Mobiler Luftfilter in Klassenraum (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Coronaschutz an Schulen

Warum nicht alle Schulen in RLP Luftfilter haben

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Der Unterricht im Land hat am Montag wieder begonnen. Vielerorts hat man den Eindruck, die Schulen sind nicht besser mit Raumluftfiltern ausgestattet, als im vergangenen Schuljahr.

Viele Schulträger hätten gerne Luftfilter - aber sie bekommen sie nicht finanziert, aus verschiedenen Gründen. Einige Schulen hatten Glück, konnten sich Raumluftfilter leisten, weil die Elternschaft "in die Tasche gegriffen" hat. Und wieder andere Schulen haben für kleineres Geld Anlagen selbst gebastelt. Einige Kreise und Verbandsgemeinden haben sich als Schulträger auch gegen die Anschaffung von Luftfilteranlagen entschieden, weil grundsätzlich Stoß- und Querlüften die effektivste Methode laut einiger Experten ist.

Lüftung in Schulen im Land sehr unterschiedlich

Aber Lüftungsanlage ist auch nicht gleich Lüftungsanlage. Da gibt es mobile und stationäre. Der Kreis Birkenfeld zum Beispiel hat sich gegen mobile Anlagen ausgesprochen und möchte stationäre Luftfilter einsetzen.

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Schulträger entscheiden

Doch warum gibt es in Sachen Raumfilteranlagen keine einheitliche Linie? Henning Henn, Pressesprecher des Bildungsministeriums in Rheinland-Pfalz schreibt zu Schuljahresbeginn, "Die Entscheidung, ob für die Unterrichtsräume Luftfiltergeräte oder raumlufttechnische Anlagen angeschafft werden, obliegt den für die Gebäude zuständigen Schulträgern."

Förderprogramme für Luftfilteranlagen

Das Land Rheinland-Pfalz hat Förderprogramme für Luftfiltergeräte. Das erste kam im Herbst 2020. Ein Programm für mobile Luftfiltergeräte in Höhe von sechs Millionen Euro. Hierüber seien rund 1.200 Geräte angeschafft worden. Ein weiteres Förderprogramm für die Schulträger komme hinzu - mit zwölf Millionen Euro unterstütze das Land weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Luft, so Henn vom Bildungsministerium. Zudem können Luftfilteranlagen auch im Rahmen von Schulbaumaßnahmen gefördert werden. Ergänzend zum Landesgeld stehen über ein Investitionsprogramm des Bundes bis zu 36 Millionen Euro für Rheinland-Pfalz zur Verfügung.
"Weitere Fördermöglichkeiten für Schulen und Kindertageseinrichtungen bestehen über das Bundesprogramm Corona-gerechte Um- und Aufrüstung von Raumlufttechnischen Anlagen in Öffentlichen Gebäuden und Versammlungsstätten -weitere rund 9,6 Mio. Euro entfallen daraus auf Rheinland-Pfalz.", heißt es vom Land.

Geld nur für Schulräume ohne Fenster

Doch warum haben trotz dieser Möglichkeiten viele Schulen, die gerne Luftfiltergeräte hätten, keine Anlagen? Der Einbau von mobilen Luftreinigungsanlagen zählt jedenfalls zu den von der Landesregierung geförderten Maßnahmen - allerdings nur in Räumen, wo nicht ausreichend gelüftet werden kann.

Kritik an Förderbedingungen

Reiner Schladweiler, Landeselternsprecher in Rheinland-Pfalz fordert seit längerem Lüftugsgeräte für die Schulen und sieht da das Problem: "Es liegt ganz klar an den Förderrichtlinien des Bundes und der Länder, man fördert nur Klassenräume die nicht belüftet werden (ohne Fenster)...". Das habe in Rheinland-Pfalz dazu geführt, dass von den sechs Millionen Fördermitteln nur drei Millionen abgerufen worden seien. Nun stünden zusätzlich weitere zwölf Millionen zur Verfügung, so Schladweiler - und:

"Ich bin mir sicher, dass diese ebenfalls nicht abgerufen werden, denn so viele Räume ohne Fenster gibt es in unseren Schulen nicht."

Ähnlich sieht das Lars Lamowski, Stellvertretender Landesvorsitzender vom Verband Bildung und Erziehung (VBE). Er ist auch Schulleiter einer Grundschule und sagt, für die wenigsten Klassenzimmer treffe zu, dass sie sich nicht ausreichend lüften ließen. Sein Schulträger ist die Verbandsgemeinde Kirchen. Diese wolle seit Monaten Luftfilteranlagen anschaffen und warte auf Fördermittel vom Land. Aber letztlich scheitere das an den Bedingungen.

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Lars Lamowski sieht zudem eine Ungerechtigkeit zwischen Schülern an einer Schule, an der die Eltern in die eigene Tasche greifen, um Raumluftfilteranlagen anzuschaffen und einer Schule, an der die Eltern das nicht können. Das habe mit Gleichbehandlung, Gleichberechtigung und auch sozialer Gerechtigkeit in gewisser Hinsicht nichts zu tun.

Und was er von selbst gebauten Filteranlagen hält? Es sei toll, wenn zum Beispiel Eltern sich engagierten - aber letztlich ein Armutszeugnis für die Landesregierung, wenn sie im Baumarkt selber Schläuche und Material kaufen und daraus dann Anlagen basteln müssten.

Lamowski betont Nachhaltigkeit der Anlagen

Das Argument, Corona könne bald vorbei sein und dann seien die Filteranlagen umsonst, lässt Lamowski nicht gelten. Auch vor Corona seien halbe Klassenzimmer wegen anderer Infekte leer gewesen. Ob Grippe, Darminfekt oder etwas anderes - die Anlagen seien auch dann sinnvoll.

"Filtergeräte zumindest für unter 12-jährige"

Lamowski versteht nicht, warum die Landesregierung nicht wenigstens für alle Klassenräume mit Schülern bis zu zwölf Jahren Luftfiltergeräte flächendeckend und bedingungslos finanziert. Das sei für keinen, der mit Schule zu tun habe, nachvollziehbar. Denn die unter 12-jährigen seien die, die sich nicht oder noch nicht impfen lassen könnten.

"Man könnte vom Land doch sagen, um mit Steuergeldern vernünftig umzugehen, wir machen es für Kinder bis zwölf oder für Klassen, wo Kinder bis zwölf Jahre hingehen, diese Klassenräume - und Kitas meinetwegen auch, statten wir mit Raumluftfilteranlagen aus - man macht es aber nicht."

Befürchtung: Produzenten kommen nicht hinterher

Die Zeit in den Sommerferien habe man nicht gut genutzt, sagt er weiter. Wenn man sich irgendwann doch entschließe, die Anlagen anzuschaffen, weil die Corona-Zahlen zum Beispiel immer weiter steigen, würde das schwierig. Dann hätten die Produzenten sicher ein Problem mit der Herstellung und könnten nicht so schnell liefern, so Lamowski.

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