Hochwasser bei Weingut Josef Justen-Schmitges (Foto: SWR, Heiko Wirtz)

Nach den Überflutungen der Ahr

Könnten auch Flüsse in der Pfalz Flutkatastrophen auslösen?

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Nach der Flutkatastrophe im Norden von Rheinland-Pfalz sind auch in der Pfalz Rettungskräfte und Behörden damit befasst, ob und wie sintflutartige Regenfälle Ortschaften bedrohen könnten.

In der Eifel war aus dem kleinen Fluss Ahr plötzlich ein reißender Strom geworden, der Häuser zerstörte, Autos und Wohnwagen mitriss wie Spielzeug und in kürzester Zeit Wasser und Schlamm in die Ortschaften trug, in denen viele Menschen ertranken.

Die Wetterexperten sagen voraus, dass solche Extrem-Niederschläge künftig häufiger auftreten werden. In Bad Dürkheim gab es auch schon Überflutungen in den letzten Wochen, wenn auch zum Glück ohne Tote.

Was können Niederschläge in der Region anrichten?

Auch in der Pfalz gibt es Risikogewässer, heißt es von der zuständigen Wasserwirtschafts-Behörde, der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD-Süd) in Neustadt. Ob ein kleiner Fluss zu einem reißenden Strom wird, hänge vom Gefälle ab - von den "dynamischen Abflussverhältnissen". Die Gefahr steige, je stärker die Höhenlage und je steiler das Gefälle. Man erreiche in der Pfalz nicht ganz die Werte wie an den Gewässern im Norden von Rheinland-Pfalz.

Am ehesten wäre der Oberlauf des Speyerbachs bis Neustadt und Haßloch zu nennen. Aber auch die Gemeinden an anderen Gewässern sollten nicht sorglos sein. Alle Gewässer sollten sorgfältig beobachtet werden.

Fischtreppe am Speyerbach (Foto: SWR, SWR -)
Die Fischtreppe am Speyerbach, wenn alles am Gewässer ruhig ist. SWR -

Stadt Neustadt sieht sich bei Hochwassergefahr weniger gefährdet

Durch die Stadt Neustadt fließt der Speyerbach von dem sich im Nordosten des Stadtgebiets der Rehbach abteilt. Auch dieser Fluss und sein Nebenfluss könnten anschwellen. Allerdings ist die Wasserführung, nach Angaben der Stadt, deutlich geringer und auch das Einzugsgebiet kleiner. Außerdem würden der Wald und der porige Sandstein gut Wasser aufnehmen. Deshalb sei mit ähnlichen Katastrophen wie in der Eifel eher nicht zu rechnen.

Ein schwarzweiß Bild des Hochwassers in Neustadt 1920. (Foto: Stadt Neustadt)
Ein Archivbild vom Hochwasser in Neustadt an der Weinstraße. Stadt Neustadt

Ungefährlich ist der Speyerbach aber nicht, wie er früher bereits bewiesen hat. Bei der Flutkatastrophe 1882 in Neustadt stürzten damals durch Tauwetter und Starkregen ebenfalls Häuser ein. Auch 1920 erlebte Neustadt ein großes Hochwasser.

Hochwasserschutz auch an den kleineren Flüssen

Vor einigen Jahren wurden bei Haßloch für den Rehbach Überflutungsflächen geschaffen und laut SGD-Süd auch weitere Teilmaßnahmen umgesetzt. Es seien "hydraulische Berechnungen" gemacht worden. Dabei seien auch Szenarien eines Extremhochwassers berechnet worden und die neuen Überflutungsflächen hätten demnach eine positive Wirkung.

Hochwasserschutz bei Bad Dürkheim greift noch nicht

Auch bei Bad Dürkheim Ungstein wird zur Zeit am Hochwasserschutz gearbeitet. Allerdings seien die Arbeiten noch in einem Zwischenstadium, weshalb der Schutz bei den Überflutungen Ende Juni noch nicht wirksam gewesen sei.

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SGD lässt Hochwasserschutz überprüfen

Der Hochwasserschutz, auch an den kleineren Flüssen, werde bereits seit einigen Jahren vorangetrieben. Dennoch würden jetzt die Konzepte noch einmal überprüft und gegebenenfalls angepasst. Als Grundlage diente die Gefahrenkarte für ein Hochwasser mittlerer Wahrscheinlichkeit. Nach dieser Karte seien in einer Rechtsverordnung Überschwemmungsgebiete festgelegt worden. In diesen dürfen Gebäude oder Anlagen nur noch mit Ausnahmegenehmigung errichtet werden.

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Alarmierung muss verbessert werden

Die Fluten an der Ahr zeigen deutlich auf, dass man ab einer bestimmten Größenordnung Wassermassen nicht mehr beherrschen kann, heißt es von der SDG. Umso wichtiger sei es, das Einsatzkräfte geschult werden und bei Gefahren die Bevölkerung rechtzeitig gewarnt wird. Es sei schon vieles verbessert worden, aber die Ereignisse zeigten, dass in allen Bereichen der Warnkette - von der Vorhersage bis hin zum konkreten Alarm - sicherlich noch vieles zu verbessern gibt.

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Verbote in Überschwemmungsgebieten auch beachten

Es komme auch auf jeden Einzelnen an. Jeder müsse sich auch selbst darum kümmern, dass er im Fall eines Hochwassers nicht in Gefahr ist. Leider zeige sich immer wieder, dass Verbote in Überschwemmungsgebieten missachtet werden.

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