Das Archivbild zeigt Muslime beim gemeinsamen Gebet im Arab-Nil-Rhein-Verein in Mainz. (Foto: picture-alliance / dpa)

Kontakt zu salafistischem Prediger Neue Vorwürfe gegen Mainzer Arab Nil-Rhein Verein

Der umstrittene Mainzer Arab Nil-Rhein Verein hat offenbar Verbindungen zu einem islamistischen Hassprediger. "Das muss man ernst nehmen", sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD).

Nach Medienberichten ist Arab Nil-Rhein in Mainz eine anerkannte Prüfungsstelle der Online-Universität von Bilal Philips. Dieser gilt als islamistischer Hassprediger, der unter anderem die Todesstrafe für Homosexuelle befürwortet. Die Mainzer "Allgemeine Zeitung" berichtete als erste darüber.

Im Interview mit der "Zur Sache Rheinland-Pfalz" sagte Hubig, die Information bestätige sie darin, nach den vorliegenden Gutachten und Hinweisen nochmals das Prüfverfahren in Gang gesetzt zu haben. Man müsse sich genau anschauen, inwieweit man mit dem Arab Nil-Rhein Verein zusammen arbeiten könne oder nicht.

"Größe im salafistischen Spektrum"

Susanne Schröter, Professorin am "Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam", nennt Philips eine "Größe im internationalen salafistischen Spektrum". Dieser habe eine "Ideologiefabrik", jene Online-Universität, an der er junge Muslime ausbilde und sie theologisch in der salafistischen Theorie schule - für Predigeraufgaben oder andere Tätigkeiten.

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An der Universität kann man laut Schröter auch Examen machen, eines der Prüfungszentren sei der Arab Nil-Rhein Verein. Der Verein stelle Prüflingen Räumlichkeiten zur Verfügung, in denen diese ihr Examen ablegen könnten. Außerdem sorge er mit einer Aufsichtsperson dafür, dass die Prüflinge während des Examens nicht betrügen. Die Universität von Philips unterhält in Deutschland insgesamt 26 solcher Examenszentren.

"Wenn man mit so einem Mann und seiner Einrichtung zusammenarbeitet – dann heißt das – dass man das für gut hält."

Susanne Schröter, Professorin am "Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam"

Auch das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung will die jüngsten Informationen prüfen. "Wir haben unmittelbar Kontakt zu den zuständigen Sicherheitsbehörden aufgenommen. Wir werden alles in die Wege leiten, um diesen erneuten Vorwürfen auf den Grund zu gehen", so Präsident Detlef Placzek in Mainz.

Verfassungsschutz sieht Bezug zu Muslimbrüdern

In einem jüngst veröffentlichten Gutachten der Landesregierung zu muslimischen Verbänden wurden dem Arab Nil-Rhein Verein Bezüge zur Muslimbruderschaft zugeschrieben. Diese Information stammte vom rheinland-pfälzischen Verfassungsschutz. Das Bildungsministerium hatte daraufhin eine Überprüfung der Betriebserlaubnis des Al-Nur-Kindergartens, den der Arab Nil-Rhein Verein betreibt, durch das Landesjugendamt angeordnet.

Im "Zur Sache"-Interview dementierte der Vorsitzende des Arab Nil-Rhein Vereins, Samy El Hagrasy, von dem salafistischen Hintergrund der Online-Universität gewusst zu haben. Er werde die Verbindung zu der Universität von Philips nun beenden, so Samy El Hagrasy in der "Zur Sache Rheinland-Pfalz“.

Scharfe Kritik von der AfD

Aus Sicht der AfD-Landtagsfraktion ändert die Entscheidung El Hagrasys jedoch nichts an der grundsätzlichen Ausrichtung des Vereins: Die sei extremisitisch oder gar salafistisch, heißt es in einer Pressemitteilung. Das Land solle dem Verein umgehend sämtliche Gelder streichen, die Kooperation beenden und ein Verbot prüfen.

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