Die Grafik zeigt, wie der Bibdelturm am Liebfrauenplatz in Mainz ausehen soll. Er steht direkt neben dem Gutenberg-Museum. (Foto: SWR)

Bürgerentscheid zum Bau-Projekt Mainzer entscheiden klar gegen Bibelturm

Beim Bürgerentscheid über den Bibelturm für das Gutenberg-Museum in Mainz haben die Gegner des Projekts eine klare Mehrheit erzielt.

Die Gegner erhielten bei der Abstimmung am Sonntag 77,3 Prozent der abgegebenen Stimmen, wie Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) mitteilte. Die Befürworter des Bibelturms - benannt nach der von Gutenberg gedruckten Bibel - kamen nach dem vorläufigen Endergebnis auf 22,7 Prozent. An der Abstimmung beteiligten sich 40 Prozent der rund 161.000 stimmberechtigten Mainzer.

Erforderliches Quorum erreicht

Das erforderliche Quorum von mindestens 15 Prozent der Stimmberechtigten für eines der beiden Lager wurde klar erreicht. Die Gegner hatten vor allem die moderne Architektur des geplanten Gebäudes auf dem Domplatz kritisiert und die Finanzierung angezweifelt.

BI-Sprecher: Vom deutlichen Ergebnis "wirklich überrascht"

"Wir sind rein subjektiv davon ausgegangen, dass 'Nein' überwiegt", sagte Nino Haase, Sprecher der Bürgerinitiative Gutenberg-Museum. Diese hatte sich gegen einen Bibelturm engagiert. Das deutliche Ergebnis habe ihn aber "wirklich überrascht". Viele Bürger in der Stadt seien offensichtlich mit dieser Art der Erweiterung nicht einverstanden gewesen. Das Museum sei im vergangenen Jahr extrem in den Mittelpunkt gerückt. "Wenn wir dieses Momentum jetzt nutzen, kann das dem Museum in der Zukunft etwas bringen."

"Herr Ebling hat es in letzter Zeit öfter gesagt: Auch morgen geht die Sonne hier in Mainz wieder auf."

Nino Haase, Sprecher der BI Gutenberg-Museum

Johannes Strugalla, Vertreter der Bürgerinitiavive Mainz für Gutenberg, sagte: "Das Misstrauen hat gewonnen. Mainz hat verloren." Man habe es nicht geschafft, "mit Vernunft und Fakten die negative Stimmungsmache ins Positive zu wenden." Die Entscheidung gegen den Turm verhindere die Erneuerung des Gutenberg-Museums auf lange Zeit.

OB Ebling kritisiert Debatte

OB Ebling, der mit der Mehrheit des Stadtrats für einen Bau geworben hatte, sagte, es bleibe "eine richtige Entscheidung", die Bürger abstimmen zu lassen. "An jedem Mainzer Küchentisch wurde über Gutenberg geredet und das war gut." Er kritisierte aber die teils verletzend geführte Debatte: "Manches habe ich als zutiefst unmainzerisch empfunden." An Rücktritt habe in der Stadtspitze jedoch "garantiert niemand" gedacht. "Das Museum der Zukunft wird die Unterstützung von Bund und Land brauchen", bekräftigte Ebling. Man brauche nun Zeit und Gründlichkeit für die weiteren Planungen.

"Dieser Bürgerentscheid hat das Ansehen von Mainz und das gesamte Gemeinwesen erheblich beschädigt."

Johannes Strugalla, BI Mainz für Gutenberg

Die Mainzer Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) zeigte sich sichtlich enttäuscht über das Ergebnis: "Die Mainzerinnen und Mainzer haben ein klares Votum abgegeben, dass unsere Planung des Erweiterungsbaus für das Gutenberg-Museum eindeutig so nicht gewünscht wird." Man müsse nun dennoch gemeinsam in der Lage sein, das Museum mit allem Elan nach vorne zu bringen.

Stadtrat hatte bereits entschieden

Eigentlich war bereits alles schon beschlossen: Das Gutenberg-Museum sollte durch einen millionenteuren Erweiterungsbau ergänzt werden, den Bibelturm. In dem 20,5 Meter hohen Neubau sollten unter anderem zwei Gutenberg-Bibeln aus dem 15. Jahrhundert ausgestellt werden. Einen entsprechenden Beschluss hatte der Stadtrat bereits 2017 gefasst.

Doch dann regte sich Widerstand. Eine Bürgerinitiative legte der Stadt im vergangenen Jahr über 13.000 Unterschriften vor - und brachte damit eine Bürgerbeteiligung über das umstrittene Projekt in Gang.

Bibelturm (Foto: DFZ-Architekten)
So hätte der Bibelturm bei Nacht aussehen können DFZ-Architekten

Eines der ältesten Druckmuseen der Welt

Das Gutenberg-Museum ist eines der ältesten Buch- und Druckmuseen der Welt. Es ist Johannes Gutenberg, dem vor 550 Jahren gestorbenen "Mann des Jahrtausends" gewidmet, dessen Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern um 1450 die Geschichte der Medien weltweit revolutionierte.

Neues Wahrzeichen oder Fehlgriff?

Doch das Museum mit jährlich rund 130.000 Besuchern gilt als modernisierungsbedürftig. Ein Brandschutzgutachten hat "erhebliche Mängel" am Gebäude aufgezeigt. Der Neubau des Bibelturms mit einer Grundfläche von zwölf mal zwölf Quadratmetern schaffe zusätzliche Ausstellungsflächen, die auch die anderen Museumsbereiche deutlich entlasten würden, hieß es. Dies würde es ermöglichen, mit überschaubaren baulichen Eingriffen das Gutenberg-Museum "interimsmäßig brandschutzsicher zu machen und damit den Museumsbetrieb zu sichern". Der Turm sollte zudem als neues "Wahrzeichen" Sponsoren für die Modernisierung des gesamten Museums anlocken.

Die Bürgerinitiative sprach hingegen von einem "Fehlgriff" der Stadt. Aufwand und Nutzen stünden in keinem Verhältnis. Die veranschlagten fünf Millionen Euro für den Turm und den nötigen Brandschutz des Museums würden nicht ausreichen. Die Bürgerinitiative argumentierte auch mit städtebaulichen Aspekten gegen den Bibelturm-Entwurf des Hamburger Büros DFZ-Architekten: Das "Zusammenspiel" von historischen Bauten, Bäumen und Grünflächen würde unwiderruflich beschädigt.

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