Fluglärm durch den Euroairport erhitzt die Gemüter immer mehr - in allen drei Anrainern (Foto: SWR)

Ruf nach komplettem Nachtflugverbot Unimedizin misst mehr Fluglärm über Mainz

Der Fluglärm über der Mainzer Universitätsmedizin ist hoch. Das zeigen Ergebnisse einer Messstation. Die Belastung für die Patienten ist aus Sicht der Klinik inakzeptabel.

Aus den Messdaten geht nach Angaben der Klinik hervor, dass die Mainzer Universitätsmedizin 2018 häufiger von Flugzeugen direkt überflogen wurde als in den Vorjahren. Die Universitätsmedizin stellte am Dienstag ihre Ergebnisse vor.

Starke Belastung für Herzpatienten

Der Fluglärm stelle gerade für herzkranke Patienten eine besondere Belastung dar und sei unzumutbar, erklärte der Direktor des Zentrums für Kardiologie der Unimedizin, Thomas Münzel. Er fordert eine deutliche Reduzierung der Überflüge, vor allem nachts.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Nach seinen Angaben belegen die Daten, dass die Universitätsmedizin gerade bei Ostwind häufiger überflogen wird. Dazu käme, dass vor allem die Überflüge in den Nachtrandstunden zunähmen. Das Landesamt für Umwelt geht davon aus, dass es diese Ostwind-Wetterlage in Zukunft häufiger geben wird und Mainz damit häufiger überflogen wird.

Prof. Dr. Münzel der Universitätsmedizin Mainz (Foto: SWR)
Münzel sieht einen Zusammenhang der Universitätsmedizin Mainz

Münzel beschäftigt sich seit Jahren mit dem Einfluss von Fluglärm auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und hat dazu mehrere Studien durchgeführt. Nach seiner Auffassung gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen Nachtfluglärm und der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Belastung der Patienten in der Nacht sei absolut inakzeptabel, sagt er.

"Es ist nach wie vor unfassbar, dass man eine neue Landebahn gebaut hat, in deren direkter Verlängerung nur 20 Kilometer entfernt die einzige Universitätsmedizin von Rheinland-Pfalz liegt."

Kardiologe Thomas Münzel sieht einen Zusammenhang zwischen Fluglärm und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die Messstelle des Landesamtes für Umwelt auf dem Klinikgebäude erfasst seit 2013 Flugbewegungen zum und vom Frankfurter Flughafen. Vorgestellt wurden Messergebnisse aus 23 Monaten der vergangenen fünf Jahre.

Demnach lag in 10 von 23 Auswertungen das Fluggeräusch nachts - also zwischen 22 und 6 Uhr - gemittelt bei über 40 Dezibel dB(A). Laut einem Papier der Weltgesundheitsorganisation sind schädliche Gesundheitseffekte messbar, wenn diese Schwelle überschritten wird. Der Fluglärmindex "LDEN", der den ganzen Tag abdeckt, lag demnach in den untersuchten Monaten zwischen 43 und 52 dB(A), die lautesten gemessenen Fluglärmereignisse erreichten zwischen 71,4 und 76,5 dB(A).

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hatte am Montag höhere Strafen für Nachtflüge am Frankfurter Flughafen gefordert. Der Zuschlag bei den Lande- und Startgebühren solle von 200 Prozent auf bis zu 500 Prozent steigen. Seit Jahresbeginn haben sich die Fluggesellschaften etwa 500 Mal nicht an das Nachtflugverbot gehalten.

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