Betende in einer Moschee - die Ditib-Moschee in Mainz wurde nach einer Bombendrohung von der Polizei durchsucht (Foto: picture-alliance / Reportdienste, (c) dpa - Reportn Uwe Ansbach)

Nach Bombendrohungen in Deutschland Verunsicherung in der Mainzer Ditib-Moschee

Der Islamverband verurteilt die Bombendrohungen gegen Moscheen auf das Schärfste. Am Montag waren Drohmails eingegangen - auch in Mainz.

Im Mainzer Fall war laut Polizei am Montagvormittag eine Drohmail verschickt worden. Nachdem das Landeskriminalamt die Lage bewertet hatte, war die Moschee vorsichtshalber abgesperrt und durchsucht worden. Auch Sprengstoffspürhunde waren im Einsatz. Es sei aber nichts gefunden worden. Die Moschee ist seitdem wieder geöffnet.

Nicht die erste Drohung in Mainz

In der Mainzer Ditib-Gemeinde wird seitdem viel diskutiert: Was war das Ziel der Drohungen? Und wem galten sie ganz konkret? Aber eine Antwort habe niemand, sagte ein Sprecher der Gemeinde dem SWR am Dienstag. Er möchte namentlich nicht genannt werden, weil es immer wieder Drohungen gibt. "Leider kommt es häufiger vor, dass wir Drohmails geschickt bekommen, oder Mails, in denen wir beleidigt werden. Manche Beleidigungen werden auch per Post verschickt. Wer dahinter steckt, wissen wir nicht."

Dauer

Zusammenhänge werden geprüft

Die Staatsanwaltschaft hat den Fall übernommen und spricht sich jetzt mit den anderen betroffenen Städten ab - also mit Duisburg, Mannheim und Berlin. In Berlin war keine Moschee von den Bomben-Drohungen betroffen, sondern die Zentrale der Partei "Die Linke".

Netzwerk "Combat 18"

Alle am Montag verschickten Drohmails sollen nach ersten Erkenntnissen mit "Combat 18" unterzeichnet worden sein. Die rechtsextreme Gruppierung "Combat 18" gilt als bewaffneter Arm des seit dem Jahr 2000 in Deutschland verbotenen rechtsextremistischen Netzwerks "Blood & Honour" (Blut und Ehre). Die Ziffern 1 und 8 stehen für den ersten und den achten Buchstaben des Alphabets und symbolisieren die Initialen A und H von Adolf Hitler.

"Die aktuelle Bedrohungslage wird sehr unterschätzt."

KRM-Sprecherin Nurhan Soykan

Mails lösen Entsetzen und Verunsicherung aus

Vertreter von Muslimen reagieren mit Entsetzen auf die Bombendrohungen. "Wir verurteilen diese inakzeptablen Zustände auf das Schärfste und drücken den Moscheegemeinden unsere Solidarität aus", heißt es in einem Schreiben des Liberal-Islamischen Bundes. Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) erklärte, Muslime seien derzeit "tief verunsichert".

Angesichts der Drohungen forderte der Koordinationsrat der Muslime (KRM) die Behörden zum Handeln auf. "Der Staat steht in der Pflicht, vertrauensbildende Maßnahmen zu ergreifen", erklärte KRM-Sprecherin Nurhan Soykan. Er stehe in der Verantwortung, dass alle Menschen frei von Angst und Gewalt ihre Religion ausüben können.

Insgesamt neun Moscheen betroffen

Am 11. Juli hatte es eine Bombendrohung gegen eine Moschee im nordrhein-westfälischen Iserlohn und zwei Tage zuvor gegen die Ditib-Zentralmoschee in Köln - den bundesweit größten Moscheekomplex - gegeben. In beiden Fällen gab die Polizei nach umfangreichen Durchsuchungen Entwarnung. Insgesamt wurden in den vergangenen beiden Wochen laut KRM neun Moscheen in Deutschland wegen Bombendrohungen geräumt und durchsucht.

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