Nachhilfeunterricht in Jugenheim mit verschiedenen Schülern (Foto: SWR)

Integrationsprojekt mit Erfolg Flüchtlingskinder und Deutsche lernen zusammen in Jugenheim

Kinder, die kein Deutsch sprechen, sollten nicht in die Grundschule dürfen. Die Aussage eines CDU-Politikers sorgte für Empörung im rheinhessischen Jugenheim. Dort funktioniert die Sprachförderung von Flüchtlingskindern sehr gut, dank einer besonderen Nachhilfe.

Im evangelischen Gemeindehaus in Jugenheim sitzen zehn Schüler und fünf Lehrer an Gruppentischen. Die 17-jährige Nora aus Syrien ist die Älteste. Sie ist seit sechs Jahren in Deutschland und will nach ihrer mittleren Reife eine Ausbildung machen. Dafür lernt sie Deutsch und Englisch in der Nachhilfegruppe. Ihr gegenüber sitzt die neun Jahre alte Lamar, die regelmäßig kommt. Ihre Eltern arbeiten beide und sie braucht etwas Unterstützung beim Lernen.

Nachhilfeunterricht in Jugenheim mit verschiedenen Schülern (Foto: SWR)
Seit Ostern gibt es den besonderen Nachhilfeunterricht in Jugenheim.

Zweimal in der Woche bietet die evangelische Kirchengemeinde des rheinhessischen Dorfes die Lernförderung an - für Deutsche und für Flüchtlingskinder.

Uli Röhm, der Initiator erklärt: "Wir haben immer wieder gehört, dass hinter vorgehaltener Hand gesagt wird, ihr macht nur was für Flüchtlinge und wir bleiben auf der Strecke. Und deswegen war die Idee, das zusammen zu machen. Und es hat sich herausgestellt, dass das sogar besser ist als die Kinder einzeln zu unterrichten."

Wir stellen fest, dass die Kinder eigentlich besser Deutsch sprechen als einige Dorfbewohner.

Uli Röhm, evangelische Kirchengemeinde Jugenheim

Die Kinder profitierten voneinander, deshalb soll das Angebot weitergeführt werden. Wenn man sieht, wie die Kinder zusammen lernen, fällt es teilweise schwer zu sagen, wer ist Flüchtling und wer nicht. Für die Kinder spiele es auch keine Rolle, sagt die 9-Jährige Kim: "Ich merke es eigentlich nicht so, die verhalten sich einfach ganz normal, wie die anderen Kinder halt."

Je jünger die Kinder sind, desto schneller lernen sie Deutsch – mit anderen noch besser, so die Erfahrung im rheinhessischen Jugenheim. Der Vorstoß des CDU-Politikers Carsten Linnemann helfe überhaupt nicht weiter, findet Uli Röhm. Die Politiker in Berlin hätten keinen blassen Dunst, wie es in der Praxis tatsächlich aussehe. In Jugenheim hätte man mit dem gemischten Nachhilfeunterricht bewiesen, dass die Kinder einiges aufholen können.

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