Person hält Spritze mit dem Wirkstoff Pentobarbital (Foto: picture-alliance / dpa)

Illegale Giftlieferungen die USA? Keine Durchsuchungen im rheinhessischen Schwabenheim

Im rheinhessischen Standort des Medizinunternehmen VET Pharma Friesoythe hat es keine Durchsuchungen gegeben. Zunächst hatte es gehießen, im Zusammenhang des Verdachts illegaler Lieferungen eines Giftpräparats in die USA seien Zollfahnder in Schwabenheim gewesen.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg bestätigte dem SWR, dass es keine Durchsuchung gegeben habe. Ein Sprecher des Unternehmens ergänzte: "Wir hätten das mitbekommen." Zudem würde das Präparat nicht in Schwabenheim hergestellt. Der Hauptwirkstoff des Mittels wird in US-Gefängnissen immer wieder für Hinrichtungen genutzt.

"Beuthanasia-D" ohne Genehmigung exportiert?

Nach Informationen von NDR und "Süddeutscher Zeitung" ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg unter anderem gegen den Geschäftsführer der Firma VET Pharma wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Verstoßes gegen das deutsche Außenwirtschaftsgesetz. Ende Mai sollen demnach Zollfahnder Geschäftsräume der Firma in der niedersächsischen Stadt Friesoythe durchsucht und Daten und Unterlagen beschlagnahmt haben. Für den Standort in Schwabenheim (Kreis Mainz-Bingen) lag ebenfalls ein Durchsuchungsbeschluss vor.

Konkret geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass VET Pharma seit November 2017 drei Lieferungen der Injektionslösung "Beuthanasia-D" in die USA exportiert hat, ohne über eine entsprechende Exportgenehmigung zu verfügen.

Der darin enthaltene Wirkstoff Pentobarbital ist seit dem Jahr 2011 durch eine europäische Anti-Folterrichtlinie erfasst. Ein Export in die USA ist nach deutschem Recht nur dann zulässig, wenn der Verbleib des Mittels lückenlos geklärt ist. In den vergangenen fünf Jahren wurde durch das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle allerdings keine Lieferung des Stoffes in die USA genehmigt.

Ein Hund hinter Gittern (Foto: picture-alliance / dpa)
Das Mittel "Beuthanasia-D" wird in der Veterinärmedizin zum Einschläfern von Hunden verwendet.

Exportdaten manipuliert?

Mitarbeiter von VET Pharma sollen Exportdaten manipuliert haben, um zu verhindern, dass die Brisanz der Lieferungen dem zuständigen Transportunternehmen auffiel. Laut eines Durchsuchungsbeschlusses des Amtsgerichts Oldenburg verhinderte das Hauptzollamt Bremen eine weitere Ausfuhr im Februar 2018. Daten des US-Zolls zufolge lieferte VET Pharma die Medikamente an ein US-Schwesterunternehmen, die Intervet Schering-Plough Animal Health. Beide Firmen gehören zum US-Pharmariesen Merck Sharp & Dohme (MSD). Weitere Lieferungen sollen nach Japan gegangen sein, auch in diesen Fällen soll keine Exportgenehmigung vorgelegen haben.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg bestätigte auf Nachfrage Ermittlungsverfahren "gegen mehrere Verantwortliche eines pharmazeutischen Unternehmens". Zu konkreten Details wollte sie sich unter Verweis auf die noch andauernden Ermittlungen jedoch nicht äußern.

Archivaufnahme aus einer Todeszelle in Huntsville, Texas (Foto: picture-alliance / dpa)
US-Gefängnisse haben Schwierigkeiten, an Chemikalien für Hinrichtungen zu kommen.

Zu wenige Chemikalien für Hinrichtungen in den USA

Bereits seit Jahren sind Chemikalien, mit denen Menschen hingerichtet werden können, auf dem US-Markt Mangelware. Viele Bundesstaaten schieben deshalb bereits verhängte Todesstrafen auf oder experimentieren mit unerprobten Chemikalien, mit teilweise grauenhaften Resultaten. Immer wieder werden Versuche von Gefängnissen öffentlich, geeignete Chemikalien illegal zu erwerben.

Auf Nachfrage teilte ein Pressesprecher der MSD Animal Health mit, man arbeite "selbstverständlich bereits mit den Behörden in dieser Angelegenheit eng zusammen". Da "Beuthanasia-D" in den USA nur als Tierarzneimittel zugelassen sei, habe man keinen Grund zu der Annahme, dass der Stoff jemals außerhalb der Tiermedizin verwendet worden sei.

STAND