Das Rotorblatt einer Windkraftanlage ist im Landkreis Alzey-Worms aus noch ungeklärter Ursache auf ein Feld gestürzt.  (Foto: picture-alliance / dpa)

Abgebrochenes Rotorblatt in Gau-Bickelheim Gutacher sollen Windrad-Absturz klären

Ein Rotorblatt eines Windrads ist in Rheinhessen auf ein Feld gestürzt. Gutachter klären nun die Ursache. Der TÜV warnt vor "tickenden Zeitbomben".

Noch ist unklar, warum das 53 Meter lange, zehn Tonnen schwere Rotorblatt am Montag brach und 145 Meter zu Boden stürzte. Gutachter sollen nun die Ursache des Absturzes klären, sagte ein Sprecher des Betreibers Juwi. am Dienstag. Diese werden Ende der Woche erwartet. Solange bleibe der Windpark vom Netz, die Kreisverwaltung als Genehmigungsbehörde sei informiert worden. Verletzt wurde bei dem Absturz niemand. Zur Schadenshöhe kann das in Wörrstadt ansässige Unternehmen noch keine Angaben machen.

Dauer

Auch die anderen Anlagen im Windpark Gau-Bickelheim würden überprüft, teilte Juwi mit. Erst wenn die Ursache des Unglücks geklärt sei und eine weitere Unfallgefahr ausgeschlossen werden könne, ginge der Windpark wieder ans Netz. Die Wartungsfirma hatte in einer ersten Reaktion ausgeschlossen, dass starker Wind den Zwischenfall verursacht haben könnte.

Mehrere Firmen für technischen Service zuständig

Der Windpark Gau-Bickelheim besteht aus 16 Anlagen vom Typ Kenersys K110, die im Jahr 2012 errichtet wurden. Jede Anlage hat eine Generatorleistung von 2,4 Megawatt, die Nabenhöhe beträgt 145 Meter, der Rotordurchmesser 109 Meter.

Die Anlagen gehören verschiedenen Eigentümern, die Betriebsführung der Anlagen hat Juwi im Auftrag der Anlageneigentümer übernommen. Mit dem technischen Service sind verschiedene Unternehmen beauftragt. Das havarierte Windrad selbst wird im Service nicht von Juwi betreut.

Dauer

Erst Ende November hatte es in der Südwestpfalz einen Zwischenfall in einem Windpark gegeben. Der Generator-Block eines Rads in Vinningen in der Verbandsgemeinde Pirmasens-Land brannte aus. Die Flammen in großer Höhe konnten nicht direkt gelöscht werden, also ließ die Feuerwehr das Feuer kontrolliert abbrennen. Gutachter ermitteln noch die Ursache.

In Rheinland-Pfalz waren Anfang 2018 etwa 1.690 Windräder in Betrieb, deutschlandweit fast 30.000. Zwischenfälle sind zwar äußerst selten, dennoch kommen sie vor: 2016 war ein Windrad bei Martinshöhe (Kreis Kaiserslautern) in Brand geraten. Im Hunsrück war 2015 im Windpark Ober Kostenz ein Teil eines Rotorblattes abgebrochen. Die Ursache blieb unklar. Ähnlich wie beim aktuellen Fall in Rheinhessen war 2014 in Gerbach im Donnersbergkreis ein Rotorblatt eines Windrads herabgestürzt.

TÜV-Verband: Keine einheitlichen Kontrollvorschriften

Erst in diesem Herbst hatte der TÜV-Verband Windkraftanlagen als "tickende Zeitbomben" bezeichnet. Es fehlten bundesweit einheitliche Kontrollstandards. Der Verband forderte, dass Windräder genauso wie Tankstellen und Aufzüge in die Betriebssicherheitsverordnung aufgenommen und im zweijährigen Turnus kontrolliert werden müssten. Ein Problem sei, dass Alt-Anlagen, die vor 2004 errichtet worden seien, nicht regelmäßig überprüft werden müssten. Deutschlandweit seien davon rund 15.000 Windräder betroffen.

Nach Berechnungen des TÜV-Verbandes kommt es zu "rund 50 gravierenden Schäden an Windenergieanlagen pro Jahr" in Deutschland. Der Geschäftsführer des TÜV-Verbands, Joachim Bühler, sagte: "Unfälle wie abknickende Türme, berstende Rotorblätter oder Brände nach Blitzschlag sind ein Sicherheitsrisiko für Menschen und Umwelt, zumal Windparks immer näher an Straßen und Siedlungen heranrücken."

Forderung an die Landesregierung

Die AfD-Fraktion im Landtag forderte die Landesregierung auf, einen Bericht über den Zustand der Windanlagen in Rheinland-Pfalz zu erstatten. Windkraftanlagen müssten grundsätzlich besser überwacht werden, sagte Jürgen Klein, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion.

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