Ein Gedenkkopf. (Foto: Institut für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes Gutenberg-Universität)

Kulturminister beschäftigen sich mit Raubkunst Mainzer Gedenkkopf soll zurück nach Afrika

Auf Initiative von Rheinland-Pfalz tagt in Berlin erstmals eine eigenständige Kulturministerkonferenz. Dabei geht es um das Thema Raubkunst aus früheren Kolonien - auch in Mainz gibt es solche Exponate.

Dauer

Nachdem Frankreich im letzten Jahr angekündigt hatte, Kunstwerke aus früheren Kolonien komplett an die Herkunftsländer zurückzugeben, wächst der Druck auch auf deutsche Museen.

In den Landesmuseen in Rheinland-Pfalz gibt nach Kenntnissen des Kulturministerums keine Objeke, die aus kolonialem Kontext stammen. Allerdings befänden sich in den Beständen einiger wissenschaftlicher Einrichtungen "sensible" Objekte, die noch bewertet werden müssten.

Im Rahmen von Inventuren würde nun nach und nach untersucht, woher sie stammen und wie die Stücke nach Rheinland-Pfalz gekommen sind.

Sammlungen enthalten oft Raubgut

In der Sammlung des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes Gutenberg-Universiät (ifeas) gibt es einige Objekte, bei denen es sich laut Ministerium ganz offensichtlich um Raubgut handelt.

Kuratorin Anna-Maria Brandstetter würde den Kopf sofort zurückgeben.  (Foto: SWR)
Für Kuratorin Anna-Maria Brandstetter beginnt mit der Rückgabe eine neue Geschichte des Gedenkkopfes.

Raubzug der Briten

Dazu gehört ein Gedenkkopf für einen verstorbenen König aus dem Königreich Benin im heutigen Nigeria. Die 30 Kilogramm schwere Bronzestatue wurde im 19. Jahrhundert gefertigt.

Nach Angaben der Kuratorin der Mainzer Sammlung, Anna Maria Brandstetter, wurde sie bei der Plünderung des Königspalastes durch britischer Kolonialtruppen 1897 geraubt. Der deutsche Konsul in Nigeria kaufte die Skulptur zusammen mit anderen Beutestücken vor Ort in Lagos und verkaufte den Gedenkkopf dann weiter an den Afrikareisenden und Kolonialaktivisten Max Schoeller. Im Tausch gegen den Friedrichsorden überließ Schoeller 1898 die Bronze dem Linden-Museum in Stuttgart. Von dort fand die Skulptur dann 1971 ihren Weg nach Mainz. Seitdem befindet er sich in der Sammlung des Mainzer Instituts für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.

"Geehrt-geplündert-geteilt-gekauft-getauscht!
In fünf Wörtern lässt sich die Geschichte des Gedenkkopfes zusammenfassen"

Institut für Ethnologie und Afrikastudien

Brandstetter sagte dem SWR, Verteter verschiedener europäischer Museen stünden in Kontakt mit nigerianischen Behörden und Kultureinrichtungen und dem Königshaus Benin. Man berate darüber, wie die Objekte zurückgegeben und in einem geplanten Museum in Nigeria ausgestellt werden könnten.

Gemeinsame Linie auch der Länder

Die Kulturminister von Bund und Ländern wollen jetzt eine gemeinsame Position zur Rückgabe von Objekten aus der Zeit kolonialen Unrechts erarbeiten. Mit dem Papier soll die weitere Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Deutschlands beschrieben werden. Dabei soll es vor allem um den Umgang mit kolonialen Sammlungsobjekten in den Museen gehen, hieß es aus dem Umfeld der Ministerrunde. Die gemeinsame Erklärung soll auch kommunale Spitzenverbände einbinden.

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