Angeklagter Ali Bashar im Gerichtssaal mit seinen Verteidigern (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Urteil im Prozess um Mord an Susanna Höchststrafe für Angeklagten Ali Bashar

Das Landgericht Wiesbaden hat den Mörder der 14-jährigen Mainzer Schülerin Susanna zur Höchststrafe verurteilt. Die Richter verhängten eine lebenslange Freiheitsstrafe gegen den 22-Jährigen.

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Außerdem stellten die Richter die besondere Schwere der Schuld fest. Damit kann die Haftstrafe für den irakischen Flüchtling nicht nach frühestens 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden. Zudem behält sich das Gericht die Anordnung der Sicherungsverwahrung vor. Das bedeutet: Sollte sich nach Jahren im Gefängnis herausstellen, dass Ali Bashar nicht therapierbar und deshalb immer noch gefährlich ist, wird er vermutlich nicht mehr in Freiheit kommen.

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Die zuständige Kammer unter Vorsitz von Richter Jürgen Bonk befand Bashar sowohl des Mordes als auch der vorausgegangenen Vergewaltigung des Mädchens für schuldig. Beide Strafen wurden zu lebenslanger Haft zusammengefasst. Zugleich wurde der Angeklagte wegen eines schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Nötigung an einem Mann im Wiesbadener Kurpark für schuldig befunden. Auch dabei habe er ein ungewöhnlich hohes Maß an Gewalt ausgeübt.

Separates Verfahren wegen Vergewaltigung

Zudem muss sich Bashar in einem separaten Verfahren zusammen mit einem jugendlichen Mitangeklagten noch wegen Vergewaltigung eines elfjährigen Mädchens in seiner Flüchtlingsunterkunft verantworten. Das Urteil dazu steht noch aus. Wegen des Mordes an Susanna muss er nach der Entscheidung vom Mittwoch außerdem der Mutter und der Schwester Susannas je 50.000 Euro Hinterbliebenengeld zahlen.

"Kaltblütig agierender Täter"

Das Gericht sprach in seiner Begründung von einem "kaltblütig agierenden" Täter mit einem menschenverachtendem Frauenbild. Er habe im Prozess kein ernstzunehmendes Wort des Bedauerns geäußert, weder Reue noch Mitgefühl gezeigt. "Eine Verantwortungsübernahme hätte das Geschehene nicht ungeschehen machen können", sagte der Vorsitzende Richter. Sie hätte aber Susannas Mutter die Chance gegeben, einen Neuanfang in einem Leben ohne ihre Tochter zu erreichen. Dazu sei der Angeklagte jedoch nicht bereit, vielleicht auch nicht in der Lage gewesen. Bonk betonte, die Taten hätten nichts mit Bashars Flüchtlingsstatus oder Nationalität zu tun, sondern allein mit seiner Persönlichkeitsstruktur.

Mit dem Urteilsspruch folgten die Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Vertreter der Anklage hatten dem irakischen Flüchtling vorgeworfen, Susanna erwürgt zu haben, um die Vergewaltigung zu verdecken. Die Nebenklage hatte auch eine Sicherungsverwahrung verlangt.

Kein konkreter Strafantrag der Verteidigung

Der Angeklagte hatte gleich zu Beginn des Prozesses gestanden, das 14 Jahre alte Mädchen aus Mainz in der Nacht zum 23. Mai 2018 in einem Waldstück bei Wiesbaden-Erbenheim getötet zu haben. Die vorausgegangene Vergewaltigung, die ihm die Anklage zur Last legte, bestritt er dagegen. Die Verteidigung hatte auf einen konkreten Strafantrag verzichtet. Jedoch kündigte Verteidiger Marcus Steffel an, fristwahrend binnen einer Woche Revision einzulegen. Ob davon dann Gebrauch gemacht wird, soll nach eingehender Prüfung der schriftlichen Urteilsbegründung entschieden werden. Bashar selbst hatte in seinem Schlusswort angekündigt, er werde jedes Urteil akzeptieren.

Susannas Mutter begrüßt Urteil

Susannas Mutter begrüßte das Urteil. Damit werde sichergestellt, dass er nicht noch weiteren Mädchen so etwas antun könne. Weinend fügte sie vor Journalisten hinzu. "Aber meine Tochter bringt mir auch das nicht mehr zurück." Nebenklagevertreter Jörg Ziegler sagte, mit Verhängung der besonderen Schwere der Schuld werde Ali B. wohl mindestens 22 Jahre absitzen müssen. Sollte sie auch in dem noch ausstehenden zweiten Urteil festgestellt werden, könnten es auch um die 30 Jahre werden. Mit einer Auslieferung des Verurteilten in den Irak rechne er nicht, weil dort auf Mord die Todesstrafe stehe.

Weder Susannas Mutter noch die Freundinnen des Mädchens müssten sich vorwerfen lassen, irgendetwas falsch gemacht zu haben, hieß es in der Urteilsbegründung. Ausdrücklich würdigte der Vorsitzende Richter das Verhalten von Susannas Mutter und ihre Zeugenaussage, die ihm persönlich Respekt abnötige. Damit sei es ihr eindrücklich gelungen, Spekulationen über Susannas Lebenswandel und das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter auszuräumen.

Kerzen vor dem Haus von Susannas Mutter nach dem Bekanntwerden der Tat (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Boris Roessler/dpa)
Kerzen vor dem Haus von Susannas Mutter nach dem Bekanntwerden der Tat Boris Roessler/dpa
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