Ali B. kommt wegen mutmaßlichen Mordes an Susanna in U-Haft (Foto: picture-alliance / dpa)

Ausschüsse zum Fall Susanna Behörden sehen keine Fehler bei Polizei

Die politische Aufarbeitung im Fall Susanna hat begonnen: In rheinland-pfälzischen und hessischen Landtagssauschüssen waren die Ermittlungen der Polizei Thema. Auf beiden Seiten sehen die Behörden keine Versäumnisse.

Die Polizei sei bereits kurz nach der Vermisstenmeldung in die Ermittlungen der Mainzer Kollegen eingebunden gewesen, sagte Landesinnenminister Peter Beuth (CDU) am Donnerstag in einer Sondersitzung von Innen- und Rechtsausschuss im hessischen Landtag in Wiesbaden. Konkret sei es um die Ortung des Handys der 14-jährigen Schülerin aus Mainz sowie die Befragung von Zeugen gegangen, erklärte Landespolizeipräsident Udo Münch.

Polizeipräsident: Keine Anhaltspunkte für U-Haft von Ali B.

Münch und Generalstaatsanwalt Helmut Fünfsinn erklärten, dass es trotz mehrerer Verdachtsfälle für Straftaten keine hinreichenden Anhaltspunkte für die Unterbringung von Ali B. in Untersuchungshaft gegeben habe. Nach Vorwürfen des schweren Raubs sei kurz vor dem Verschwinden Susannas eine Durchsuchungsaktion in der Flüchtlingsunterkunft geplant gewesen, sagte Münch. Diese sollte jedoch erst im Juni vollzogen werden. Ein Zusammenhang bei der Ansetzung der Durchsuchung und der Täterschaft von Ali B. sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar gewesen.

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Innenminister Beuth wies zudem Vorwürfe zurück, der irakische Flüchtling hätte bereits in sein Heimatland abgeschoben werden müssen. Das sei nicht möglich gewesen, da der Iraker gegen den abgelehnten Asylantrag geklagt habe und aufgrund einer bundesweiten Regelung ohnehin nur verurteilte Straftäter in den Irak abgeschoben werden dürften.

Ministerium: Keine Zweifel an sachgerechter Bearbeitung

Ähnlich auf der anderen Rheinseite: Das rheinland-pfälzische Innenministerium sieht keine Versäumnisse der Mainzer Polizei im Fall Susanna. Es bestünden keine Zweifel an einer sachgerechten Bearbeitung des Falles, sagte der Leiter der Abteilung Polizei im Innenministerium, Joachim Laux, im Rechtsausschuss des Landtages in Mainz. Am 30. Mai sei die Federführung nach Wiesbaden gewechselt. Details ließen sich wegen der noch laufenden Ermittlungen nicht sagen.

"Ständiger Austausch mit Susannas Mutter"

Auch Justizminister Herbert Mertin (FDP) verwies auf die in Wiesbaden geführten staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Der Präsident des Polizeipräsidiums Mainz, Reiner Hamm, sagte im Ausschuss, man sei selbstverständlich in permanentem Austausch mit Susannas Mutter gewesen. "Es hat ein ständiger Austausch stattgefunden."

Die 14-jährige Susanna aus Mainz war Ende Mai in Wiesbaden vergewaltigt und umgebracht worden. Tatverdächtig ist der Iraker Ali B. Er sitzt in Frankfurt in Untersuchungshaft. Der Flüchtling hat die Tötung von Susanna bei einer Vernehmung gestanden, er leugnet jedoch die Vergewaltigung. Die Tat soll sich nach Erkenntnissen der Ermittler am Abend des 22. Mai oder in der darauffolgenden Nacht ereignet haben. Am Tag darauf meldete die Mutter die Schülerin in ihrem Wohnort Mainz als vermisst. Als Tage später eine Bekannte von Susanna der Mutter sagte, dass ihre Tochter tot sei und die Leiche an einem Bahngleis in Wiesbaden liege, wechselte die federführende Zuständigkeit zur Polizei Wiesbaden.

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Warum ging Polizei Hinweis nicht sofort nach?

Die Beamten befragten die Hinweisgeberin, die im Urlaub war, jedoch zunächst nicht. Warum die Bekannte nicht im Urlaub befragt wurde, ist unklar. Offen ist auch, warum von dem Hinweis zu Susannas Tod bis zum Finden der Leiche mehr als eine Woche verging.

Am Mittwochabend hatten Freunde und Nachbarn bei einem Trauermarsch durch Mainz-Lerchenberg Abschied von Susanna genommen.

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