Die abgesperrte Baustelle (Foto: SWR)

Massengrab gefunden Knochen aus Mainz werden in Hamburg untersucht

Ein Hamburger Experte wird nun einen Teil der Skelette aus dem Mainzer Massengrab untersuchen. Der Arzt soll herausfinden, an welcher Krankheit die Menschen aus dem Grab vor rund 200 Jahren gestorben sind.

Der Mainzer Facharzt für Mikrobiologie und Virologie, Dennis Tappe, arbeitet am Hamburger Institut für Tropenmedizin. Er will nun klären, ob die Menschen aus dem Massengrab an Typhus oder Fleckfieber erkrankt waren. Das Massengrab ist vergangene Woche bei Bauarbeiten im Mainzer Stadtteil Hartenberg-Münchfeld in der Nähe des Bruchwegstadions gefunden worden.

Sind Knochen noch ansteckend?

Ob die Knochenfunde heute noch die hochansteckende Krankheiten übertragen können, ist nicht klar. Landesarchäologe Jens Dolata hat jedenfalls den Arbeitern auf der Baustelle ein paar Verhaltensregeln mitgegeben: kein Essen auf der Baustelle, wer Knochen anfasst, sollte anschließend keine Schleimhäute berühren. Von Seiten der Mainzer Universitätsmedizin heißt es, dass eigentlich keine Gefahr bestehe. Es könnten sich allerdings Schimmelpilze auf den Knochen befinden, und die seien gefährlich. Die Experten empfehlen Sicherheitsmaßnahmen wie Handschuhe und Mundschutz.

Tote waren vermutlich Soldaten

Im Jahr 1814 war Mainz von Franzosen besetzt und die sollten vertrieben werden. Tausende deutsche und russische Soldaten hungerten die Franzosen aus, die daraufhin abzogen. Während dieser Belagerung brach in Mainz allerdings Typhus aus, eine Infektionskrankheit, die hauptsächlich durch schlechte Hygiene verursacht wird. Über 18.000 Menschen starben. Unter den Toten waren nach Angaben von Experten hauptsächlich Franzosen. Die Toten wurden damals in Massengräbern beigesetzt.

An Typhus erkrankte Soldaten, Straßenszene in Mainz aus dem Jahre 1814 (Foto: Stadtarchiv Mainz/ wellcome collection)
An Typhus erkrankte Soldaten, Straßenszene in Mainz aus dem Jahre 1814 Stadtarchiv Mainz/ wellcome collection

Zwei Monate Pause auf der Baustelle?

An der Fundstelle soll eigentlich ein moderner Schießstand der Mainzer Schützengesellschaft gebaut werden. Wie es mit diesem Projekt nun weitergeht, ist allerdings unklar. Die Arbeiten ruhen derzeit. Die Archäologen schätzen, dass ihre Untersuchungen und Dokumentationen mindestens zwei Monate dauern werden.

Verein muss sich an Kosten beteiligen

Einen Teil der Kosten für die archäologischen Ausgrabungen muss die Mainzer Schützengesellschaft übernehmen. Das beträgt in etwa ein Prozent der Bausumme. Nach Angaben der Schützengesellschaft sind das in diesem Fall rund 46.000 Euro. Die neue unterirdische Schießanlage sollte eigentlich nächstes Jahr im August fertig sein. Ob dieser Termin eingehalten werden kann, ist unklar. Die neue Schießanlage wird künftig auch von Polizei und Justiz genutzt.

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