Kreuz auf einem Wörterbuch mit dem Wort Missbrauch (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Anerkennungszahlungen Bistum Mainz entschädigt Missbrauchsopfer ohne Kirchensteuer

Die katholischen Bischöfe in Deutschland diskutieren derzeit darüber, wie und mit welchem Geld Opfer von Missbrauch in der Katholischen Kirche entschädigt werden. Im Bistum Mainz greift man inzwischen nicht mehr auf Kirchensteuereinnahmen zurück.

Rund 309.000 Euro hat das Bistum Mainz bislang Missbrauchsopfern zur Entschädigung gezahlt. Nach Angaben von Bistumssprecher Tobias Blum wird dafür inzwischen kein Geld mehr aus Kirchensteuereinnahmen verwendet. "Vor 2018 wurden diese Zahlungen aus Kirchensteuermitteln geleistet. Mit der Neuorganisation der Aufarbeitung und Aufklärung im Bistum Mainz im Jahr 2018 wurde ein eigenes Konto für Anerkennungszahlungen eingerichtet, das nicht mehr über Kirchensteuermittel finanziert wird", erläutert Blum. Stattdessen greife man auf Zinserträge der Diözese zurück.

Täter sollen zahlen

Ziel sei es aber, dass in erster Linie die Täter die Zahlungen zur Anerkennung des zugefügten Leids übernehmen. Da einige aber schon gestorben seien, zahle das Bistum.

Untersuchungen hatten ergeben, dass seit Kriegsende etwa 170 Männer und Frauen Opfer sexuellen Missbrauchs von Würdenträgern der katholischen Kirche im Bistum Mainz geworden sind. Davon wurden laut Bistum bislang 56 Opfer finanziell entschädigt. 

Dauer

Diskussionen halten an

Seit März 2011 konnten bereits Anträge auf Anerkennungszahlungen gestellt werden. Derzeit diskutieren die katholischen Bischöfe in Deutschland über ein neues Verfahren für Entschädigungszahlungen an Betroffene von sexuellem Missbrauch durch Geistliche.

Eine Arbeitsgruppe schlug im September zwei Modelle vor: eine Pauschale von rund 300.000 Euro pro Opfer oder ein abgestuftes Verfahren, bei dem je nach Schwere des Falls zwischen 40.000 und 400.000 Euro gezahlt werden könnte. Unklar ist die Finanzierung. Zuletzt hatten sich die beiden baden-württembergischen Diözesen gegen einen Rückgriff auf Kirchensteuermittel gewandt. Weitere Schritte für eine bundesweite Regelung sollen Ende Januar vorgelegt werden.

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