Modell des Rhein-Abschnitts zwischen St.Goar und Mainz  (Foto: Bundesanstalt für Wasserbau Karlsruhe)

Fahrrinne soll vertieft werden Riesiges Rhein-Modell soll Schifffahrt helfen

Den Rhein zwischen Mainz und St. Goar sollen Schiffe bei Niedrigwasser bald besser passieren können. In einem 60 Meter langen Modell spielen Experten verschiedene Maßnahmen zur Rhein-Vertiefung durch.

Der Rheinabschnitt zwischen St. Goar und Mainz ist bei Niedrigwasser für Schiffe eine Herausforderung. Sechs Engstellen gibt es dort, erklärt Heinz-Josef Joeris von der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS). Führt der Rhein wenig Wasser, liegt der Wasserstand dort bei 1,90 Metern. Normalerweise müssten es wie in den angrenzenden Abschnitten des Rheins 2,10 Meter sein. Mit Steinschüttungen könnte der Wasserstand dort um rund 20 Zentimeter angehoben werden. Zusätzlich müsse aber auch Felsen abgetragen werden, sagt Joeris, der Leiter der Abteilung Wasserstraßen beim GDWS ist.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Modell im Maßstab 1:60

Um zum besten Ergebnis zu kommen, erforschen die Wissenschaftler der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) in Karlsruhe den besonders schwierigen Abschnitt Jungferngrund in einem großen Modell. In monatelanger Arbeit wurde der Teil des Rheins im Maßstab 1:60 in einer Halle nachgebaut. Die Bodenstrukturen des 60 Meter langen Modells seien exakt in Beton übertragen worden, sagt Thorsten Hüsener von der BAW. Das Modell ist mit Wasser gefüllt. Darin schwimmen rote, gelbe und weiße Kunststoffkugeln.

Hier sind die Kugeln unter Wasser zu sehen. Anhand ihrer Verteilung können die Wissenschaftler sehen, wie Sand und Kies auf bauliche Veränderungen regieren (Foto: SWR)
Hier sind die Kugeln unter Wasser zu sehen. Anhand ihrer Verteilung können die Wissenschaftler sehen, wie Sand und Kies auf bauliche Veränderungen regieren

Setzen die Wissenschaftler zu Testzwecken etwas in das Flussbett, können sie sehen wie sich die Strömung verändert. Anhand der Kügelchen können sie ablesen, wie Kiesablagerungen und Sand auf die Veränderung reagieren werden. Der Jungferngrund sei wichtig für das Ökosystem, deshalb wolle man verhindern, dass sich die Kiesinsel durch die Baumaßnahmen verändert, sagt Joeris.

Der Rhein sei sehr komplex. Mithilfe des Modells sollen naturnahe Ergebnisse erzielt werden. Zusätzlich verwenden die Experten ein dreidimensionales Mathematisch-Numerisches-Modell. Die Resultate verden dann kombiniert. Ist eine Variante nicht zielführend, wird sie verworfen und eine neue getestet.

Kulisse soll sich nicht verändern

Da der Abschnitt auch zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal gehört, sollen sich die baulichen Maßnahmen optisch nicht von bisherigen Maßnahmen unterscheiden. "Wir wollen die Kulisse auf keinen Fall verändern", erklärt Joeris.

Die Anhebung des Wasserstands sollen aus rein wirtschaftlichen Gründen durchgeführt werden. Dadurch können Schiffe künftig 250 Tonnen mehr Ladung aufnehmen. Folgen des Klimawandels wie 2018, als der Rhein wegen Regenmangels und anhaltender Hitze so wenig Wasser führte, würden dadurch abgemildert. Allerdings müssen die Wissenschaftler auch darauf achten, dass die Baumaßnahmen hochwasserneutral sind.

2020 sollen Ergebnisse vorliegen

Die Ergebnisse sollen 2020 vorgestellt werden. Den Politikern gehe es aber nicht schnell genug, sagt Joeris. Doch man wolle es gründlich machen, der Rhein sei komplex. Man wolle jeden Aspekt betrachen.

Danach wollen die Wissenschaftler nochmal mit allen Beteiligten sprechen. Anschließend soll die Planfeststellung auf den Weg gebracht werden. Dafür kalkuliert Joeris etwa drei Jahre ein. Die eigentliche Bauzeit soll zwei Jahre betragen.

AUTOR/IN
STAND