Mordprozess im Fall Syndia aus Worms Angeklagter gesteht vor Mainzer Landgericht Angriff auf 21-Jährige

Wie in einem Fieber sei es gewesen, sagte der Angeklagte vor dem Mainzer Landgericht. Er soll im März seine 21-jährige Freundin Syndia in Worms erstochen haben. Nun hat der Prozess begonnen.

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Einen wachen und aufmerksamen Eindruck habe der Tunesier gemacht, als er in den Gerichtssaal geführt wurde, beobachtet SWR-Reporter Wolfgang Seligmann. Hin und wieder habe er den Kopf geschüttelt ob der Aufmerksamkeit, die ihm durch Kameras und Presse entgegengeschlagen ist.

Zum Tathergang habe sich der Angeklagte ausführlich, teilweise verwirrend geäußert. Der abgelehnte Asylbewerber schilderte, es habe Diskussionen mit seiner Freundin gegeben, sie soll sehr eifersüchtig gewesen sein.

Sex auf Video aufgezeichnet

In seiner Aussage vor Gericht behauptete der Angeklagte, Syndia habe ihm in der Tatnacht offenbart, dass sie ein Video von ihm aufgenommen habe. Darauf soll zu sehen sein, wie er betäubt auf dem Bett liegt und sie sexuelle Handlungen an ihm vornimmt. Der Angeklagte bezeichnete das als Vergewaltigung. Darüber sei er so schockiert gewesen, dass er spontan zu einem Küchenmesser gegriffen habe und dann mehrfach auf Syndia eingestochen habe. Sie habe zu dem Zeitpunkt im Bett gelegen. Er sei wütend und "in einem Fieber" gewesen.

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Der Angeklagte floh zunächst, stellte sich aber wenig später der Polizei. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war er vor der Tat nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten.

Heimtückischer Mord?

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann heimtückischen Mord vor. Der Anklage zufolge erlitt das Opfer damals 30 Verletzungen und starb noch am Tatort.

Die Mutter des Opfers sitzt als Nebenklägerin im Gerichtssaal und kämpfte fortdauernd mit den Tränen.

Das Medieninteresse beim Syndia-Prozess ist groß. (Foto: SWR)
Das Medieninteresse beim Syndia-Prozess ist groß.

War Syndia seine Ehefrau?

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft waren der damals 28-jährige Tunesier und Syndia erst seit wenigen Monaten ein Paar gewesen. Es soll eine Liebesbeziehung gewesen sein, die von Auseinandersetzungen geprägt gewesen sei, so die Anklage.

Der Tunesier behauptete vor Gericht sogar, sie soll seine Ehefrau gewesen sein. Die beiden lebten zusammen in einem Zimmer im Haushalt von Syndias Vater in Worms.

Gutachten klärt Schuldfähigkeit

Möglicherweise leidet der Mann laut Staatsanwaltschaft an einer psychotischen Störung. Am Ende des Prozesses könnte die Unterbringung in einer Psychiatrie stehen. Das soll nun ein Gutachten klären.

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Angeklagter sollte abgeschoben werden

Der Angeklagte war nach Angaben der Behörden seit Oktober 2017 in Deutschland, sein Asylantrag war abgelehnt worden, demnach hatte er zum Zeitpunkt der Tat keine Aufenthaltsgenehmigung mehr. Er war wenige Tage zuvor zur Fahndung ausgeschrieben worden, weil er abgeschoben werden sollte.

Trauer und Hass

Die Tat hatte in Worms große Anteilnahme ausgelöst. An einem Trauermarsch durch die Stadt nahmen mehr als 500 Menschen teil.

Die Tat hatte aber auch rechte Hetze im Internet zur Folge. So erhielt der damalige Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel (SPD) Morddrohungen, nachdem er öffentlich zum Zusammenhalt in der Stadt aufgerufen hatte. Die Polizei ermittelte einen der verantwortlichen Hetzer, dieser musste 500 Euro Strafe zahlen.

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