Die iranische Mutter mit einer Dometscherin (re) (Foto: SWR)

Iranerin äußert sich zum Abschiebeversuch "Ich kann nachts nicht schlafen"

Die Iranerin, die in der Flüchtlingsunterkunft Ingelheim lebt, äußert sich zum Abschiebeversuch des Kreises Mainz-Bingen. Sie leide darunter, dass dies nochmal passieren könne.

Mit ihrem Sohn und ihrem Mann ist die Frau aus dem Iran geflohen, weil sie dort als Kurden politisch verfolgt wurden, erzählt die junge Mutter dem SWR-Politikmagazin Zur Sache Rheinland-Pfalz im Interview. Die Frau ist im vierten Monat schwanger - und hat Typ-1-Diabetes.

"Der Zucker war zu Beginn der Schwangerschaft sehr hoch und selbst unter ärztlicher Aufsicht war es schwer, ihn wieder in den Normbereich zu bekommen." Sie war deshalb 13 Tage im Krankenhaus in Ingelheim. Der Arzt sagte ihr, dies alles komme vom Stress und der Aufregung.

Die iranische Mutter mit ihrem Kind (Foto: SWR)
Die iranische Mutter erhebt im Interview Vorwürfe gegen die Behörden.

Aufregung gibt es reichlich. Denn die Familie darf nicht in Deutschland bleiben, derzeit ist sie in Ingelheim untergebracht. Wegen der Dublin-Regelungen müssen sie zurück nach Kroatien - das Land, in dem sie zuerst den Asylantrag gestellt haben. Die Abschiebung sollte am 18. Oktober sein.

In der Nacht stand die Polizei am Krankenbett

Am 16. Oktober abends verschlechterte sich der Zustand der Schwangeren abermals, sie kam mit dem Krankenwagen in die Uniklinik Mainz. Ein Arzt entschied, sie stationär aufzunehmen. Trotzdem hielt die Ausländerbehörde Mainz-Bingen an der Abschiebung fest.

Am 17. Oktober um 23:30 Uhr standen am Krankenbett der Iranerin Polizei und Ausländerbehörde, um sie abzuholen. Der Leiter der Ausländerbehörde telefonierte deshalb mit der behandelnden Oberärztin der Frauenklinik. Diese habe die Reisefähigkeit der Frau bestätigt, so die Version der Behörde.

Reise- oder transportfähig?

Die Uniklinik Mainz bestreitet das. Die Reisefähigkeit sei nicht erfragt worden. Das Wort sei am Telefon nicht gefallen. Nach ärztlicher Sicht war die Iranerin aber wohl transportfähig mit medizinischer Begleitung. Für die Ausländerbehörde waren reisefähig und transportfähig anscheinend dasselbe.

Drohungen gegen Abschiebepflichtige?

Die junge Frau erzählt, dass ihr im Krankenhaus gedroht wurde. "Dich und Deinen Mann bringen wir ins Gefängnis und Dein Kind alleine nach Kroatien", habe ein Mann in Zivilkleidung zu ihr gesagt. Die Ausländerbehörde bestreitet, dass es zu solchen Drohungen gekommen sei.

Mit dem Krankenwagen nach Hannover

Fakt ist, dass die Frau, begleitet von einem Krankenwagen und einem Arzt, in der Nacht zum Flughafen Hannover gefahren wurde. Dort setzten sie Polizisten ins Flugzeug nach Zagreb.

Da die Frau weinte und sich wehrte, weigerte sich der Pilot, die Familie mitzunehmen. Ihr Mann wurde von der Polizei nach Ingelheim zurückgefahren. Die schwangere Frau und ihr einjähriger Sohn mussten alleine mit dem Zug zurück. Aus versicherungsrechtlichen Gründen, so die Behörden. Nach eigenen Angaben kommt die Iranerin mit ihrem Kind erst nachmittags in Ingelheim an, nach 17 Stunden Odyssee.

"Kein verantwortungsvolles Vorgehen"

Die rheinland-pfälzische Integrationsministerin Anne Spiegel (Grüne) sagte Zur Sache Rheinland-Pfalz, der zuständige Landkreis und die Ausländerbehörde seien im vorliegenden Fall nicht verantwortungsvoll umgegangen.

Integrationsministerin Anne Spiegel (Grüne) (Foto: SWR)
Integrationsministerin Spiegel fordert ein medizinisches Gutachten ein.

Neuer Abschiebeversuch im Dezember?

Das Verwaltungsgericht prüft derzeit, ob die Frau im Dezember abgeschoben werden kann. Die schwangere Iranerin ist im Moment mit ihrem einjährigen Sohn in der Flüchtlingsunterkunft in Ingelheim, ihr Mann sitzt in Abschiebehaft.

"Dieser Gedanke, dass das nochmal passiert, beherrscht meinen Alltag. Ich kann nachts nicht schlafen. Das ist sehr belastend."

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