Deutsches Kriegsschiff Tirpitz (Foto: picture-alliance / dpa)

Im Tarnnebel versteckt Bäume führen Mainzer Forscher zu Kriegsschiff

Eigentlich wollten Mainzer Forscher in Norwegen Nadelbäume untersuchen. Sie stießen aber auf Spuren eines deutschen Kriegsschiffs aus dem Zweiten Weltkrieg, das mit Kunstnebel versteckt wurde.

Die Geschichte klingt fast unglaublich. Die Mainzer Forscherin Claudia Hartl war im Jahr 2016 mit einer Gruppe Studenten auf Exkursion in den norwegischen Fjorden unterwegs. Routinemäßig entnahmen die Baumforscher - oder auch Dendrochronologen - Proben der dort wachsenden Nadelbäume.

Dabei fiel den Forschern auf, dass an vielen Bäumen in der Umgebung von Kafjord die Jahresringe fehlten - einige Kilometer entfernt hatten sich die Bäume aber normal entwickelt. Was war passiert?

Säurenebel verletzt Bäume

"Wir haben einen Kollegen aus Norwegen gefragt", sagt Claudia Hartl, "und der hat gesagt, dass die ganze Gegend Finnmark im Zweiten Weltkrieg von den Nazis abgebrannt wurde. Und außerdem lag da die Tirpitz." Die Tirpitz war das größte Schlachtschiff der Deutschen Kriegsmarine. Von 1942 bis Ende 1944 lag es in dem norwegischen Fjord und sollte eine Invasion der Alliierten in diesem Gebiet verhindern.

Vor allem für die englischen Geleitzüge stellte die Tirpitz eine große Gefahr dar. Deshalb startete Churchill mehrere Luftangriffe mit Bombern, um den Stolz der deutschen Marine zu versenken. Die Nazis versuchten die 250 Meter lange Tirpitz mit sogenanntem Tarnnebel zu verstecken. Dazu postierten sie mehrere Fässer, die mit Chlorsulfonsäure gefüllt waren, rund um den Kafjord.

Ohne Nadeln keine Jahresringe

"Wenn man dieses Fass aufmacht, dann reagiert diese Säure mit der Feuchtigkeit in der Luft und macht sozusagen Nebel", sagt die Mainzer Forscherin. Daraus entstehe dann wiederum Salzsäure und Schwefelsäure. "Man kann sich vorstellen, dass das ziemlich heftig ist - unter anderem für die Bäume", so Hartl.

Wrack der Tirpitz vor Tromsø in Norwegen (Foto: picture-alliance / dpa)
Wrack der Tirpitz vor Tromsø in Norwegen

Das war dann auch die Ursache dafür, dass den Bäumen die Jahresringe fehlten. "Wir vermuten, dass vor allem die Nadeln der Bäume geschädigt wurden. Durch die Schwefelsäure trocknen die Nadeln aus", so Claudia Hartl. Wenn der Baum keine Nadeln mehr hat, könne er keine Fotosynthese betreiben und könne auch keinen Kohlenstoff umsetzen, um neue Jahresringe zu produzieren, sagt die Wissenschaftlerin.

"Bäume sind ein tolles Archiv"

Deshalb, findet Claudia Hartl, seien die Bäume auch so ein tolles Archiv. Denn sie geben über Jahrzehnte Hinweise, ob das Ökosystem funktioniert. In diesem Fall lieferten sie sogar den wissenschaftlichen Beweis für den eingesetzten Tarnnebel der Deutschen im Zweiten Weltkrieg und dessen Einfluss auf die Bäume.

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