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Die Schulen in Rheinland-Pfalz sind trotz Corona zum regulären Unterricht zurückgekehrt. Damit das so bleibt, spielt frische Luft eine entscheidende Rolle. Doch wie soll in Herbst und Winter regelmäßig gelüftet werden?

"Das ist eine gute Frage", sagt Klaus-Peter Hammer, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Rheinland-Pfalz im SWR-Interview. "Das Lüftungskonzept fehlt."

Das rheinland-pfälzische Bildungsministerium kündigte nun an, den Corona-Hygieneplan für Schulen zu überarbeiten. Staatssekretär Hans Beckmann (SPD) sagte dem SWR, man wolle Lösungen entwickeln, wie man die Klassenzimmer auch im Winter ausreichend lüften könne.

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GEW glaubt nicht an schnelle Lösung

Gewerkschafter Hammer hat große Zweifel, dass bis Herbstanfang ein geeignetes Konzept auf die Beine gestellt wird. Es gebe Ansätze, aber die seien schwer umsetzbar. Klar sei, "das Bildungsministerium bietet bis jetzt keine Lösungen an. Es scheitert hauptsächlich am Geld".

"Wir wollen, dass alle Schüler unterrichtet werden. Wir wollen aber auch, dass Lehrer und Schüler sich sicher fühlen", so Hammer weiter. Doch ohne Lüftungskonzept würden Aerosole lange in der Luft stehen bleiben und somit das Risiko auf eine Infektion mit dem Coronavirus erhöhen.

Aus Sicht von Wissenschaftlern muss die Luft gerade in Klassenräumen regelmäßig ausgetauscht, besser noch gefiltert werden. Der Grund sind die sogenannten Aerosole. Die kleinen Wasserpartikel geraten beim Ausatmen in die Luft und bleiben dort über Stunden. Sie gelten als einer der Hauptüberträger von Corona.

Ministerium: Alle Beteiligte an einen Tisch

Laut Lehrer- und Schülervertretern ist es in vielen Klassenräumen jetzt schon zu kalt. Der Hygieneplan des Landes schreibt aber vor, die Fenster alle zwanzig Minuten zu öffnen, auch während des Unterrichts. Das Ministerium kündigte an, Schüler-, Elternvertreter, Schulträger und Virologen an einen Tisch bringen zu wollen. Lösungen müsse man nun gemeinsam finden - wie die genau aussehen könnten, konnte Staatssekretär Beckmann aber nicht sagen. Außerdem werde man sich um Fördermittel beim Bund bemühen, beispielsweise für Luftfilteranlagen.

Laut Hammer werden Entlüftungsanlagen aus Kostengründen bislang vom Land nicht unterstützt. "Deswegen ist jede denkbare Maßnahme eine Möglichkeit. Zur Not müssen wir die beste aller schlechten Lösungen nehmen."

Außerdem fordert Hammer: "Schulen brauchen Freiräume, Maßnahmen umzusetzen." Das hieße auch, "wenn Schulen die Möglichkeit haben, Plexiglasscheiben als Spuckschutz zu installieren, ihnen auch die Chance gegeben werden muss". Denn Schulen seien ab Herbst besonders gefährdet, sich als Hotspot des Coronavirus zu entwickeln.

CO2-Ampeln keine Lösung, aber Orientierung

Im Gespräch sind laut Hammer zurzeit auch sogenannte CO2-Ampeln. Diese geben zwar eine gewisse Sicherheit, so Hammer, seien aber nur eine Orientierung und keine Lösung. Sie könnte Lehrern beim sachgerechten Lüften helfen. Denn Kollegen seien derzeit sehr verunsichert.

CO2-Ampel (Foto: SWR)
Eine CO2-Ampel kostet um die 60 Euro.

CO2-Ampeln zeigen in grün, gelb und rot an, wie dringend der Lüftungsbedarf ist. Allerdings messen sie nicht die Konzentration virushaltiger Luftpartikel, der sogenannten Aerosole. Das Bildungsministerium teilte dem SWR auf Anfrage mit, man stehe in Kontakt mit Hygieneexperten, "um den effektiven Nutzen solcher und anderer Systeme in Schulen zu bewerten".

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