Mainzer Literaturpreis Menasse tritt Amt der Stadtschreiberin an

Die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse ist seit Donnerstag neue Mainzer Stadtschreiberin. Zur Amtseinführung im Rathaus verriet die 48-Jährige, was sie in der Stadt vorhat.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Bei der Preisverleihung würdigte der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) Menasses Blick auf die Wirklichkeit, der ungeschönt und gleichzeitig voller Empathie sei: "Ihr Schreiben ist immer ein ehrliches, ein lebenskluges Schreiben." Der zum 35. Mal vergebene Stadtschreiber-Preis ist mit 12.500 Euro dotiert. Außerdem darf die Preisträgerin mit dem ZDF eine Fernsehdokumentation nach freier Themenwahl produzieren und für ein Jahr in die Mainzer Stadtschreiber-Wohnung ziehen.

Menasse will in Mainz an neuem Roman schreiben

Bei einem Gespräch mit Journalisten am Vormittag hatte Menasse angekündigt, möglichst oft zum Arbeiten nach Mainz zu kommen. Hier wolle sie an ihrem nächsten Roman schreiben, der in Österreich spielt.

In ihrer Heimatstadt Wien sei ihr mittlerweile alles so vertraut, dass sie kaum die nötige Inspiration für ihre Erzählungen finde. In Mainz mit seinen unbekannten Gassen und Hinterhöfen sei das ganz anders. Die Lage am Fluss, die Weingegenden der Umgebung und die vielen Menschen, die Dialekt sprechen, erinnerten sie zudem an die Heimat.

48-Jährige sieht Digitalisierung skeptisch

Bei dem Pressegespräch äußerte Menasse auch ihre Ängste davor, dass die Digitalisierung die europäische Demokratie untergraben könnte, und warnte vor einer Radikalisierung der Gesellschaft. "Bei allem, was uns in Europa im Bereich Rechtsruck beschäftigt, war Österreich in gewisser Weise Avantgarde." Die Österreicher hätten kein Gegenmittel gegen die Entwicklung gefunden. Allerdings mache sie sich ebenfalls Sorgen über die "Verirrungen der Linken".

Eva Menasse mit Museumsdrucker Wolfgang Neumann (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Eva Menasse mit dem Drucker des Mainzer Gutenberg-Museums, Wolfgang Neumann Picture Alliance

Auch die Frage, wie stark das Internet die öffentliche Meinungsbildung beeinflusse, beschäftige sie sehr. "Ich habe keine Hoffnungsangebote", erklärte Menasse, "ich mache das stur weiter, was ich immer gemacht habe."

Lob für Umgang mit Kontroverse um Bruder

Eva Menasse arbeitete nach dem Studium zunächst als Journalistin, ihr erster Roman "Vienna" erschien 2005. Zuletzt erschien 2017 ihr Buch "Tiere für Fortgeschrittene". Für ihre literarischen Werke wurde die Österreicherin, die mittlerweile in Berlin lebt, schon mehrfach ausgezeichnet.

Eva Menasse ist die Halbschwester des Schriftstellers Robert Menasse, der Anfang des Jahres - überschattet von einer Debatte um von ihm erfundene historische Fakten - in Mainz die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz erhalten hatte. Die Art, wie die Kontroverse von den Verantwortlichen bei der Preisverleihung aufgegriffen und zur Sprache gebracht worden sei, habe ihr sehr gefallen, sagte sie. Als Stadtschreiberin tritt Menasse die Nachfolge von Anna Katharina Hahn an.

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