Ausstellung in Osthofen über die Verfolgung Homosexueller (Foto: Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz)

Ausstellungseröffnung Gedenkstätte in Osthofen dokumentiert Verfolgung Homosexueller

Die Verfolgung Homosexueller endete nicht mit der NS-Zeit. In Osthofen wird nun eine Ausstellung gezeigt, die sich mit der Nachkriegszeit beschäftigt. Sie zeigt, wie Verfolgung auch zum Vergessen geführt hat.

Zur Eröffnung von "Verschweigen - Verurteilen - Ausstellung zur Verfolgung von Homosexualität in Rheinland-Pfalz von 1946 bis 1973" am Mittwochabend in der Gedenkstätte KZ Osthofen kam auch ein Zeitzeuge. Gert Eid berichtete, wie seine Bar in Mainz überfallen wurde und er den Fall nicht zur Anzeige bringen konnte. Zu gefährlich für ihn - denn damals war Homosexualität selbst strafbar.

Bis Ende 1969 war der entsprechende Paragraph 175 gültig, erklärt Uwe Bader, der Leiter der Gedenkstätte. "Sogar in der von den Nazis verschärften Form, sodass schon Annährungsversuche strafbar waren", sagt er. Über 50.000 Männer verurteilte die bundesrepublikanische Justiz auf dieser unveränderten Rechtsgrundlage bis 1969.

Da Homosexuelle sich bis 1973 nicht öffentlich bekennen durften, waren sie lange nicht als Verfolgte der NS-Zeit anerkannt. Die Überlebenden konnten erst nach 1969 berichten.

"Auf das Verurteilen folgte das Vergessen und Verdrängen."

Uwe Bader, Leiter der Gedenkstätte Osthofen

Strafrechtliche Verfolgung bis in die Siebziger

Die Ausstellung zeigt die strafrechtliche Verfolgung von schwulen Männern und lesbischen Frauen sowie deren Lebensumstände von der Nachkriegszeit bis 1973. Bilder, Briefe, Fotos, Statistiken, Bücher und audiovisuelle Elemente machen das Schicksal der Menschen sichtbar.

Viele homosexuelle Männer seien in den Nachkriegsjahren von denselben Richtern erneut verurteilt worden, von denen sie schon in der NS-Zeit ins Gefängnis geschickt worden seien, so Joachim Schulte, Sprecher des Netzwerks "QueerNet Rheinland-Pfalz": "Wir reden für Rheinland-Pfalz von 2.880 Verurteilungen und 6.000 Strafverfahren."

Im Dezember 2012 entschuldigte sich der rheinland-pfälzische Landtag bei den Opfern und beschloss mit den Stimmen der damals im Parlament vertretenen Parteien SPD, CDU und Bündnis 90/Die Grünen, sich der Vergangenheit zu stellen und eine wissenschaftliche Studie in Auftrag zu geben.

Die Ausstellung wird bis zum 30. Juni in der Gedenkstätte KZ Osthofen zu sehen sein. Der Eintritt ist kostenlos.

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