Frühjahrsvollversammlung in Mainz Katholische Laien fordern Konsequenzen aus Missbrauchsfällen

Die deutschen Katholiken machen Druck auf ihre Kirchenleitungen und fordern Konsequenzen aus den zahlreichen Missbrauchsfällen. Dem Reden müsse nun ein Handeln folgen.

"Es geht darum, unsere Kirche so zu verändern, dass sie keinen Nährboden für den Missbrauch bietet", sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, am Freitag in Mainz. Mehr als 200 Teilnehmer der Frühjahrsvollversammlung des ZdK unterstützten die Forderung mit Applaus. Das ZdK ist der Zusammenschluss von Vertretern der Diözesanräte, katholischen Verbänden und Organisationen katholischer Laien.

"Noch nie habe ich eine Situation erlebt, in der die Empörung so weit in den Kern unserer Gemeinden reichte", sagte Sternberg. Die Veröffentlichung einer Studie zu sexuellem Missbrauch in der deutschen katholischen Kirche sei im Herbst vergangenen Jahres der Tropfen gewesen, "der eine aufgestaute Verärgerung über ausbleibende Reformen der Kirche zum Überlaufen brachte".

Nun sei es höchste Zeit, "dass die Bischöfe endlich vom Reden ins Handeln kommen", verlangte Sternberg. Ein Thema der zweitägigen Vollversammlung ist der Vorschlag der Bischofskonferenz für einen gemeinsamen "synodalen Weg" mit dem ZdK. Dabei soll es um den Umgang mit Macht in der Kirche, um die Ehelosigkeit von Priestern (Zölibat), die Weiterentwicklung der Sexualmoral sowie die Öffnung kirchlicher Ämter für Frauen gehen.

ZdK für Frauen im Priesteramt

Das ZdK tritt dafür ein, Frauen zur Priesterweihe zuzulassen und ihnen auch Leitungsämter zu öffnen. "Das Gesicht unserer Gemeinden ist längst weiblich", sagte Sternberg. "Ohne die Frauen läuft nichts."

Die Ungeduld katholischer Frauen kommt auch in dem Aufruf zu einem einwöchigen Kirchenstreik zum Ausdruck. Unter dem Motto Maria 2.0 wollen die Teilnehmer bundesweit ihre ehrenamtlichen Aufgaben einstellen und Gottesdienste ohne Priester im Freien feiern.

Die Vollversammlung beschloss in Mainz, dass das ZdK seinen Sitz von Bonn nach Berlin-Mitte verlegt. ZdK-Präsident Thomas Sternberg empfahl den Umzug vor allem wegen der größeren Nähe zum politischen Geschehen. Ein Neubau sei bis zum Frühjahr 2022 bezugsfertig. Außerdem wurde bekanntgegeben, dass der Katholikentag 2024 in Erfurt stattfindet.

Dreyer ruft Christen auf, wählen zu gehen

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) rief Christen bei der ZdK-Versammlung dazu auf, wählen zu gehen und für ein weltoffenes Europa einzustehen. Mit Blick auf die Europawahl am 26. Mai sei der Begriff "Schicksalswahl" durchaus gerechtfertigt, sagte Dreyer. In immer mehr EU-Mitgliedsstaaten hätten in den vergangenen Jahren antidemokratische und nationalistische Kräfte an Zustimmung gewonnen oder seien bereits an der Regierung. "Wenn wir die Errungenschaften eines vereinten Europas bewahren wollen, müssen wir wirklich dafür einstehen und kämpfen."

Die Ministerpräsidentin sprach sich zudem für einen Neustart in der europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik aus. "Ein christlich denkender Mensch kann nicht damit einverstanden sein, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken", sagte Dreyer. Daher müsse es wieder ein Seenotrettungsprogramm geben, das Flüchtlingen beistehe.

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