Taxischild vor einem Krankentransporter mit der Aufschrift "Krankenfahrten" (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Keine Transporte mit Rettungswagen Zu wenig Krankenfahrdienste in Rheinhessen

Nach Ärger um die Krankenfahrdienste legte das Land vor einem Jahr fest: Patienten sollen möglichst mit dem Taxi oder privaten Dienstleistern gefahren werden - nicht mit dem Rettungswagen. Das gestaltet sich in Rheinhessen allerdings nach wie vor schwierig.

Jahrelang war es unter anderem im Kreis Mainz-Bingen gängige Praxis: Wenn Rettungswagen nicht im Einsatz waren, dann wurden sie genutzt, um beispielsweise Patienten zur Dialyse zu fahren oder vom Krankenhaus abzuholen.

Ein Zustand, der von vielen kritisiert wurde. Vor einem Jahr zog der damalige Leiter des Rettungsdienstes, Guido Scherer, die Notbremse. Er legte fest, dass Rettungswagen nur noch - wie eigentlich vorgesehen - für Notfälle einsetzt werden dürfen. Das Land Rheinland-Pfalz legte nach und verfügte, dass Patienten möglichst mit Taxis oder privaten Dienstleistern gefahren werden sollen.

Umsetzung schwierig

In der Praxis gestaltet sich diese Entscheidung schwierig, sagen zum Beispiel die Verantwortlichen im Katholische Klinikum Mainz (KKM). Die Notaufnahme sei darauf angewiesen, dass Patienten nach der Behandlung auch wieder abgeholt werden, um Platz zu machen für neue Notfälle.

Bis das Land die Regelung geändert hat, wurden die rund 10.000 Fahrten pro Jahr auch mit Rettungswagen erledigt. Nachdem diese nicht mehr fahren durften, kamen viele Patienten nicht mehr nach Hause. Der Leiter der Notaufnahme, Thorsten Schmitt sagt, es hätten zum Teil chaotische Zustände geherrscht. Man habe Betten und Essen besorgen müssen, Demenzpatienten hätten nur schlecht betreut werden können.

Krankentransport Rollstuhl (Symbolbild) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Ole Spata)
Das Mainzer KKM hat 10.000 Kranktransportfahrten im Jahr. Ole Spata

Hessen springen ein

Inzwischen wird das KKM von drei privaten Fahrdiensten aus Hessen versorgt. Bei manchen führte die Mehrarbeit im Nachbarland dazu, dass sie ihre Fahrerstellen um fast die Hälfte aufstocken mussten.

Die Versorgung in Rheinland-Pfalz ist noch ausbaufähig, ein Markt aus lokalen Anbietern, so der Kreis Mainz-Bingen, befinde sich im Aufbau. Die AOK Rheinland-Pfalz sagt, dass derzeit Gespräche mit Mietwagenunternehmen im Land geführt würden. Die Tarife, heißt es, lägen deutlich über denen in Hessen und Baden-Württemberg.

Man hoffe, das auch in Rheinland-Pfalz bald genügend Fahrdienste für Patienten zur Verfügung stehen.

Rettungswagen dient wieder dem eigentlichen Zweck

Der Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Mainz-Bingen, Benno Wolke, ist zufrieden mit der neuen Regelung. Nun stünden die Krankenwagen wieder für das zur Verfügung, für was sie eigentlich gedacht seien. Im vergangenen halben Jahr habe es nur eine einzige Beschwerde gegeben, dass der Rettungswagen nicht für eine Krankentransportfahrt zur Verfügung stand.

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