Biogas als Alternative zu Fracking-Gas aus Übersee?

Weg aus der Energiekrise: Mehr Biogas in der Pfalz möglich

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Sebastian Barth

Wirtschaftsminister Robert Habeck hat vor wenigen Tagen angekündigt, dass Biogas- und Photovoltaikanlagen nicht mehr begrenzt werden sollen. Was könnte das für die Biostrom-Produktion in der Pfalz bedeuten?

Biogasanlage in Zweibrücken (Foto: Energieagentur Rheinland-Pfalz)
Biogasanlage in Zweibrücken Energieagentur Rheinland-Pfalz

In ganz Rheinland-Pfalz gibt es jede Menge Windräder, die Ökostrom produzieren können. Die Strommenge aus diesen Anlagen ist allerdings schwankend - viel bei starkem Wind, wenig bei schwachem. Hier spielen Anlagen, die Strom aus Biogas produzieren eine entscheidende Rolle. Gut 250 Stück gibt es in Rheinland-Pfalz, sagt Michael Jakob. Er ist Referent für Bioenergie bei der Energieagentur Rheinland Pfalz, einer Einrichtung des Landes, die Kommunen, Bürger und Unternehmen unabhängig beraten soll.

20 Prozent mehr Strom aus Biogas in Rheinland-Pfalz möglich

Das Wirtschaftsminister Habeck jetzt die Deckelung für Biogas-Anlagen per Gesetz aufheben lassen will, sieht Jakob als wichtigtes Element bei der Energie-Sicherung angesichts der Gas-Krise mit Russland. Die rheinland-pfälzischen Biogas-Anlagen könnten insgesamt ihre Kapazitäten um rund 20 Prozent steigern - und zwar ohne dass irgendwo etwas zusätzlich investiert werden müsste. Noch sei es aber nicht soweit. Man versuche aber jetzt schon alles vorzubereiten, dass diese Steigerung möglichst schnell erfolgen kann, sobald das Gesetz da ist.

Bislang ist es so, dass seit einigen Jahren durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz politisch sowohl der Ausbau von Biogasanlagen als auch die dort produzierte Gasmenge gedeckelt wurde. Jede Biogasanlage durfte seit 2014 also nur den Durchschnittswert der vergangenen drei Jahre produzieren und nicht mehr, erklärt Jakob von der Energieagentur Rheinland-Pfalz. Das sei eine rein politische Entscheidung gewesen. Ohne diesen Deckel könnten nun sowohl regionale Bauern als auch Biogasunternehmen von der aktuellen Situation profitieren. Das könnte auch Arbeitsplätze in der Region schaffen - statt überwiegend Frackinggas aus dem Ausland einzukaufen, so Jakob.

Strom aus Biogas kann Stromschwankungen ausgleichen

Der Anteil an Biogas am gesamten Gasvolumen, das in Rheinland-Pfalz gebraucht wird, steige dann von derzeit fünf auf knapp sechs Prozent. Das klinge vielleicht wenig, so Jakob, entscheidender dabei sei aber, was mit diesem Gas gemacht werde. Bis auf zehn Ausnahmen in Rheinland-Pfalz produzieren alle Anlagen Strom und dieser kann dann eingesetzt werden, wenn wenig Wind weht oder wenig bis gar keine Sonne scheint. Alle Biogas-Stromanlagen verfügen über Gasspeicher, so dass sie bei Stromspitzen auch vorübergehend ausgeschaltet bleiben könnten. Somit könnten starke Schwankungen im Netz abgefangen werden.

Energiekrise: Mehr Biomasse könnte genutzt werden

Große stromproduzierende Anlagen gibt es zum Beispiel in Ramstein (Kreis Kaiserslautern) oder in Lustadt oder Steinweiler (Kreis Germersheim). Wermutstropfen: In vielen dieser Anlagen wird nicht ausschließlich Bioabfall verstromt, sondern es kommen Mais oder Zuckerrüben als nachwachsende Rohstoffe hinzu. Auch in Anlagen, die mit Gülle betrieben werden, werden frische energieliefernde Pflanzen mit verarbeitet. Nach Angaben von Bioenergie-Experte Michael Jakob besteht da noch Luft nach oben, wenn es um den Einsatz von Abfallstoffen zur Energieerzeugung geht. Vieles was an Bioabfall, vor allem in der Industrie entsteht werde nicht genutzt. Und im Moment werde nur 50 Prozent der anfallenden Gülle in Rheinland-Pfalz zur Energiegewinnung verwendet.

Kühe stehen auf einer Wiese, im Vordergrund liegt Gülle. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Marc Müller)
50 Prozent der Gülle in Rheinland-Pfalz wird zur Energiegewinnung genutzt. picture alliance / dpa | Marc Müller

Neue reine Biogas-Anlage im Kreis Germersheim

Es wäre also jetzt schon genug Material für weitere Biogasanlagen da - auch zur reinen Gasproduktion. Eine neue Anlage steht in Westheim im Kreis Germersheim. Sie produziert nach Angaben der Betreiber stündlich rund 5.500 Kilowattstunden Gas, das aufbereitet auf Erdgasqualität ins öffentliche Gasnetz eingespeist wird. Damit kann der Gasbedarf von bis zu 2.400 Haushalten gedeckt werden, rechnet Energie-Agentur-Experte Jakob vor.

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