"Metropol"-Baugrube in Ludwigshafen (Foto: SWR)

Geplantes Metropol-Hochhaus: Lücke mitten in Ludwigshafen

Projektgesellschaft ist insolvent: Wie gehts weiter mit Baustelle am Berliner Platz?

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Panja Schollbach

Die Bauarbeiten für das geplante Metropol-Hochhaus am Berliner Platz in Ludwigshafen waren - nach jahrelangem Stillstand - im Januar gestartet. Jetzt der Schock: Die Projektgesellschaft ist insolvent. Wie geht es weiter am Berliner Platz?

Marode Hochstraßen, jahrelanger Stillstand am Berliner Platz und ein anstehender Rathaus-Abriss - die Stadtverwaltung Ludwigshafen hat derzeit Baustellen ohne Ende - auch im übertragenen Sinne.

Die zuständige Projektgesellschaft für das Metropol-Hochhaus hatte kürzlich einen Insolvenzantrag gestellt. Ursprünglich hatte sie geplant, dass Metropol-Hochhaus am Berliner Platz zu realisieren. Und so sollte das neue Wahrzeichen der Stadt eigentlich aussehen:

Aktueller Entwurf des Metropol- Hochhauses Ludwigshafen (Foto: RKW Architektur)
RKW Architektur

Wie geht es mit dem Berliner Platz weiter?

Ob das Hochhaus jetzt überhaupt noch gebaut wird und wie es mit den Plänen weitergeht - derzeit noch völlig unklar. Bei der Stadtratssitzung am 18. Juli sagte Jens Kilus, der Justitiar der Stadtverwaltung, der eingesetzte Insolvenzveralter aus Mannheim müsse sich jetzt erst einmal "einen Überblick" verschaffen und dann ein Gutachten für das Amtsgericht Karlsruhe erstellen. Dort ist das Insolvenzverfahren anhängig. Die Stadt hat sich nach eigenen Angaben einen Anwalt in der Sache genommen.

So sah es auf der Baustelle am Berliner Platz im März aus:

"Metropol" Baugrube in Ludwigshafen (Foto: SWR)
Berge von Bauschutt türmen sich auf der Metropol-Baustelle am Berliner Platz im Zentrum von Ludwigshafen Bild in Detailansicht öffnen
Stephan Mertens vom Investor Timon Bauregie, Manfred Wendig, Projektleiter beim Bauunternhemen Hochtief, das die Arbeiten durchführt und Uwe Keil von der Projektsteuerung vor der Metropol-Baustelle (v.l.n.r.) Bild in Detailansicht öffnen
Betonschutt vom alten Bunker neben dem ehemaligen Keller des früheren Kaufhauses am Berliner Platz, dahinter das Faktorhaus. Der zerkleinerte Beton des Bunkers soll teilweise in den Keller verfüllt werden. Bild in Detailansicht öffnen
Abrissbagger vor der Öffnung des alten Bunkers, der noch weitläufiger in die Ludwigshafener Innenstadt reicht. Die 2,5 Meter dicke Betondecke des Bunkers wurde langwierig abgemeisselt, der Staub ärgerte die Anwohner. Bild in Detailansicht öffnen
Stephan Mertens vom Investor Timon Bauregie am Berliner Platz im Zentrum von Ludwigshafen: Hier soll bis 2024 das Metropol-Hochhaus entstehen. Bild in Detailansicht öffnen
Blick auf die Metropol-Baustelle in Richtung Westen mit dem Ankerhof und der Kirche St. Ludwig im Hintergrund Bild in Detailansicht öffnen
Kellerrest des ehemaligen Kaufhauses am Berliner Platz Bild in Detailansicht öffnen
Betonschutt vom Bunker unter Resten des Kaufhaus-Kellers am Berliner Platz Bild in Detailansicht öffnen

Stadt Ludwigshafen in Kontakt mit Insolvenzverwalter

Die Ludwigshafener Oberbürgermeisteri Jutta Steinruck (SPD) und Mitglieder der Stadtveraltung haben offenbar bereits ein erstes Gespräch mit dem Insovenzverwalter führen können und auch auch klargemacht, so Kilius, " dass die Stadt auf der Suche nach einem neuen Rathaus ist" und dass der Berliner Platz "möglicherweise eine Option" als Rathaus-Standort sein könnte. Denn auch das Rathaus in Ludwigshafen wird ab 2023 abgerissen. Einen neuen Standort gibt es bislang nicht.

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CDU will, dass Stadt den Berliner Platz erwirbt

Wegen der Insolvenz sind noch viele Fragen offen. Wir haben bei der Politik nachgefragt, was sich die Stadtratsfraktionen vorstellen, wie es am Berliner Platz jetzt weitergehen soll.

Für die CDU kommt die Insolvenz nicht überraschend. Fraktionschef Peter Uebel antwortete auf SWR-Anfrage: "Die aktuellen Entwicklungen der letzten Monate mit massiv steigenden Baupreisen als auch steigendem Zinsniveau, haben nichts Gutes ahnen lassen." Die CDU-Fraktion will, dass das Gelände in "städtischen Besitz kommt". Das neue Rathaus für Ludwigshafen könnte man am Berliner Platz errichten.

Grüne im Rat wollen "neue Chance" für Berliner Platz

Für die Grünen im Stadtrat steht fest: "Ludwigshafen muss alles daran setzen, dass der angedrohte jahrelange Stillstand am Berliner Platz nicht eintritt." Die Grünen im Rat wollen das Projekt Metropol-Hochhaus nicht weiterverfolgen und fordern die Stadt auf, bei dem Insolvenzverwalter für einen "kompletten Neustart" einzutreten. "Die Stadt muss die Initiative ergreifen und dafür sorgen, dass der Berliner Platz eine neue Chance erhält", so Fraktionschef Hans-Uwe Daumann. 

Die Linksfraktion sei von Anfang an gegen das geplante Metropol-Hochhaus gewesen, sagte der Fraktionsvorsitzende Liborio Ciccarello dem SWR. Was wollen die Linken? "Auf keinen Fall soll dort ein Hochhaus gebaut werden, weil die Mehrheit der Ludwigshafener das nicht will!", so der Fraktionschef. "Vielmehr könnte sich dieses Areal sehr gut für den Bau des neuen Rathauses oder Teile hiervon für eine Markthalle im Erdgeschoss eignen, die in der Metropolregion einzigartig wäre."

Das Rathaus-Center in Ludwigshafen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Uwe Anspach/dpa)
Das Rathaus-Center in Ludwigshafen picture alliance / Uwe Anspach/dpa

FDP plädiert für leistungsfähigen Investor

Die FDP sieht jetzt Stadt und Insolvenzverwalter am Zug: Sie sollten einen "leistungsfähigen Investor gewinnen, der das Grundstück erwirbt und an die 'Stadt mit Schwung' glaubt", so FDP-Chef Thomas Schell. Anbieten würde sich der Bau eines neuen Rathauses am Berliner Platz, so Fraktionschef Thomas Schell, das die Stadt allerdings mieten müsste. Denn: "Ein Kauf durch die Stadt scheidet aus, da der Haushalt überschuldet ist."

Auch die FWG plädiert für einen Rathaus-Neubau am Berliner Platz. "Der Stadtrat muss versuchen über rechtliche Schritte wie Bebaungsplanänderungen oder Versagen der weiteren Bebauung wegen Verzug den Zugriff auf das Grundstück zu bekommen."

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Grüne und Piraten entspannt: Erstmal Platz begrünen

Entspannt sehen die Grünen und Piraten den Entscheidungen entgegen. "Unsere Fraktion im Stadtrat Grünes Forum und Piraten spricht sich dafür aus, jetzt nicht vorschnell eine neue Idee aus dem Hut zu zaubern, etwa der Bau eines Rathauses", sagte Raik Dreher dem SWR: Man wolle stattdessen "in Ruhe abzuwarten, welche Entwicklungsmöglichkeiten für den Berliner Platz bestehen. Zunächst plädieren wir dafür, das Loch zu schließen und den Platz zu begrünen." Möglicherweise gebe es auch Bedarf für ein drittes Straßenbahn-Gleis.

Eine Anfrage an die SPD-Fraktion blieb bislang unbeantwortet.

Stadt Ludwigshafen hat kein Vorkaufsrecht

Nach Angaben der Stadtverwaltung kann es bis Anfang September dauern, bis der Insolvenzverwalter das Gutachten erstellt hat. Ein Vorkaufsrecht für das Grundstück am Berliner Platz hat die Stadt nicht. Laut Justitiar Kilius gibt es wohl zwei Möglichkeiten für die Zukunft des Berliner Platzes und des Bauprojektes. Das habe der Insolvenzverwalter aufgezeigt: Entweder werde das Projekt und damit das Metropol-Hochhaus von einem neuen Investor genauso durchgeführt, wie geplant oder das Grundstück werde an einen neuen Investor verkauft.

Jetzt hat die Stadtverwaltung erstmal Palmen und neue Sitzmöbel gegenüber des Berliner Platzes aufgestellt - damit man bei den ganzen Baustellen auch mal Verschnaufen kann.

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