Terminal Flughafen Hahn  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Wie geht es weiter mit dem Hunsrück-Flughafen?

Luftfahrtexperte: Die Zukunft des Hahn liegt im Frachtbereich

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Hat der Flughafen-Hahn eine Zukunft? Diese Frage stellen sich wegen der Insolvenz nicht nur die Beschäftigten. Luftfahrtexperte Thomas K. Thomalla aus Unkel sieht gute Chancen für den Hunsrück-Airport.

Am Dienstag kam die Nachricht: Der Flughafen Frankfurt Hahn ist insolvent. Der Betrieb soll aber während des Insolvenzverfahrens normal weiterlaufen, versichert der vorläufige Insolvenzverwalter. Im SWR Aktuell-Interview nennt Thomalla, Betreiber des Internetportals aerobuzz.de, Gründe, warum der Flughafen trotz der aktuellen Probleme eine Zukunft haben könnte.

SWR Aktuell: Ist die Insolvenz des Flughafens Hahn für Sie eine überraschende Entwicklung?

Thomas K. Thomalla: Nein. Es war keine überraschende Entwicklung. Nachdem die Muttergesellschaft, die HNA Group, in China in eine finanzielle Schräglage gekommen ist, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, dass auch die Tochtergesellschaften darunter leiden werden. Dass Hahn da auch mit betroffen ist, war jetzt nicht überraschend.

SWR Aktuell: Der Betrieb soll zunächst weiterlaufen unter der Insolvenzverwaltung. Wie lange kann das gut gehen?

Thomalla: Das kann schon lange gut gehen. Wobei ich nicht glaube, dass es ewig dauert, bis dort ein Investor gefunden wird. Ich glaube, dass es Investoren geben wird. Risikokapital ist am Markt momentan enorm viel vorhanden und der Hahn hat jetzt keine schlechte Ausgangsposition.

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SWR Aktuell: Die Investorensuche war in der Vergangenheit schon schwierig und zuletzt auch mit der HNA kein Glücksgriff. Lag das in der Vergangenheit auch daran, dass die Landesregierung beteiligt war?

Thomalla: Es ist überall so, dass sich Investoren scheuen, wenn irgendwo der Staat als Co-Investor mit im Boot sitzt. Dennoch wird die Suche jetzt natürlich auch nicht einfach, das ist klar. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass sich ein Investor finden lassen wird.

Die Zukunft des Flughafens Hahn liegt ganz klar im Bereich Fracht.

SWR Aktuell: Der Passagierflugbereich ist in den vergangenen Jahren schon extrem zurück gegangen am Hahn. Sehen Sie da Möglichkeiten, das wiederzubeleben oder muss sich der Hunsrück-Airport ganz auf Fracht konzentrieren?

Thomalla: Die Zukunft des Flughafens Hahn liegt ganz klar im Bereich Fracht. Allein die Fracht wird aber dem Flughafen nicht zu einem wirtschaftlichen Betrieb verhelfen. Der Flughafen muss beides bedienen, die Fracht und auch die Passagiere. Und den Passagierverkehr kriegt er nur über Billigfluggesellschaften. Da ist es eben fatal, wenn man nur auf einen Carrier gesetzt hat, nämlich Ryanair. Da muss einfach der Flughafen versuchen, weitere Carrier zu akquirieren, damit man eben eine breite Basis hat und nicht erpressbar ist, wie es bei Ryanair der Fall war in der Vergangenheit.

SWR Aktuell: Sehen Sie denn da Kandidaten, die Interesse haben könnten, in den Hunsrück zu gehen?

Thomalla: Ja, auf jeden Fall. Da gibt es verschiedene. Da gibt es auch immer wieder neue Billigfluggesellschaften, die auf den Markt kommen. Wenn ich da an die Wizz Air etwa denke, das ist eine ungarisch-ukrainische Fluggesellschaft, die sehr erfolgreich ist. Auch EasyJet kann ich mir dort durchaus vorstellen. Die Passagiere werden natürlich wie in der Vergangenheit in den Hunsrück kommen, wenn die Flugpreise stimmen. Und am Ende entscheidet das Portemonnaie über die Moral.

SWR Aktuell: Seit dem vergangenen Jahr hat es eine gewisse Corona-Bereinigung im Flugsektor gegeben. Alle mussten zurückstecken und in der Krise überleben meistens eher die Großen. Spricht das nicht gegen einen Flughafen wie den Hahn?

Thomalla: Wenn man direkt drauf guckt, könnte man das natürlich sagen. Der Flughafen Hahn hat aber mehrere Vorteile. Einmal ist er sehr günstig für die Fluggesellschaften, was durchaus attraktiv ist. Zweitens hat er ein Einzugsgebiet, das jetzt nicht so ganz verkehrt ist. Natürlich wäre es näher an einer großen Stadt einfacher. Aber der Hunsrück ist nicht aus der Welt. Die Einzugsbereiche Frankfurt, Köln, Luxemburg generieren auch ein entsprechendes Verkehrsaufkommen. Außerdem ist die Hochmoselbrücke fertig und damit ist die Verkehrsanbindung an den Flughafen deutlich besser als noch vor ein paar Jahren.

Das ist einerseits für die Passagiere interessant, aber vor allem für die Fracht. Das heißt, die Verbindung für Intermodularverkehre im Bereich Fracht in Richtung Benelux, die ist da deutlich schneller geworden. Das spricht für den Flughafen. Und nicht zu vergessen, der Flughafen hat eine 24-Stunden-Betriebserlaubnis, was vor allem für die Fracht eine ganz wichtige Geschichte ist. Produkte, die mit Luftfracht transportert werden, werden tagsüber produziert und nachts geflogen. Und da bietet der Hahn durchaus eine Möglichkeit, nachdem es in Frankfurt nicht mehr möglich ist, nachts zu fliegen.

SWR Aktuell: Ist diese 24-Stunden-Betriebserlaubnis der größte Trumpf für den Flughafen Hahn?

Thomalla: Ja, auf jeden Fall.

SWR Aktuell: Regionalflughäfen wie der Hahn haben in der Vergangenheit mithilfe staatlicher Subventionen überlebt. Diese Beihilfen sind ab 2024 gar nicht mehr möglich. Wo sehen Sie überhaupt die Möglichkeit, für einen Regio-Flughafen schwarze Zahlen zu schreiben und ohne externe Hilfe auszukommen?

Thomalla: Ein Flughafen mit einem 24-Stunden-Betrieb wie der Flughafen Hahn hat eben durch den Mix von Fracht und Passagieren durchaus Chancen. Er wird nie ein Riesenflughafen werden können wie Frankfurt und andere. Ganz klar haben Regionalflughäfen aufgrund ihrer Passgieraufkommen Probleme, wirtschaftlich zu werden. Aber sie haben eben auch ihre Chancen, zum Beispiel durch den 24-Stunden-Betrieb, aber eben auch, weil sie eine Region anbinden. Der Hunsrück hat sich da ja auch positiv entwickelt. Einerseits durch die Windenergie und anderseits durch den Flughafen Hahn.

Das ist schon ein Asset, von dem ich glaube, dass auch die Landkreise dort weiter profitieren wollen und sicher durch Gewerbeansiedlung unterstützen, dass der Flughafen dort auch profitabel arbeiten kann. Regionalflughäfen werden aber nie so profitabel werden wie große Verkehrseinrichtungen. Aber als wichtige Verkehrsinfrastruktur hat der Hahn auch während der Corona-Pandemie gezeigt, wo er ja im Bereich Fracht enorm zugelegt hat, durch den Transport von Masken und medizinischer Schutzkleidung und sonstigen Sachen, dass er eben auch überregional eine Bedeutung hat. Aber eben im Bereich Fracht und nicht Passagier.

Volker K. Thomalla (Foto: keine)
Luftfahrtexperte Volker K. Thomalla, Betreiber des Internetportals aerobuzz.de keine

Der Weg dahin, um profitabel zu arbeiten, ist lang und schwer, aber ich glaube, dass der Flughafen Hahn es schaffen wird.

SWR Aktuell: Wird es den Flughafen Hahn nach ihrer Einschätzung in fünf Jahren noch geben, wird da noch geflogen?

Thomalla: Ja, ich bin mir relativ sicher, dass da geflogen wird, wenn auch vielleicht weniger Passagiere und mehr Fracht. Ich denke, dass dieser Flughafen als Verkehrsinfrastruktur auch dann existieren wird. Der Weg dahin, um profitabel zu arbeiten, ist lang und schwer, aber ich glaube, dass der Flughafen Hahn es schaffen wird.

Das Interview führte Dirk Rodenkirch.

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