als nur Jahr für Jahr das immergleiche Programm abspulen. Er wollte den MCV moderner machen. "Das neue MCV-Haus ist mein Baby", sagt er, "das alte, angestaubte Haus, passte schon länger nicht mehr zum Image."

Richard Wagner auf dem Balkon des Osteiner Hofes in Mainz. (Foto: SWR)
Richard Wagner stellte während seiner Amtszeit einen Sponsorensucher ein.

1,7 Millionen Euro kostete der neue MCV-Sitz damals. Der Wert hat sich inzwischen verdoppelt, vermietete Wohnungen garantieren feste Einnahmen.

Wagner stellte auch einen hauptamtlichen Sponsorensucher ein. Der habe dem MCV deutlich mehr in die Kasse gebracht, als er gekostet hat, sagt Wagner. Das wird allerdings von vielen MCV-Mitgliedern angezweifelt.

Reinhard Urban – Der Aufräumer ( seit 2016)

Er kam, sah und … überprüft seitdem die Bücher. "Es war entweder nichts oder, wenn überhaupt, falsch gebucht“, sagte Urban auf der MCV-Jahreshauptversammlung im letzten Jahr. Der Vorstand wurde damals nicht entlastet. Erst müssten sämtliche Fakten auf dem Tisch liegen, so Urban.

Reinhard Urban mit MCV-Narrenkappe im Konfettiregen.  (Foto: SWR)
Derzeit leitet ein Bayer den traditionsreichen Mainzer Verein: Reinhard Urban.

Er feuerte auch den hauptamtlichen Sponsorensucher – der klagte, der Prozess endete mit einem Vergleich. Weil kein Geld mehr für Gehälter und laufende Kosten da war, gab Urban dem MCV ein zinsloses Darlehen von 100.000 Euro.

Wie kam es zu der finanziellen Schieflage?

Ende 2012 schloss der MCV sein Geschäftsjahr mit einem Plus von 130.000 Euro ab. In den Jahren danach wurden die Sicherheitsauflagen für den Rosenmontagszug immer höher. Das kostete mehr Geld und schmälerte den Gewinn.

MCV-Fußgruppe beim Rosenmontagszug in Mainz. (Foto: SWR)
Sicherheitsauflagen trieben die Kosten für den Rosenmontagszug immer weiter in die Höhe.

Für die beiden letzten Geschäftsjahre liegen noch keine Abschlüsse vor und genau das scheint das Problem: Schlampige Buchführung und mangelnde Kontrolle, sagen MCV-Mitglieder, hätten zu der jetzigen Situation geführt. Die Gebühren für die Gesellschaft für Musikrechte (GEMA) von 20.000 Euro wurden schlicht vergessen - sie mussten nachgezahlt werden, plus eine Strafe von noch einmal 20.000 Euro.

Der gerichtliche Vergleich mit dem Sponsorensucher kostete auch eine fünfstellige Summe. Oben drauf kommen die noch immer steigenden jährlichen Kosten für die Sicherheit des Rosenmontagszuges – derzeit liegen sie bei 100.000 Euro. Eine positive Bilanz scheint unwahrscheinlich. Am 20. August sollen die exakten Zahlen vorliegen.

"Der MCV besteht seit über 180 Jahren – den kriegen sie nicht kaputt!“

Rudi (Rudolf) Henkel, MCV Ehrenpräsident

Was passiert bis dahin?

Noch ist Ruhe auf der MCV-Bühne, doch die Rufe nach lückenloser Aufklärung werden lauter. Und die Beteiligten gehen in Stellung. Richard Wagner hat schon mit seinen Rechtsanwalt gesprochen, will außerdem in die MCV-Geschäftsbücher schauen. Als damals verantwortlicher Präsident müssen er und der restliche Vorstand die Bilanz 2016/17 verantworten. Wenn dort Fehler gemacht wurden, könnte das teuer werden, nämlich dann, wenn er persönlich haften muss. Ob und wer letztlich zahlen muss, der Präsident selbst oder der damalige Kassenwart oder sogar beide, könnte vor Gericht entschieden werden.

Schuldzuweisungen Fehlanzeige

Keiner der Beteiligten redet bislang schlecht über den anderen. Doch beim Geld hört die Freundschaft ja bekanntlich auf. Noch weiß niemand, wie die Sache ausgeht. Für den 20. August 2018 wurde eine außerordentliche Mitgliederversammlung angesetzt, dann will der amtierende MCV-Präsident Urban die Mitglieder informieren. "Der MCV ist nicht pleite" hatte er vor wenigen Tagen mitteilen lassen, wie es wirklich um den ältesten Mainzer Fastnachtsverein steht, wird sich dann herausstellen.

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