Die Polizei sucht nach der vermissten Susanna. (Foto: picture-alliance / dpa)

Forderung nach dem Fall Susanna "Polizei soll schneller ermitteln"

Der Vorsitzende des Vereins "Vermisste Kinder", Lars Bruhns, fordert, dass die Polizei bei Vermisstenfällen schneller ermittelt. Derzeit sei es so, dass die Ermittlungen erst nach mehreren Tagen begönnen, weil viele vermisste Kinder binnen einer Woche wieder zu Hause seien.

Im Interview mit "Zur Sache Rheinland-Pfalz" sagte Bruhns, es müsse Kompentenzzentren und ein Alarmierungssystem bei der Polizei geben, um Vermisstenfälle schneller klassifizieren zu können.

In Deutschland gebe es etwa 60.000 vermisste Kinder pro Jahr. Es werde allerdings keine Risikoabschätzung gemacht, kritisiert Bruhns. Das sei sicher ein struktureller Fehler. Im Fall der Mainzer Schülerin Susanna hätte sich die Polizei beispielsweise die WhatsApp des Mädchens an die Mutter näher anschauen sollen.

Bruhns verweist auf Regelungen in England und den Niederlanden

Der Vorsitzende und sein Verein sind seit 20 Jahren aktiv und verweisen darauf, dass in anderen Ländern wie den Niederlanden und Großbritannien eine solche Risikoabwägung gebe. In den Niederlanden würden beispielsweise Taxiverbände und Bus- und Bahnschaffner bei Vermisstenfällen informiert, in England die Postbeamten. "Wenn man sich das Leid der Familien anschaut, (…) dann muss es eigentlich der Anspruch sein, dass wir auch als Land sagen, dass auch die Politik sagt, da besteht Änderungsbedarf," so Bruhns. "Wir können nicht sagen, das sind nur Einzelfälle und damit hat sich die Angelegenheit für uns erledigt. Das sind wir den Eltern schuldig."

Susanna zwei Wochen nach Verschwinden tot gefunden

Die 14-jährige Susanna war seit dem 23. Mai vermisst worden. Sie war am Vorabend nicht nach Hause gekommen. Ihre Mutter hatte auch bei Facebook nach ihrer Tochter gesucht. Am 7. Juni gab die Wiesbadener Polizei bekannt, dass das Mädchen tot ist. Der mutmaßliche Tatverdächtige Ali B. war in der Zwischenzeit in den Irak geflüchtet, konnte aber zurück nach Deutschland geholt werden.

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